Manfred Sangel geht seit 1965 zu seiner Hertha. Seine Liebe zu seinem Klub trieb ihn dazu, 1989 das Fan-Radio „Hertha-Echo“ zu gründen. 2019 wurde es eingestellt. Foto: City-Press

Ist das alles mehr als nur ein Derby? Ist das schon der erste Teil von dreien des neuen Jahrhundert-Kampfs um die Nummer 1 in Berlin? Hertha BSC dominiert seit über 100 Jahren den Fußball in der Hauptstadt, daran konnte auch die Mauer nichts ändern. Der 1.FC Union ist der erste Klub, der den Blau-Weißen den Rang ablaufen könnte. Herthas Fan-Ikone Manfred Sangel (62) ist Sonnabend (18.30 Uhr) beim ersten Stadtduell dieser Saison in der Alten Försterei mit dabei.

Sangel: „Union macht das richtig gut“

Das erste Derby in der Bundesliga gewann Union im November 2019 durch einen verwandelten Strafstoß von Sebastian Polter.  Foto: Imago Images

Für den früheren Macher der Radiosendung „Hertha-Echo“ ist es wieder einer der Höhepunkt in dieser Spielzeit. Doch von lauten Kampfparolen hält er nichts: „Union macht das richtig gut. Das muss man mit Respekt anerkennen. Die spielen guten Fußball und stehen völlig verdient oben in der Tabelle.“ Ja, die Köpenicker sind auf Platz 8, der Hauptstadtklub nur auf Rang 13. Momentan sieht es so aus, dass Union auch diese Saison wieder am Ende vor Hertha steht. Ist das schon ein Gezeitenwechsel? Sangel beantwortet die Frage eindeutig: „Hertha ist die Nummer 1 in der Stadt. Daran wird sich auch nichts ändern. Da muss man sich doch nur die ewige Bundesliga-Tabelle anschauen. Wir stehen auf Platz 12, Union an 41. Stelle. Um uns da zu überholen, braucht es noch sehr lange Zeit. Da reichen nicht ein, zwei gewonnene Derbys.“

Tas, TeBe, Blau-Weiß scheiterten

Seit 1965 geht Sangel ins Olympiastadion. Sein Vater hatte ihn als Sechsjährigen damals das erste Mal mitgenommen. Seitdem strömt das blau-weiße Blut in den Adern des Abteilungsleiters einer Leiharbeitsfirma. Natürlich kennt er die Historie des Klubs ganz genau. Die Glanzzeiten vor der Nazi-Diktatur mit den Meisterschaften 1930 und 1931. Die Nachkriegsjahre, die Ende der 50er- bis Anfang der 60er-Jahre im Westteil der Stadt in einem Dreikampf mit Tennis Borussia und Tasmania mündeten. Hertha behielt die Oberhand und war 1963 als erstes Berliner Verein bei der Gründung der Bundesliga dabei.

Tas hatte zwei Jahre später noch mal die Chance, als Hertha wegen Schwarzgeld-Zahlungen an Spielern absteigen musste und der Neuköllner Verein ins Oberhaus aufrückte. Die Chance vergab Tasmania historisch kläglich und wurde der schlechteste Bundesligist aller Zeiten. 1973 war der Verein insolvent.

In den Saison 1974/75 und 1976/77 hatte TeBe zwei Kurzzeitaufenthalte in der Bundesliga, während Hertha einmal Vizemeister und einmal Tabellenzehnter wurde, stiegen die Veilchen jeweils sofort wieder ab.

Nein, zum ersten Mal richtig eng wurde es für Hertha 1986. Die Blau-Weißen dümpelten bereits drei Jahre in der Zweiten Liga rum und stiegen dann sogar in die Berliner Oberliga ab. Gleichzeitig stieg Lokalkonkurrent Blau-Weiß 90 in die Bundesliga auf. „Das war die schlimmste Zeit für den Verein. Da ging es um die Existenz des Klubs. Das Olympiastadion war gut gefüllt, als Blau-Weiß dort spielte. Und wir mussten im Poststadion antreten. Das war einfach nur bitter. Blau-Weiß hatte damals wirklich die Chance, uns den Rang bei den Fans abzulaufen“, erinnert sich Sangel.

Doch auch Blau-Weiß war wie Tas und TeBe nur eine Eintagsfliege im Oberhaus. Nach einem Jahr ging es zurück in Liga zwei. Sangel hat auch da eine besondere Erinnerung: „Am letzten Spieltag, als Blau-Weiß gegen Homburg 2:2 spielte und der Abstieg besiegelt wurde, war ich im Olympiastadion und habe mit Freunden eine große Hertha-Fahne geschwenkt. Okay, da war auch ein Stück Schadenfreude dabei.“

Besuche bei Union, als die Mauer noch stand

Sein Verhältnis zum jetzigen Stadtrivalen aus Köpenick ist da ganz anders. „Als die Mauer noch stand, bin ich oft in den Ostteil zu Union-Spielen in die Försterei gefahren. Da hatten sich dann auch Freundschaften gebildet“, sagt „Manne“.

Nach dem Mauerfall gab es im Januar 1990 ein Hallenturnier in der Werner-Seelenbinder-Halle, danach ein Freundschaftsspiel zwischen Hertha und Union (2:1) im Olympiastadion. Sangel: „Das war damals eine familiäre Atmosphäre zwischen den Fans beider Klubs. Doch das hat sich in den nächsten Jahren gelegt. Ich würde sagen: Man hat sich auseinandergelebt. Ich halte nichts davon, dem einen oder anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben. Jetzt ist es ein Konkurrenzkampf. Dass aber von einigen immer die Ost-West-Karte ausgespielt wird, finde ich schade.“

Und weil es diese Konkurrenz gegen ein Stadtrivalen, der mit guter Arbeit bereits die dritte Bundesligasaison in Folge bestreitet, kann Sangel den Anpfiff kaum abwarten. Er gibt zu: „Wichtiger als die Endplatzierung in der Bundesliga sind Derbysiege. Am liebsten zweimal in der Bundesliga und natürlich im Pokal im Januar. Bei mir hat das Kribbeln schon begonnen.“

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