Der Auftakt zur Wende gegen Augsburg: Niklas Stark (l.) feiert mit Schütze Kris Piatek (M.) und Jhon Cordoba Herthas 1:1. Foto: dpa/Sören Stache

Ein Gefühl, das fast schon verloren war. Hertha BSC hat nach 63 Tagen und neun erfolglosen Spielen endlich wieder gewonnen. 2:1 im Muss-Spiel gegen Abstiegskonkurrent FC Augsburg. War das der Befreiungsschlag? Setzt dieser Sieg Kräfte frei und sorgt dafür, dass die angekratzte Psyche der Profis im Endspurt um den Klassenerhalt hält?

Kapitän Niklas Stark und Verteidiger Lukas Klünter gingen Arm in Arm vom Platz. Gezeichnet vom Kampf, aber total erleichtert. Stark sprach aus, was alle blau-weißen Profis nach dem Abpfiff fühlten: „Es war ein riesiger Stein, der da vom Herzen gefallen ist.“ Und Klünter ergänzte: „Nach all den negativen Wochen endlich ein positives Ergebnis. Wir hätten fast geweint vor Glück.“

Trainer löst Blockade

Siege sind die beste Medizin, vielleicht kommt jetzt die Leichtigkeit zurück. Auf diesen Effekt hofft Trainer Pal Dardai. Er hatte schon beim Abschlusstraining M vergangenen Freitag gespürt, dass die Nerven der Spieler total angespannt waren.

„Der psychische Druck war groß. Da hatte ich schon ein schlechtes Gefühl. So war es dann auch in der erste Halbzeit. Ich habe in der Pause ruhig analysiert, nicht gebrüllt. Ich habe gesagt, dass die Jungs mutiger sein sollen. Schlimmer wie mit einem 0:1-Rückstand kann es nicht kommen“, verriet der Coach.

Diese Worte haben alles freigesetzt. Hertha stürmte in der zweiten Halbzeit los und gewann durch Tore von Kris Piatek (52.) und Dodi Lukebakio (89., Foulelfmeter).

Punkt bei BVB? Warum nicht!

Erleichterung überall nach dem ersten Dreier seit dem 2. Januar (3:0 gegen Schalke), doch die Lage bleibt weiter bedrohlich. Das weiß auch Dardai und mahnt: „Der Sieg kann ein Weckruf sein. Jetzt müssen wir dranbleiben. Es ist immer ein schmaler Grat.“

Die Spiele in den nächsten Wochen werden weitere Härte-Prüfungen. Sonnabend geht es nach Dortmund, dann folgt Leverkusen. Nach der Länderspielpause steigt das Derby bei Union und eine Heimpartie gegen Gladbach.

Dardai: „Wir fahren mit einem Plan nach Dortmund. Jede Mannschaft hat gegen uns geschwitzt. Wir werden uns gut vorbereiten. Warum sollen wir da keinen Punkt mitnehmen?“

„Augsburg war kein Endspiel“

Der Trainer hat seiner Truppe Teamgeist und neues Selbstbewusstsein eingeimpft. Jetzt hat er endlich seinen ersten Sieg. Doch er weiß selbst, dass noch ein paar weitere folgen müssen: „Augsburg war kein Endspiel. Es war ein Spiel. Wir müssen weiter punkten, um uns zu befreien. Die Saison ist noch lang.“ Hertha, der Abstiegskampf bleibt reine Nervensache.