Herthas Sportdirektor Arne Friedrich (l.) setzt für das Mammutprogramm im Abstiegskampf auf die Erfahrung von Sami Khedira.  dpa

Die quälende Quarantäne ist bald vorbei. Hertha BSC fehlen nur noch Stunden und reichlich negative Corona-Tests, um wieder in Freiheit zukommen. Sportdirektor Arne Friedrich erklärt, wie die Blau-Weißen den Neustart schaffen.

Zeit zum Zaudern bleibt definitiv nicht. Am Freitag darf Trainer Pal Dardai seine Spieler endlich wieder auf dem Schenckendorffplatz zusammentrommeln. 72 Stunden vor dem ersten Nachholspiel in Mainz (Montag, 18 Uhr).

Die Lage ist klar: Als Vorletzter und mit nur 26 Punkten hat Hertha genau sechs Spiele in drei Wochen, um eine ganze Saison zu retten. „Wir sind noch in Schlagdistanz. Das ist für uns die Hauptsache“, gibt sich Friedrich kämpferisch.

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Wie viele Punkte nötig sind, um den Totalschaden und den bitteren Gang in die Zweite Liga abzuwenden? Friedrich: „Das ist superschwer einzuschätzen. 34, vielleicht 35. Darauf sollten wir nicht gucken, sondern die nächsten sechs Spiele gewinnen. Dann sind wir sicher.“

Schlüsselrolle für Khedira

Fakt ist: Hertha betritt Neuland. Eine Bundesliga-Blaupause für den Kaltstart gibt es bisher nicht. Im Unterhaus erwischte es dagegen bereits mehrere Klubs. „Man sieht an Sandhausen, die direkt zwei Spiele gewonnen haben, dass wir auf jeden Fall gerüstet sein werden, was die Physis angeht“, erklärt Friedrich mit Verweis auf Athletik-Trainer Henrik Kuchno, der die Profis zwei Wochen lang durch die eigenen vier Wände scheuchte, um bestmöglich aus den Startlöchern zu kommen: „Die Jungs sind fit, da gibt es keine Ausreden.“

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Zittern müssen alle Hertha-Fans eher wegen der blau-weißen Psyche der Profis. „Am Ende entscheidet der Kopf“, weiß auch Friedrich. Druck baut Friedrich dennoch auf: „Wir sind selbst schuld an der Tabellensituation und müssen uns da selbst wieder rausziehen.“

Eine entscheidende Rolle spielt dabei Rio-Weltmeister Sami Khedira (34). Friedrich: „Er ist ein Vollprofi, auf und neben dem Platz. Er bringt sehr viel Erfahrung mit, die Spieler haben von Tag eins an zu ihm aufgeschaut.“

Los Angeles oder Berlin

Auch deswegen lässt sich Friedrich den Optimismus nicht nehmen. „Wir werden bestmöglich reisen, essen und schlafen. Wir haben drei Spiele weniger und nur vier Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Es liegt nur an uns.“

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An ihm wiederum liegt es, ob er auch in Zukunft für Hertha arbeiten wird. Die vergangenen 18 Monate, in denen er seine Wahlheimat Los Angeles verließ, um erst als Performance-Manager unter Jürgen Klinsmann, später dann als als Sport- und nun als Krisenmanager gefragt zu sein, sieht Friedrich so: „Ich bin zurückgekommen, um zu helfen. Es war eine unfassbare Reise bis hierhin, die so nicht eingeplant war. Im Leben kommt es oft anders, als man plant. Jeder hat seine Vorstellungen. Wir werden uns zur gegebener Zeit zusammensetzen.“ 

Vorher liegt Friedrichs Fokus allein darauf, den Absturz in die 2. Liga abzuwenden.