Bremens Stürmer Niclas Füllkrug trifft per Kopfball-Bogenlampe zum 1:0 in der 85. Minute. Hertha ist mal wieder der Verlierer.
Bremens Stürmer Niclas Füllkrug trifft per Kopfball-Bogenlampe zum 1:0 in der 85. Minute. Hertha ist mal wieder der Verlierer. imago images/Räppold/Koch

Es ist zum Verrücktwerden. Hertha BSC spielt in dieser Saison besser, aber nicht erfolgreicher. Zwölf Spiele, elf Punkte, das riecht nach Dauer-Abstiegskampf. Der Grund ist ganz einfach: Die blau-weiße letzte Horror-Viertelstunde vor dem Abpfiff. Hier verschenkt Hertha die Punkte in Serie, weil der Gegner trifft.

Freitagabend in Bremen: Alles sieht nach einem 0:0 an der Weser aus. Es läuft die 85. Minute. Werders Ducksch tritt beim Freistoß den Ball nicht in den Strafraum, sondern nach links zu Anthony Jung. Hertha schon da übertölpelt. Djanga Boetius kommt zu spät, Jung flankt und Niclas Füllkrug köpft zum 1:0 ein, weil Marc Kempf nicht mehr hoch genug steigt. Wieder mal kurz unkonzentriert, kurz geschlafen, kurz vor dem Ende der Partie. Statt eines Punktes sind es null.

7 Punkte futsch in der letzten Viertelstunde

Herthas Trainer Sandro Schwarz zeigt die Gefahr an. Doch manchmal passen die Spieler einfach nicht auf.
Herthas Trainer Sandro Schwarz zeigt die Gefahr an. Doch manchmal passen die Spieler einfach nicht auf. City-Press

Das Ärgerliche daran: Diese späten Gegentore passierten auch schon beim 2:2 gegen Leverkusen, als Patrik Schick in der 79. Minute traf, beim 1:1 gegen Mainz, als Caci in der Nachspielzeit (90.+4) jubeln durfte, beim 2:2 gegen Freiburg durfte Schade in der 78. Minute treffen. Selbst beim 2:1 gegen Schalke gab es den Gegentreffer durch Mollet in der 84. Minute. Der blieb dank des 2:1-Torschützen Wilfried Kanga folgenlos.

Insgesamt drei Siege und ein Unentschieden wurden versaut. Das sind sieben Punkte weniger. Wenn ein Fußballspiel doch nur 75 Minute dauern würde, dann ständen die Blau-Weißen auf Platz 7 mit 18 Punkten. Hätte, hätte, Schlendriankette …

Herthas Trainer Sandro Schwarz: „Es gehört zur Wahrheit dazu, dass wir das ein oder andere Mal nicht bis zum Schluss konsequent verteidigt haben, das müssen wir aber.“ Der Trainer kündigt jetzt schon eine Video-Folterstunde an, wo genau das noch mal zum Thema wird. Schwarz: „Das ist ärgerlich, dass wir aus so einer Situation, die eigentlich keine Torchance ist, den Gegentreffer bekommen und das Spiel verlieren.“

Last-minute-Horror gab es schon vergangene Saison

Für den Coach bleibt es dabei: „Die Jungs sind da, sie kämpfen, marschieren. Doch sie müssen es bis zum Schluss durchziehen. Das können wir nicht wegwischen. Es ist so, dass wir in den letzten Minuten den einen oder anderen Punkt haben liegen lassen. Über weite Strecke machen wir es, doch das muss bis zur letzten Spielsekunde so sein. Das nervt.“

Es ist ein altes Problem: Vergangene Saison kassierte Hertha nicht nur 22 Tore (von insgesamt 71) in der letzten Viertelstunde. Beim Saisonfinale wurde ein Sieg in Bielefeld (1:1), ein Unentschieden gegen Mainz (1:2) und Dortmund (1:2) in den letzten Minuten vergeigt und somit auch der direkte Klassenerhalt auf Platz 15. Schleppt das ganze Team dieses Trauma noch mit sich herum?

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