Herthas Profi jubeln in der Kabine über den Klassenerhalt. Foto: herthabsc.de

Vielleicht spiele ich jetzt für einige den Miesepeter. Okay, ich kann verstehen, dass Fußballprofis bei dem enormen Druck und widrigen Umständen wie eine zweiwöchige Corona-Teamquarantäne im Abstiegskampf erleichtert sind und nach der Rettung auch die Sau raus lassen.

Doch zum großen Feiern hat bei Hertha keiner einen Grund. Es wurde das Minimalziel erreicht: Mit zu vielen Spielern (bestimmt aber nicht allen), die erst im Endspurt die minimalste Voraussetzung für einen Mannschaftssport begriffen haben – Teamgeist.

Die größere Rechnung sieht so aus: Im Mai 2019 musste Pal Dardai weichen, im Mai 2021 musste er retten. Dazwischen liegen zwei komplett verschenkte Jahre bei der Entwicklung des Vereins mit den vier temporären Trainererscheinungen Ante Covic, Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri und Bruno Labbadia. Das alles begleitet durch ein Millionen-Investitionsprogramm in den Kader durch Gönner Lars Windhorst.

Hertha ist gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen und sollte daraus lernen. Nicht nur die Vereinsbosse, besonders Investor Windhorst. Im Fußball gibt es keinen schnellen Erfolg durch Geld.

Dardai ist eigentlich der einzige Gewinner, der persönlich wirklich hohes Risiko eingegangen, als er den Job übernahm. Und auf wahre Erfolgstypen sollte man hören. Also O-Ton Dardai: „Wenn du so viele Spieler holst, dann kann das nicht gutgehen. Von einem anderen Tag auf den anderen Erfolg gibt es nicht. Fußball ist keine Zaubersache.“