Hertha-Trainer Pal Dardai (M.) formte aus einer Trümmer-Truppe eine Einheit und bewies damit, dass er in der Corona-Krise mehr als eine Billiglösung wäre. dpa

Keine Ruhe nach der nervenaufreibenden Rettung im Saisonendspurt, bei Hertha BSC knistert es mächtig weiter. Denn bei den Blau-Weißen dreht sich alles um die Frage: Bleibt Pal Dardai Cheftrainer? Bei den Überlegungen der Hertha-Bosse wird auch das Finanzielle eine große Rolle spielen. 100 Millionen Mega-Verlust sind Dardais Trainer-Trumpf.

374 Millionen Euro pumpte Investor Lars Windhorst für zwei Drittel der Anteile an Herthas KGaA in den Klub. Nach dem späten Klassenerhalt sind Windhorst viele Steine vom Herzen gefallen. Der Super-Gau Zweite Liga, der ein Großteil seines Investments verschlungen hätte, blieb aus.

Finanz-Boss Ingo Schiller rechnet mit fettem Minus 

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Für Hertha war der Geldregen kurz vor der Corona-Krise ein Glücksfall. Die Pandemie riss Riesenlöcher in jede Klubkasse. Und hinterließ auch in Westend tiefe Spuren.

Finanz-Boss Ingo Schiller verkündete im Oktober ein coronabedingtes Minus von 36 Millionen Euro. Weil den Rest der Spielzeit weiter ohne Zuschauer gespielt wurde, kam nun ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag hinzu. Dazu gab Hertha seit Windhorsts Einstieg rund 140 Millionen Euro für neue Spieler aus – die aufgrund zweier Grusel-Saisons teils mächtig an Marktwert einbüßten.

Egal, wie man es rechnet – Hertha hat enorm investiert und null Ertrag. Mindestens 100 Millionen Euro sind weg. Dardai fällt ein brutales Urteil: „Es gab diesen Moment, in dem man gespürt hat, dass Spieler, die eigentlich teure Leistungsträger sein sollten, nicht einmal eine normale taktische Ordnung halten können.“ Der Ungar weiter: „Die wichtigste Lehre ist hart: Wir haben es am Schluss als Team geschafft. Aber in diesem Moment hat Hertha noch keine Mannschaft. Es gibt keine Stammelf, keine Achse.“

Pal Dardai gibt sich mit weniger zufrieden

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Davon wird sich Fredi Bobic schon bald selbst ein Bild machen. Herthas neuer Sportchef beginnt offiziell am 1. Juni – und muss schnell entscheiden, ob Dardai Cheftrainer bleibt. Klar ist: Ein neuer Trainer will neue Spieler und braucht dafür neues Geld. 

Dardai wäre dagegen die „Billiglösung“. Nicht nur, weil er kein exorbitant hohes Gehalt fordert wie einst Jürgen Klinsmann. Zwar hatte Dardai während seiner ersten Amtszeit (2015–2019) immer wieder betont, dass er gerne auch 100 Millionen Euro für neue Spieler ausgeben würde. Doch nun gibt sich der Ungar mit deutlich weniger zufrieden, warnt sogar: „Nach einem Umbruch nochmals acht, neun neue Spieler holen. Das geht nicht.“ 

Wie viele Windhorst-Millionen stehen Fredi Bobic zur Verfügung?

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Stattdessen will er das von ihm gerettete Pflänzchen weiter gießen, das Team nur punktuell verstärken. Vor allem um die Hierarchie wiederherzustellen. „Wir brauchen Charakterspieler“, sagt Dardai und präzisiert: „Typen wie Sami (Khedira, Anm. d. Red.), die für Ordnung sorgen – da fehlen zwei, drei Spieler.“

Bobic wird schnell abklopfen, wie viele von den Windhorst-Millionen ihm tatsächlich noch zur Verfügung stehen. Schiller erteilte einer Shoppingtour wie unter Klinsmann im Januar 2020, als sich Hertha für mehr als 80 Millionen Euro zum weltweiten Transferweltmeister kürte, bereits eine Absage. Zu tief sind die Spuren der Corona-Krise. Der 100-Millionen-Mega-Verlust ist Dardais größter Trainer-Trumpf.