Herthas Trainer Sandro Schwarz arbeitete noch bis Ende Mai bei Dynamo Moskau.
Herthas Trainer Sandro Schwarz arbeitete noch bis Ende Mai bei Dynamo Moskau. dpa

Er hat die härteste Aufgabe der Bundesliga vor sich. Trainer Sandro Schwarz (43) soll aus dem Dauer-Krisenklub Hertha BSC ein erfolgreiches Team gestalten. Aber Schwarz hat auch seine härteste Zeit hinter sich. Er war Trainer bei Dynamo Moskau, auch noch als Russland den Krieg gegen die Ukraine begann. Zum ersten Mal redet er darüber, wie belastend es für ihn war.

Schwarz: „Es war Wahnsinn!“

Nein, er will sich nicht rechtfertigen, dass er noch nach dem Kriegsausbruch im Februar bis Ende Mai seinen Job in Moskau erfüllte. Herthas neuer Coach bittet auch nicht um Verständnis. Er sagt nur auf einfach, wie die Situation war: „Es war Wahnsinn!“

Schwarz war über drei Monate nicht nur Trainer. Er war eher Psychologe und schildert die Situation bei Dynamo so: „Klar waren da Ängste zu spüren. Überall. Bei den ukrainischen Spielern, bei jungen Spielern, die noch wehrpflichtig sind. Was passiert jetzt mit mir? Was ist mit der Familie? Da sind Ängste und Sorgen, weil du nicht abschätzen konntest. Wir haben viele Gespräche geführt. Es war nicht so, dass wir abgeschottet wurden.“

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Im Oktober 2020 wurde  Schwarz Dynamo-Trainer. Für ihn war es nicht nur ein Job, sondern eher Hingabe für das, was er liebt, den Fußball: „Es hat sich über die Monate eine sehr enge Bindung entwickelt, zur Mannschaft, zum Staff, zu den Klub-Verantwortlichen.“

Schwarz: „Dynamo hat sich vom Angriffskrieg distanziert“

Im September 2021 war die Stimmung bei Sbado Schwarz und den Spielern noch fröhlicher.
Im September 2021 war die Stimmung bei Sbado Schwarz und den Spielern noch fröhlicher. Imago Images/Feoktistov

Im Putin-Staat werden Kritiker eigentlich mundtot gemacht. Umso bemerkenswerter ist die Aussage von Schwarz: „Der Klub hat sich von diesem Angriffskrieg sofort distanziert. Das war für uns ein sehr wichtiges Signal, weil es für mich unvorstellbar gewesen wäre, dort zu bleiben, wenn von den Klub-Verantwortlichen auch nur ansatzweise eine andere Haltung dazu bestanden hätte.“

Schwarz blieb nur deswegen. Er wollte die Saison mit seinem Team beenden.  „Ich hatte ein Verantwortung für die Spieler und den Staff. Natürlich spürt man auch die innere Zerrissenheit in sich, weil ich genau wusste, wie die Erwartungshaltung aus der Heimat war. Aber wenn du in dieser Situation drinsteckst, wenn du mit einem ukrainischen und einem russischen Spieler zusammensitzt und gemeinsam weinst. Dann stellen sich die Dinge anders dar.“

Schwarz hat ein reines Gewissen und das völlig zurecht. Denn er hatte Dynamo sofort gesagt, wie er tickt. Spricht sich der Klub für den Krieg aus, ist er sofort weg. „Mein Bleiben hatte einzig und allein mit zwei Punkten zu tun: Der klaren Haltung des Klubs und mit meinen Spielern sowie meinem Staff. Wenn ich nur ansatzweise ein anderes Gefühl und anderes Wissen gehabt hätte, wäre ich sofort in den Flieger gestiegen. Das habe ich glasklar allen gegenüber kommuniziert.“

Der Mann hat feste Prinzipchen. Und das werden auch Herthas Profis in der neuen Saison noch erleben…

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