Herthas Manager Fredi Bobic stellte sich Dienstag geduldig den Fragen der Journalisten. City-Press/Pohl

Der Tag nach der Hertha-Rettung! Nach dem Relegationssieg gegen den HSV (0:1, 2:0) ist keine Zeit zum Feiern und auch nicht zum Verschnaufen. Bei den Blau-Weißen steht nach der dritten Krisensaison in Folge der größte Umbruch seit Jahrzehnten bevor. Finanzboss Ingo Schiller (56) geht nach 24 Jahren. Präsident Werner Gegenbauer (71) folgte am Abend. Manager Fredi Bobic hat momentan fast die alleinige Macht im Klub.

Am Dienstag saß Bobic im Presseraum des Vereins und war auf Hochdruck gepolt. Er muss schnell einen neuen Trainer präsentieren, den Spielerkader umbauen und dazu darf er sich bei der Mitgliederversammlung am Sonntag auch noch als Brandlöscher betätigen. Er muss den Herthanern erklären, warum die Spielzeit 2021/22 in seinem ersten Jahr fast in einer Katastrophe endete.

Bobic: „Auch die Mitglieder haben eine Verantwortung“

Dazu kann im Moment niemand sagen, wie demnächst das Präsidium des Vereins aussehen wird. Es gibt Abwahlanträge, der Ausgang ist völlig offen. Doch Bobic appelliert jetzt schon an die Mitglieder: „Wichtig ist, dass wir handlungsfähig bleiben. Wir brauchen eine sachliche Diskussion mit einem Dialog. Polemik und Populismus braucht kein Mensch. Krawall oder normale Debatte? Das ist die Frage. Es gibt auch Fürsorgepflicht und Verantwortung von den Mitgliedern, dass wir in ruhiges Fahrwasser kommen.“

Hintergrund: Bobic braucht ein funktionierendes, wenn auch vorübergehend wohl nur kommissarisches Präsidium. Denn das muss die Verträge, die Bobic mit Trainer und Spielern in den nächsten Wochen schließt, absegnen. So sehen es die Statuten vor. Der Manager hat durch den Kaugummi-Klassenerhalt gegenüber den Konkurrenten schon viel Zeit verloren.

Bobic: „Es gab Brandbeschleuniger in dieser Saison“

Bobic mahnt alle mit offenen Worten: „Intern kann man kritisch miteinander umgehen. Aber nach außen jemandem den Schwarzen Peter zuschieben, das geht nicht. Diese Mentalität ist eine Vollkatastrophe. Es gab in dieser Saison ein paar Brandbeschleuniger. Das hilft einem Verein nicht.“ Der Manager meint damit den Machtkampf zwischen Gegenbauer und Investor Lars Windhorst.

Mit Gegenbauer hatte Bobic immer ein gutes Arbeitsverhältnis und sagte am Mittag noch: „Ich habe alle Freiheiten gehabt. Ich finde es nicht glücklich, dass es die Gerüchte um ihn gibt. Das entscheidet Werner Gegenbauer selbst. Er ist unser Präsident, aktuell.“ Fünf Stunden später war er es dann nicht mehr.

Bobic hat ein schwieriges erstes Hertha-Jahr hinter sich. Drei Trainer (Pal Dardai, Tayfun Korkut, Felix Magath) und Dauer-Abstiegskampf. Selbstkritisch sagt er: „Man kann sich darüber unterhalten, ob man sich nach der Hinrunde mit 21 Punkten zu sicher gefühlt hat. Wir hatten danach Katastrophenspiele. Natürlich reflektiert man auch sich selbst. Aber danach einfach nur über Fehler zu quatschen, ist immer einfach.“ Für Bobic werden die nächsten Wochen noch härter …

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