Wieder ganz in seinem Element: Pal Dardai (44) an seinem ersten Tag als reaktivierter Hertha-Trainer. Foto: City-Press

Pal Dardai (44) fand partout nicht in den Schlaf. Stundenlang lag er wach. Die Zeit wollte nicht vergehen, weil tausend Dinge ihm vor seiner Reaktivierung als Cheftrainer von Hertha BSC durch den Kopf schossen. Selbst seine geballte Erfahrung als Profi und Trainer half ihm nicht. Respekt, nein sogar Angst, hatte er vor der ersten Begegnung mit seinen neuen Spielern. 

Mit der Helligkeit wurde es besser, aber letztlich löste sich die ganze Anspannung erst, als er den Schenckendorffplatz das erste Mal wieder betrat. „Ich habe gedacht, da sind 20 Alligatoren, die mich wahrscheinlich auffressen. Denn die haben schon ein paar Trainer aufgefressen“, erklärt der sonst so furchtlos wirkende Ungar. 

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Dabei hatte Dardai nicht nur vor den trainerfressenden Raubtieren Sorgen, auch der Abschied von seiner bis zuletzt gecoachten U16 fiel ihm verdammt schwer. „Ich habe richtig geweint. Mein Herz ist fast rausgeflogen. Das ist der schönste Job“, berichtet Dardai, der weiß, dass nun womöglich noch viele weitere schlaflose Nächte auf ihn warten: „Bei den Profis gibt es immer Stress.“

Nach seiner ersten Einheit wollte er seinen Alligatoren-Eindruck nicht mehr bestätigen. Ein Einstellungsproblem bei den zuletzt oft als Egoisten auftretenden Spielern habe er nicht festgestellt, berichtet er in seiner gewohnt verschmitzten Art: „Als ich die Mannschaft zwei Laufrunden um den Platz schickte, sind die Spieler zwei große Runden gelaufen. Ich als Spieler wäre zwei kleine Runden gelaufen.“

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Pal Dardai (r. ) will auch Spaß bei der Arbeit haben. Das gelang ihm offensichtlich gleich bei der ersten Trainingseinheit nach seiner Rückkehr. 

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Ganz klar: Herthas Rekordspieler ist trotz der schlaflosen Nacht sofort wieder Feuer und Flamme. Dass das zum Ende seiner ersten Amtszeit von Februar 2015 bis Juni 2019 nicht mehr so war, gibt der Nachfolger von Bruno Labbadia zu. „Beide Seiten waren angestrengt, gegenseitig müde vom anderen“, sagt er über die Beziehung zu Ex-Manager Michael Preetz. Doch weder verspürte er damals Groll noch Genugtuung heute. „Wenn es weh getan hätte, hätte ich die beleidigte Leberwurst gespielt und wäre nicht mehr zu Hertha gegangen.“

Für Preetz' Nachfolger Arne Friedrich war Dardai die logische Wahl: „Er wird diese Truppe auf den richtigen Weg bringen, wir brauchen jetzt Stabilität", sagt der Ex-Nationalspieler: „Pal hat blau-weißes Blut.“

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Doch die Zeit ist knapp. Die kommenden Gegner Frankfurt (Sonnabend, 15.30 Uhr) und Bayern (Freitag, 5. Februar, 20.30 Uhr) sind schwer. Welchen Hebel er zuerst bedient, weiß Dardai bereits: Frei nach dem Motto „Ohne Fleiß, kein Preis“, erklärt er: „Bei mir geht es um taktische Disziplin“. Vor allem soll Hertha auf dem Platz zusammenrücken: „Wenn man so weit weg ist vom Gegner, kann man kein Gegenpressing spielen und ist bei Ballverlusten nicht bereit.“

Gelingt ihm nach der Zähmung der Alligatoren auch das, reist Hertha mit Dardai zurück in die Zukunft. Laut seinem Vertrag bis 2022. „Wenn Arne mich nach viereinhalb Jahren rausschmeißt, dann gebe ich ihm einen Kuss", witzelt er und ergänzt: „Bis Sommer will ich einen guten Job machen, dann werden wir schauen. Ich bin ein komischer Typ, es muss mir auch Spaß machen."