Schau mir in die Augen, Kleines: Matheus Cunha. Foto: Imago Images

Brasilianer und die Berufung in die Selecao, das ist wie für jeden Profi wie ein göttlicher Ritterschlag. Hertha-Trainer Bruno Labbadia: „Als er am Freitag davon erfahren hat, war er unfassbar berührt. Ich freue mich extrem für Matheus. Ich gönne es ihm sehr.“ Gemeint ist Matheus Cunha.

Für den Mittelfeld-Zauberer wäre sein Debüt bei den Zuckerhut-Kickern in den WM-Quali-Spielen gegen Bolivien (10. Oktober) und in Peru (14. Oktober) ein Traum, der in Erfüllung geht.

Doch das Fiese ist die Pandemie. Denn Cunha könnte höchstwahrscheinlich dann wegen der Fünf-Tage Quarantäne-Verordnung des Gesundheitsamtes nicht bei Herthas nächstem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart in knapp drei Wochen dabei sein. Schließlich gilt Brasilien als eines der Länder weltweit, die am stärksten von Corona betroffen sind.

Auf die Frage, ob Cunha überhaupt in seine Heimat fliegen darf, sagt Labbadia: „Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich das nicht sagen.“ Der Trainer erklärt: „Wir haben die Problematik, dass wir in Deutschland unterschiedliche Auslegungen von den verschiedenen Gesundheitsämtern haben. Einige Nationalspieler, die im Ausland waren, müssen in Quarantäne, andere wiederum nicht.“

Der Weltverband Fifa hat im September klar geregelt, dass Vereine ihre Spieler nicht zu Nationalteams abstellen müssen, wenn diese in Risikogebieten spielen. Trotzdem machte Hertha die unfaire Erfahrung, dass Stürmer Kris Piatek, als er mit Polen in Bosnien gespielt hatte, fünf Tage in Quarantäne musste. Der polnische Verband ließ Piatek einfach nicht frühzeitig zurückkommen. „Da wurden wir alleingelassen, obwohl wir uns an alles gehalten haben“, so Labbadia.

Hertha und alle andere Bundesliga-Klubs drängen auf eine einheitliche Regelung von Seiten der Politik. Auf dieses Signal warten alle. Labbadia: „Ich bin sehr gespannt, wie das geregelt wird. Es ist alles schwierig.“ Tendenz: Wenn es keine klare Absprachen gibt, wird Hertha Cunhas Traum von der Selecao wohl noch nicht erfüllen.