Herthas Präsident Werner Gegenbauer (l.) schaute sich das 1:2 im Leverkusener Stadion an. Foto: Imago Images/Räppold/Koch

Es war für mich die Szene des Spieltags. Herthas Präsident Werner Gegenbauer (71) saß auf der Ehrentribüne der BayArena in Leverkusen, stoisch nahm er die 16. Saisonniederlage der Blau-Weißen hin. Bei kaltem Aprilwetter dick eingekleidet mit dunkelgrauem Mantel und dunkelblauer Pudelmütze. Der Mann leidet mit.

Ja, bei Hertha sind die Zeiten frostiger geworden, besonders für Boss Gegenbauer. In der dritten Saison in Folge droht mal wieder der Abstieg. Und das trotz einer 374-Millionen-Euro-Finanzspritze durch Investor Lars Windhorst im Sommer 2019. Die beiden, der Berliner Multi-Millionär Gegenbauer und der Finanzjongleur, haben sich endgültig verkracht.

Hertha-Zoff: Gegenbauer von Windhorst angestachelt?

Für Gegenbauer herrscht auch immer bei den Mitgliedern eisiger Gegenwind. Einen Abwahlantrag für die nächste Mitgliederversammlung im Mai gibt es bereits gegen den Präsidenten. Gegenbauer weiß, dass er sich warm anziehen muss.

Doch keiner sollte den Fehler machen, den Mann, der seit 14 Jahren im Amt ist, zu unterschätzen. Wenn man sich im näheren Umfeld bei Herthas Führungsebene umhört, treten ganz andere Sichtweisen auf. Zum Beispiel, dass es schon bei Gegenbauer selbst Gedankenspiele gegeben haben soll, dass er freiwillig in diesem Sommer zurücktritt, aber das in einem geordneten Abgang mit einer kollegialen Übergabe an den Thronfolger.

Hertha BSC: Gegenbauer will Windhorst kontern

Von Ordnung kann jetzt aber keine Rede sein, weil keiner weiß, in welcher Liga der Verein nächste Saison spielt. Das ist das eine, das andere ist: Investor Windhorst hat mit seinen öffentlichen Angriffen gegen Gegenbauer genau das Gegenteil bewirkt. Der Präsident hat gerade dadurch seine Kampfeslaune wieder entdeckt.

Er will nicht als gescheiterter Boss gehen. Noch bewahrt er Ruhe - bis zum Saisonende. Danach wird er zum Gegenangriff blasen. Da müssen sich dann andere warmanziehen, dann aber im Mai und Juni. Mal sehen, wer dann ins Schwitzen kommt. Der Sommer 2022 wird bei Hertha wohl der spannendste seit Jahrzehnten.

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