Den Hertha-Profis droht gegen den von Kult-Sänger Herbert Grönemeyer (l.) besungenen VfL Bochum die nächste Niederlage. City-Press, Imago

Wie singt Herbert Grönemeyer so herrlich: „Tief im Westen ist es besser, als man glaubt.“ Das gilt aus Hertha-Sicht auch für den VfL Bochum. Der kommende Gegner, wie vom Kult-Sänger beschrieben „vor Arbeit ganz grau“, lebt vieles vor, was den Blau-Weißen seit geraumer Zeit völlig abgeht. Bochum, mir graut es vor Dir!

Keine Frage, die Woche hinterließ Spuren. Bei den Fans, die ihren Unmut am Sonnabend vor dem Bayern-Spiel auf dem Schenckendorffplatz ventilierten. Bei den Spielern, die sich weiterhin viel zu viele einfache Fehler leisten. Und auch beim Trainer, dem es langsam dämmert, dass es ein langer, steiniger Weg wird, Hertha in ruhigere Fahrwasser zu führen. Tayfun Korkut: „Wir sind alle sehr enttäuscht. Die Woche gibt uns zu denken.“

Bochum verkörpert all das, was Hertha fehlt

Der Aufbruchstimmung des Jahresendspurts mit sieben Punkten aus vier Spielen unter Korkut ist auf jeden Fall dahin. Vielmehr ist die Lage nach nur einem Punkt aus drei Spielen mal wieder prekär. Nur vier Pünktchen trennen Hertha von einem direkten Abstiegsplatz, sodass die kommenden zwei Spiele gegen die Aufsteiger aus Bochum und Fürth – wie schon zu Saisonbeginn für Dardai – auch für Korkut absolute „Muss-Spiele“ werden. „Diese Woche haut uns nicht um. Dafür ist die Mannschaft zu intakt“, erklärt Korkut zuversichtlich.

Das Problem im Vergleich zum bereits aus Hertha-Sicht schmeichelhaften 3:1-Sieg in der Hinrunde: Der VfL hat sich reingekämpft, die Ruhe bewahrt, auch als die Lage bereits früh bedrohlich war. „Du hast ’nen Pulsschlag aus Stahl. Hier, wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld“, sang Grönemeyer 1984. Und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass VfL-Trainer Thomas Reis und sein Team sich das Vereinslied fast 40 Jahre später zu eigen gemacht haben.

Reis formte eine Einheit, die bedingungslos jedes Wochenende den Kampf annimmt, dazulernt und sich mittlerweile spielerisch so weiterentwickelt hat, dass Bochum trotz seines Mini-Etats nicht als sicherer Absteiger gilt und all das verkörpert, was Hertha abgeht. Kurzum: Das blau-weiße Möchtegern-Star-Ensemble sollte sich eine dicke Scheibe beim VfL abschneiden.

Müller lacht über Hertha

Herthas Pleite gegen den FC Bayern war zwar ein Fortschritt gegenüber dem Derby-Debakel im Pokal gegen den 1. FC Union. Doch so erwartbar wie verdient das 1:4 gegen den Rekordmeister war, für die Gegentore sorgten Herthaner mal wieder selbst. Bayerns Nationalspieler Thomas Müller konnte sein Erstaunen darüber, wie einfach man gegen Hertha Tore schießen kann, nicht verbergen, wunderte sich vor laufender Kamera über das Abwehrverhalten der Berliner. Korkut mit Galgenhumor: „Wenn wir jetzt anfangen über die Tore zu sprechen, dann haben wir ein bisschen was zu tun.“ 

Was gibt Hertha Hoffnung? Die Rückkehr von Stürmer Stevan Jovetic, der gegen Bayern nach drei Spielen (Wade) erstmals wieder eingewechselt wurde. Korkut: „Wenn er auf den Platz kommt, bewirkt er etwas in der Mannschaft, das hat man gesehen.“

Hertha hofft auf Jovetic – und auf den Faktor Zeit 

Dazu soll die Pause – erst am 4. Februar geht es gegen Bochum weiter – helfen, dass Hertha gegen den VfL, so Corona will, wieder alle Spieler zur Verfügung stehen. Korkut: „Wir werden weiter intensiv arbeiten und sind überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Auch wenn die Schritte nicht groß waren. Wichtig ist, dass wir sie gemacht haben.“  

Ob das den Fans Zuversicht gibt? Ja, Fortschritte im Spiel mit dem Ball sind zu erkennen. Aber wenn Korkuts Spieler weiter so sorglos verteidigen, ist es schwer zu glauben, dass Hertha aus eigener Kraft ein Spiel gewinnen kann. Bochum, mir graut es vor Dir!

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