So jubeln Dortmund-Besieger: Hertha BSC gewann 2013 beim BVB vor allem, weil Torwart Marius Gersbeck über sich hinaus wuchs. Foto: Imago

Das Abstiegsdrama rund um die Hertha nimmt kein Ende! Nachdem die Mannschaft gleich zwei beste Gelegenheiten verpasste, den langersehnten Klassenerhalt aus eigener Kraft zu erreichen, war es beinahe logisch, dass der Fußball-Gott nicht wohlwollend auf die Hertha schaute und fremde Schützenhilfe nicht geleistet wurde – schon gar nicht vom Meister FC Bayern, der die Saison locker austrudeln lässt. Dennoch: Nach nun wirklich mieser und selbst verschuldeter Ausgangslage kann das Team um Trainer Felix Magath am letzten Spieltag in Dortmund das Ziel noch immer mit einem erfolgreichen Auftritt schaffen – wenigstens ein Remis muss her, um die unsägliche Relegation zu vermeiden.

Ich finde, es ist nun genug geredet, gerätselt, geschimpft oder gefachsimpelt worden über die Gründe, warum Hertha so schwächelt.

Hertha hat den BVB schon ein mal düpiert

Deshalb will ich an dieser Stelle nur an einen großen Mutmacher erinnern, daran, wie man als Hertha BSC auch in Dortmund vor der Kulisse von 80.000 Zuschauern und der berühmten Gelben Wand der Borussia-Fans bestehen und sogar als Sieger den Platz verlassen kann. Ich war als Reporter dabei, als Hertha, in der Saison 2013/14 als Wiederaufsteiger am 17. Spieltag unmittelbar vor Weihnachten in Dortmund antreten musste – als krasser Außenseiter einen großen Kampf lieferte und über sich hinauswuchs.

Also, Hertha-Profis samt Trainerstab: Bitte diese Zeilen lesen!

Unter Trainer Jos Luhukay spielte die Mannschaft bereits bis zum Dortmund-Match eine starke Hinrunde. Stammkeeper Thomas Kraft und Vertreter Sascha Burchert waren für Dortmund verletzt ausgefallen und der Berliner Junge Marius Gersbeck gab sein Bundesliga-Debüt im Tor.

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Marius Gersbeck glänzte beim Hertha-Sieg bei Borussia Dortmund und ließ seine Freude darüber freien Lauf.

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Am Ende wusste niemand bei Hertha BSC so genau, was Marius Gersbeck eigentlich ist – ein Torwart, der mit 18 Jahren gerade sein Debüt in der Ersten Bundesliga gefeiert hatte oder ein ausgelassener Fan seines Klubs?

Der gebürtige Berliner, seit 2005 im Verein, war nach dem Abpfiff und einem sensationellen 2:1-Sieg von Aufsteiger Hertha im lärmenden Kessel der Dortmunder Arena beides zugleich. Er war zu den Berliner Fans gerannt und sogar auf den Zaun auf der Nordtribüne gestiegen. Marius hatte sich einen blau-weißen Schal um den Hals gewunden und ein Megafon geschnappt. Dann feierte er mit denjenigen, unter denen er sich sonst regelmäßig aufhält – den treuesten Fans des Bundesligisten.

„Wenn ich in der Vergangenheit selbst kein Spiel hatte, dann war ich – wie die anderen Verrückten auch - in der Ostkurve oder eben auch bei Auswärtsfahrten der Profis dabei und stand im Block“, erzählte Gersbeck locker, als er von einem Interview zum anderen gereicht wurde….

Gersbeck hatte zuvor ein starkes Spiel abgeliefert und mit tollen Reflexen gegen Robert Lewandowski und Henrikh Mkhitaryan geglänzt. Auch in der Nachspielzeit über sieben Minuten (!) behielt er bei einer Serie von Eckbällen einen kühlen Kopf.

Marius Gersbeck drückt Hertha in Dortmund die Daumen

Es sollte bei dem einen Erstligaspiel bleiben, denn Hertha lieh Gersbeck später aus – an den Chemnitzer FC und den VfL Osnabrück, ehe er im Juli 2019 endgültig zum Karlsruher SC wechselte. Dort wurde er zum gestandenen Zweitliga-Keeper.

Ein Anruf Anfang dieser Woche bei Gersbeck. „Na klar“, sagt der inzwischen 26-Jährige, „an dieses Spiel kann ich mich sehr gut erinnern, eigentlich an jedes Detail. Ich war damals nicht aufgeregt, aber in extremer Vorfreude auf mein Liga-Debüt.“ Hertha verfolgt er aus der Ferne intensiv, pflegt noch Kontakte zu Freunden in der Ostkurve. Marius empfiehlt seiner ehemaligen Mannschaft: „Sie müssen sich bewusst machen und daran erinnern, dass sie natürlich die Qualität für ein Remis oder gar einen Sieg besitzen. Dann sollte der Klassenerhalt machbar sein.“

Ich hoffe, der Wunsch von Gersbeck geht in Erfüllung. Es ist auch meiner.

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