Kay Bernstein schaut bei Herthas Mitgliederversammlung  auf seinen Table-Computer. Er nahm viele Glückwünsche entgegen.
Kay Bernstein schaut bei Herthas Mitgliederversammlung  auf seinen Table-Computer. Er nahm viele Glückwünsche entgegen. City-Press

Erst als die beiden Präsidiumsmitglieder Tim Kauermann und Hans-Joachim Bläsing gewählt waren und damit die Mindestanzahl von sieben Gremiummitgliedern erreicht war und das Präsidium um 17.55 Uhr komplett war, ergriff Herthas neuer Boss Kay Bernstein (41) das Wort auf dem Rednerpult: „Lasst uns diese Energie, lasst diese Hoffnung mitnehmen, lasst uns auch die, die uns nicht gewählt haben mitnehmen. Lasst es uns besser machen. Ha Ho He!“ Danach sprach er über seine Sensationswahl und was jetzt bei Hertha passieren wird.

„Der Tag war anstrengend, aufregend und am Ende aber richtig, wie sich die Mitglieder entscheiden haben, damit der Verein von Innen heraus gesund wird. Im Moment fühlt es sich noch surreal an. Es ist noch nicht da. Man fühlt den Rucksack und die Verantwortung. Aber jetzt kann man auch erstmal ein Bier trinken“, sagt Bernstein zu seinem Wahlsieg.

Bernstein ist überrascht vom deutlichen Wahlsieg

Der unterlegene Kandidat Frank Steffel (r.) gratuliert Kay Bernstein zum Wahlsieg.
Der unterlegene Kandidat Frank Steffel (r.) gratuliert Kay Bernstein zum Wahlsieg. City-Press

Sein Erfolgsrezept für den Überraschungscoup gegen den eigentlichen Favoriten Frank Steffel (56) drückt er frisch und keck so aus: „Wie ich gewonnen habe? Mit der Hertha-DNA. Dass all gesehen haben, dass ein Herthaner da steht, der bereit ist alles zu geben. Ich war zuversichtlich, dass es keine Niederlage wird. Ich konnte nicht verlieren. Ich hatte ein knappes Ergebnis erwartet. Das ist dann doch so ein Stimmenunterschied (1670 für Bernstein, 1280 für Steffel, die Red.) war, hat mich überrascht.“

Seine erste Amtshandlung kommt wie aus der Pistole geschossen: „Mittwoch, 18 Uhr, erste Präsidiumssitzung. Erstmal das Präsidium einschwören, dass wir jetzt ein Team sind. Wir sind bewusst nicht mit einem kompletten Team in die Wahl gegangen, um nicht gleich neue Mauern zu bauen.“

Dass Bernstein mit seiner Wahl schon jetzt Fußballgeschichte geschrieben hat, weil er der erste ehemalige Ultra ist der Boss eines Profivereins wird, weiß er selbst und spielt es etwas herunter: „Es ist eine schwere Bürde, wenn man aus der ersten Ultra-Generation kommt. Aber zuerst steht nicht Ultra, sondern Herthaner. Es ist egal, ob jemand Ultra, Kuttenträger, Oberring-Fan ist, Hauptsache Herthaner.“

Bernstein: „Wir brauchen Synergieverflechtung mit Windhorst“

Über das Verhältnis zu Investor Lars Windhorst, mit dem sich Ex-Boss Werner Gegenbauer komplett zerstritten hatte, sagt Bernstein diplomatisch: „Wir brauchen eine deutlichere bessere Kommunikation, Synergieverflechtung, wo es Hertha besser macht. Es gab im Verein nicht wirklich inhaltlich richtig eine 50+1-Debatte. Das muss ausgearbeitet wird. Eine Haltung geschaffen werden. Die Realität ist: Herr Windhorst ist da, Herr Windhorst hat die Anteile. Wir werden versuchen, ihn bestmöglich einzubinden und mit ihm die Ziele gemeinsam zu erreichen.“

Wird er einen Antrittsbesuch bei den Profis in der Kabine machen? Auf die Frage antwortet mit einem süffisanten Lächeln: „Wenn das gewünscht wird, unbedingt. War die Antwort jetzt zu kurz?“

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