Fredi Bobic, Pal Dardai und Arne Friedrich (v. l.) spielten in der Saison 2003/2004 auch mit Andreas „Zecke“ Neuendorf zusammen. Imago

Vor einigen Tagen habe ich mit Thorben Marx telefoniert. Als Mittelfeldspieler war der heute 40-Jährige viele Jahre eine Stütze bei Hertha BSC und bei Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga. Auch für Arminia Bielefeld lief er zwischen den beiden wichtigsten Stationen seiner Karriere für drei Jahre auf. Am Sonnabend treffen im Olympiastadion Hertha und die Borussia aufeinander. Marx, der seit Juli als Assistenztrainer beim 1990er-Weltmeister Thomas „Icke“ Häßler beim BFC Preussen in der Landesliga agiert, sieht Gladbach am Ende der Saison deutlich vor der Hertha liegen.

2003/04 und 2004/05 spielte Marx bei Hertha zusammen in einem Team mit den aktuellen Verantwortlichen des Bundesligisten – mit Fredi Bobic (Geschäftsführer Sport), Arne Friedrich (Sportdirektor), Pal Dardai (Cheftrainer) und Zecke Neuendorf (Co-Trainer). Dass dieses Quartett nun die Entwicklung bei Hertha maßgeblich bestimmen darf, findet Thorben Marx eine „sehr charmante Lösung“.

Hertha hat ein Alleinstellungsmerkmal

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Er brachte mich auf die Idee, zu schauen, ob es in der Liga noch solch eine seltene Konstellation gibt, in der vier ehemalige Profis, die einst zusammen auf dem Rasen kämpften und dabei durchaus schwierige Situationen zu bestehen hatten, später im gleichen Klub große Verantwortung trugen.

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Unter Trainer und „Retter“ Hans Meyer (2. v. l.) hatte Hertha 2004 wieder mehr zu lachen, nachdem der Abstieg verhindert wurde.

Das ist in dieser Konzentration nicht der Fall und beschert der Hertha ein Alleinstellungsmerkmal. Beim FC Bayern arbeiten nur die beiden ehemaligen Teamkameraden Oliver Kahn (Vorstandschef) und Hasan Salihamidzic (Vorstand Sport) in der Führungsspitze zusammen. Bei Borussia Dortmund sind das Michael Zorc (Sportdirektor) und Lars Ricken (Leiter Nachwuchsleistungszentrum) und bei Bayer Leverkusen Simon Rolfes (Sportdirektor) und Stefan Kießling (Organisation Lizenzspieler-Abteilung).

Als das Hertha-Quartett 2003/04 gemeinsam aufbrach, um in die Champions League zu gelangen – so hatte die Mannschaft von Trainer Huub Stevens im Trainingslager in Tschaggungs (Österreich) zum ersten Mal öffentlich das Saisonziel formuliert –, herrschte großer Optimismus vor, doch später kämpfte das Team bis zum vorletzten Spieltag gegen den Abstieg.

Freunde waren Dardai und Bobic nicht

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Die „großen Vier“, so will ich Bobic, Dardai und Co. hier nennen, waren nicht unbedingt befreundet, was auch nicht notwendig ist. Mit Fredi Bobic, der zuvor für Hannover 96 stattliche 14 Tore geschossen hatte, und mit Niko Kovac hatte Manager Dieter Hoeneß zwei sogenannte „Charakterspieler“ verpflichtet. Beide verstanden sich glänzend, was bis zum heutigen Tag so geblieben ist.

Pal Dardai, der damals schon eine wichtige Rolle spielte, war viel mit seinem Zimmergenossen, Torhüter Christian Fiedler zusammen. Zecke Neuendorf, Tausendsassa und ein sehr sozialer Mensch, kam mit allen Mitspielern gut zurecht. Arne Friedrich, der bei Hertha schnell zum Nationalspieler aufstieg, war häufig mit Vizeweltmeister Marko Rehmer zu sehen.

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Für Hertha BSC auf dem Platz, wenn auch ohne Fußballschuhe: Sportdirektor Arne Friedrich, Sportchef Fredi Bobic und Trainer Pal Dardai (v. l.)

Alle zusammen litten seinerzeit unter zahlreichen Niederlagen, zwei Trainerwechseln von Stevens zu Andreas Thom und später zu Retter Hans Meyer. Solche Widrigkeiten schweißen auch zusammen, was sicherlich auch für die heutige Situation von Belang ist – auch wenn das alles sehr lange her ist.

Hertha beschwört den Teamgeist

2004/05 waren all die genannten Profis dabei, als unter Trainer Falko Götz sogar Platz vier in der Liga heraussprang. Zusammen bringt es das Quartett auf stattliche 720 Bundesliga-Einsätze für Hertha BSC, was ein ungeheures Pfund an Erfahrung ist und allen heute in ihren Aufgabenbereichen garantiert hilft.

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In der aktuellen Spielzeit passt wohl zwischen Dardai und Friedrich kein Blatt Papier. Beide verbindet der gemeinsame Erfolg, in ganz schweren Zeiten – Trennung von Michael Preetz und Bruno Labbadia, Corona und Quarantäne des kompletten Kaders – den Abstieg mit enormer Kraft vermieden zu haben. Dardai und Neuendorf verstehen sich beinahe „blind“ und zwischen dem Trainer und Sportchef Bobic geht es offen, streitbar und ehrlich zu.

Das Wort „gemeinsam“ war zuletzt von allen Beteiligten oft zu hören. Das macht Mut für die nahe Zukunft, genauso wie der jüngste Sieg bei Eintracht Frankfurt.

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