Vier gewinnt heißt das neue Motto und Trainer Bruno Labbadia für Hertha BSC nach der Corona-Zwangspause. Foto: Jan-Philipp Burmann/City-Press

Was für ein Jahr. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zwölf Monate lang hielten Hertha BSC und der 1. FC Union die Hauptstadt in Atem. Langweilig war echt anders! Hier vier Trainer in einer Spielzeit, Stadtmeisterschaft, Geldsegen von Lars Windhorst, verbunden mit dem Ziel, sich endlich im Konzert der Großen zu etablieren. Dort wackerer Abstiegskampf, vorzeitige Rettung und der Abtritt eines Urgesteins. All das in Zeiten von Corona. Geisterspiele statt begeistertem Publikum. Schön ist anders. Doch am Ende lagen die Hauptstadt-Rivalen in der Tabelle friedlich nebeneinander, getrennt nur durch die Tordifferenz. Das hätten beim Ligastart im August 2019 wohl nur wenige für möglich gehalten. Seit Dienstag lesen Sie im KURIER die großen Serien über Hertha und Union.

Mitten im Corona-Stillstand wagt Hertha-Manager Michael Preetz den wichtigsten und richtigsten Schritt der ganzen Saison und präsentiert am 13.April Bruno Labbadia als vierten Coach der Saison: „Wir wollten einen neuen Cheftrainer zur neuen Saison. Die Entscheidung haben wir jetzt vorgezogen. Bis wir wieder regulär spielen, wird Bruno Labbadia auf weite Teile seines Gehalts verzichten. Das ist eine große Geste von ihm.“

Labbadia steht mitten im Leben, kann mit Stolz darauf zurückblicken, wie er in der Saison 2018/19 mit dem VfL Wolfsburg in die Europa League stürmte. Jetzt ist er bei Hertha, als vierter Trainer der laufenden Spielzeit.

Der erfahrene Coach erklärt dazu: „Ja, ich bin jetzt der vierte Coach. Das ist aber nicht wichtig für mich. Ich mache mir eher Gedanken darum, wie die Spieler damit umgehen. Wie verkraften sie die ganze Saison mental?“

Ante Covic wollte zu viel auf einmal. Mehr Offensivfußball. Das verunsicherte das Team. Jürgen Klinsmann kloppte den Rest an Hierarchie in der Truppe komplett auseinander. Alexander Nouri wirkte nur noch hilflos und gelähmt. Hertha ist mit nur 28 Punkten voll im Abstiegskampf. Das ist das Erbe, welches Labbadia Mitte April vorfindet.

Labbadia reaktiviert Skjelbred und Ibisevic

„Ich habe Bock auf den Job“, sagt der Coach und seine Begeisterung steckt die Spieler an. Labbadia erkennt die Hauptprobleme und sagt vor dem Re-Start bei der TSG Hoffenheim: „Ja, ich habe ein Wunschsystem als Trainer. Aber ich muss auch darauf achten, ob ich die Spieler dafür habe. Ich muss sehen: Womit fühlen sich die Spieler am wohlsten und sichersten.“

Labbadia reaktiviert die fast schon aussortierten Routiniers Per Skjelbred und Vedad Ibisevic – und plötzlich spielen die Blau-Weißen wieder wie eine Einheit. 3:0 bei Hoffenheim, 4:0-Derbysieg gegen den 1.FC Union. Die Fanseele hat nach dem 0:1-Hinspiel wieder ihren Frieden gefunden. Spätestens jetzt sind die Anhänger von Labbadia als Problemlösebär überzeugt.

Bruno Labbadia setzte bei  Hertha BSC wieder auf Routiniers wie Per Skjelbred. Foto:
imago images/Bernd König

Es folgt ein starkes 2:2 beim Topklub Leipzig und ein 2:0 gegen Augsburg. Der Klassenerhalt ist gesichert. „Ich bin überrascht, wie schnell die Spieler Dinge umgesetzt haben. Diese zehn Punkte sind überragend, aber sie waren auch bitter nötig“, sagt Labbadia erleichtert.

Von den restlichen fünf Partien gewinnt Hertha nur noch gegen Leverkusen (2:0). Aber was heißt nur? Bayer ist ein Spitzenteam. Das ist die Kategorie von Gegnern, mit denen sich der Hauptstadtklub in den nächsten Jahren im Kampf um die Plätze im europäischen Wettbewerb messen will – mit Labbadia und insgesamt 374 Mio. Euro von Investor Lars Windhorst. 

Im Letzten Teil der Serie lesen Sie morgen: Warum jetzt die Zeit für Herthas Aufschwung angebrochen ist.