Wer springt in die Bresche? Trainer Bruno Labbadia (r.) war mit der Leistung und der Kommunikation seiner Spieler nicht zufrieden.  Foto:  City-Press

Die 0:4-Klatsche gegen die PSV Eindhoven offenbart eine lange blau-weiße Mängelliste. Die größten Kopfschmerzen bereitet Hertha-Trainer Bruno Labbadia zwei Wochen vor Saisonstart die fehlende Kommunikation auf dem Platz. Hilfe, Hertha braucht einen Leitwolf!

„Das Manko ist extrem“, ärgert sich Labbadia: „Wir versuchen, das jeden Tag anzusprechen, aber man kann keinen in die Rolle reindrängen. Wir haben eine komplette Achse verloren. Das merkt man. Trotzdem dürfen wir nicht 0:4 verlieren.“

Immerhin: Nach der verpennten Anfangsphase raffte sich Hertha auf, kam – anders als bei 0:1-Pleite bei Ajax Amsterdam – zu klaren Torchancen. Ein Treffer sprang dennoch nicht dabei raus.

Aber: Nach dem Eigentor von Niklas Stark zum 0:2 direkt nach Pause (47.) fiel Hertha in sich zusammen. Für Labbadia vor allem ein Leitwolf-Problem: „Die Reaktion nach dem 0:2 war nicht gut. Da war keiner auf dem Platz, der gesagt hat: Komm', wir ordnen das“, kritisierte Labbadia und stellte fest: „Wie ruhig wir von der ersten bis zur letzten Minute waren, fand ich am krassesten. Bei uns war von der ersten Minute an jeder mit sich beschäftigt.“

Eine bedrohliche Funkstille, die zu einem Fehlstart in die Saison führen kann: „Es bringt jetzt nichts, komplett reinzuhauen. Aber wir werden es schon klar ansprechen, dass es so nicht funktionieren wird, wenn sich auf dem Platz keiner gegenseitig hilft und steuert“, mahnt Labbadia. 

Prädestiniert für die Rolle des Leitwolfs wäre Rekordeinkauf Lucas Tousart (23). Der 25-Millionen-Mann von Olympique Lyon soll die Rolle des in seine Heimat zurückgekehrten norwegischen Anführers Per Skjelbred (33) übernehmen. Noch macht sich aber neben der fehlenden Spielpraxis – in Frankreich wurde die Saison bereits Ende April abgebrochen – auch die Sprachbarriere beim defensiven Mittelfeldspieler bemerkbar. „Wir hoffen, dass er und andere Spieler sich dahin entwickeln“, erklärt Labbadia.

Abhilfe könnten auch weitere Zugänge schaffen. Hertha sucht noch bis zu drei Profis, allesamt für die Offensive. Ein echter Führungsspieler würde den Blau-Weißen guttun.

Denn auch in der Defensive herrscht Alarmstufe Rot: Die Achillessehne von Abwehrchef Dedryck Boyata (29) schmerzt weiterhin. An Teamtraining ist für den Belgier vorerst nicht zu denken. Labbadia: „Wir werden Dedryck in der Zeit hauptsächlich im Wasser belasten, damit kein Druck auf die Achillessehne kommt.“ Ob Boyata bis zum Saisonstart in elf Tagen fit wird? Ungewiss.