Ist bereit zu kämpfen: Herthas Kapitän Niklas Stark.  Ottmar Winter

Niklas Stark hat in den vergangenen zwei Jahren ein irre blau-weiße Achterbahnfahrt hinter sich. Auf das Hoch und die Berufung zum Nationalspieler kam das Tief samt Stammplatz-Verlust und Flucht-Gedanken unter Ex-Trainer Jürgen Klinsmann. Doch Herthas Kapitän zog sich aus dem Leistungsloch und lässt sich auch vom Corona-Chaos nicht umhauen.

„Ich habe schon oft gedacht, mich kann nichts mehr erschüttern. Und dann kam Corona“, sagt der 26 Jahre alte Defensivspezialist in einer digitalen Medienrunde aus dem Homeoffice und lacht: „Im Fußball kann man nie vorhersagen, was passieren wird. Danach kommt sicher etwas neues.“

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Quarantäne-Routine 

Keine Frage, Stark versprüht trotz der bevorstehenden Mammutaufgabe Zuversicht, die Klasse zu halten. Auch, weil sich kein Herthaner besser mit der Quarantäne auskennt als er. 

Bereits zum dritten Mal sitzt er in den eigenen vier Wänden fest. Im März 2020 während der Zwangspause mit dem Team, einen Monat später als Kontaktperson ersten Grades. „Man versucht, in der Quarantäne seinen Rhythmus beizubehalten: zur gleichen Zeit aufstehen, sich gut ernähren – damit man so fit wie möglich ist, wenn man rauskommt“, erklärt der Experte.

Matthias Koch
Bisher hatten Stark und Khedira wenig Grund zur Freude. Das soll sich nun in den letzten sechs Spielen ändern. 

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Trainer Pal Dardai hofft zudem, dass sein Team in der Not endlich zusammenrückt. „Ich sehe es auch als Chance, dass alle in die Köpfe reinbekommen, dass wir jetzt etwas Großes erreichen können“, sagt Stark und verspricht, es allen Zweiflern zu zeigen: „Viele haben uns schon als Absteiger abgeschrieben. Es denen zu zeigen schweißt uns noch mehr zusammen.“

Faustpfand Sami Khedira 

Entsprechend sieht er die Aufholjagd nach der Isolation trotz des bevorstehenden Kaltstarts nach nur 72 Stunden sogar als Vorteil: „Es ist hart, den anderen zuzusehen und nichts machen zu können. Aber wir sehen es positiv. Wir kennen jetzt den Spielplan und wissen, wie die anderen gespielt haben.“

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Wie man die Wochen der Wahrheit am besten angeht? „Wir spielen alle drei Tage, das ist fast wie eine WM oder EM“, sagt Stark und sieht Hertha gewappnet: „Wir haben in der Mannschaft Jungs, die solche Turniere schon gespielt haben. Und einer hat das Ding sogar gewonnen.“ 

Gemeint ist natürlich Rio-Weltmeister Sami Khedira (34). Der Mittelfeldstratege kann für Hertha ein echtes Faustpfand im Kampf ums Überleben sein. „Sami hat da die beste und meiste Erfahrung. Es gibt kein Rezept, das er uns mitgibt. Aber er wird ein sehr wichtiger Bestandteil des Projekts sein. Seine Erfahrung wird uns sehr gut tun in den letzten Spielen.“