Das wollen Herthas Profis in der Rückrunde viel öfter erleben: Jubeln nach einem Sieg (wie hier gegen Dortmund) ist das Größte.   Fot0: City-Press

Ein Kraftakt zum Abschluss der Hinrunde reichte. Hertha BSC hat mit dem 3:2-Sieg gegen Borussia Dortmund das Minimalziel erreicht. 21 Punkte nach einer fast immer quälenden Halbserie. Zufrieden kann damit keiner sein. Der KURIER blickt noch mal auf das vergangene halbe Jahr zurück.

Nach dem Klassenerhalt im Mai sollte alles besser werden. Fredi Bobic (50) kam im Juni als Manager. Doch große Sprünge konnte er im Profi-Kader nicht machen. Im Gegenteil: Er musste auf Sparkurs gehen.

Hertha auf Sparkurs

Teure Stars wie Matheus Cunha (22/Atletico Madrid) und Jhon Cordoba (28/FC Krasnodar) wurden verkauft. Dodi Lukebakio (24) wurde an Wolfsburg ausgeliehen, um Gehaltskosten zu senken. Nach dem Fehlstart mit drei Pleiten war die Mannschaft dann endlich komplett zusammengestellt und Trainer Pal Dardai (45) konnte erst da so richtig mit dem Aufbau des Teams beginnen.

Doch dabei ging, warum auch immer, viel verloren: der Spaß, der Mut, die Kreativität. Das Offensivspiel fand teilweise nur noch zögerlich und dann auch noch mit Fehlpässen statt. Bobic zog vor drei Wochen die Konsequenz und trennte sich von Dardai.

Der neue Coach Tayfun Korkut (47) soll es jetzt richten. Beim 2:2 in Stuttgart und beim 2:0 gegen Bielefeld deutete sich schon die neue Spielphilosophie an: mutiger, aggressiver, offensiver. Es folgte ein böser Rückfall – das lethargische 0:4 in Mainz.

Korkut kommt in die Köpfe

Die Befürchtung war groß, dass es nach dem kurzen Aufwind sofort wieder abwärts geht. Doch Korkut hat in nur vier Tagen bewiesen, dass er die trüben Geister in der Mannschaft wegfegen kann. „Wir haben an die Idee, die wir vom ersten Tag an reingebracht haben, weiter geglaubt – trotz der Niederlage unter der Woche. Wir sind froh über die Art und Weise, wie wir diese drei Punkte eingefahren haben“, sagt Korkut nach dem Sieg gegen den BVB.

Der Coach, der eher ein ruhiger, sachlicher Vertreter seiner Zunft ist, muss in der Kabine die Gabe haben, so manche Blockade in den Köpfen der Spieler zu lösen. Selbst nach schlimmen Niederlagen. Wie verwandelt machten die Profis gegen Dortmund ihr bestes Saisonspiel. Es war der erste Sieg gegen ein Team aus der oberen Tabellenhälfte.

„Wir sehen Fortschritte“

Bobic sieht sich in der Trainerwahl bestätigt und zum ersten Mal erlebte man den neuen blau-weißen Macher nach einem Abpfiff gelöst: „Das war ein großartiger Fight. Der Trainer hat das Team nach Mainz gut wieder aufgebaut und die Jungs haben Herz gezeigt, dagegengehalten und sehr mutig gespielt.“ Doch er sagt mit Blick auf die Rückrunde auch: „Wir sehen Fortschritte, sind aber noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Wir müssen weiter hart arbeiten.“

Deswegen müssen die Profis auch schon am 29. Dezember wieder bei Korkut zum Training antanzen. Der Coach: „Wir haben noch viele Dinge aufzuholen. Man hat gesehen, was möglich ist. Wir müssen einfach die Wahrscheinlichkeit erhöhen, erfolgreich zu spielen. Wenn man wirklich was erreichen will im Leben, muss man dafür etwas tun.“

Leichter fällt das natürlich mit einem starken Sieg zum Ende der Hinrunde. Die Spieler spüren, dass es sich lohnt. Sieben Punkte in vier Spielen unter Korkut, vorher waren es 14 Zähler in 13 Partien. Der Aufwärtstrend ist da. Doch im neuen Jahr muss noch viel mehr kommen. 

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC>>