Die Hertha-Fans in der Ostkurve forderten beim Derby gegen den 1. FC Union die Trennung von Investor Lars Windhorst und Präsident Werner Gegenbauer. Foto: Imago

Auf dem Platz scheint Hopfen und Malz verloren, hinter den Kulissen tobt bei Hertha BSC mitten im Abstiegskampf der Machtkampf. Grund genug für die Ultras, das blau-weiße Chaos zum Anlass zu nehmen und ihre Banner-Forderung beim Stadtduell mit weiteren Worten zu unterstreichen. 

Die sportliche Talfahrt, die schier unendliche Stadion-Debatte und nicht zuletzt der immer weiter eskalierende Zoff zwischen Gegenbauer und Windhorst – Herthas Ultra-Gruppe Harlekins hat genug, prangert die Zustände in einer Stellungnahme an: „Unser Verein macht sich öffentlich zum Gespött.“

Dabei spielt aus Ultras-Sicht 374-Millionen-Investor Windhorst eine zentrale Rolle. Bereits kurz nach dessen Einstieg im Sommer 2019 ahnte die Fangruppe, was da auf Hertha BSC zukommt. „Entscheidungsgewalt des Vereins im Windhorst verweht!“, stand nur wenige Monate nach dem Windhorst-Einstieg auf einem Banner in der Ostkurve.

Hertha-Ultras kritisieren Lars Windhorst

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Bereits im November 2019 und nur Monate nach dem Einstieg von Lars Windhorst bei Hertha BSC, machten die Ultras klar, was sie davon halten.

Jetzt werden die Harlekins konkret: „Lars Windhorst hat von Anfang an kein Geheimnis daraus gemacht, dass es ihm um Macht in unserem Verein geht.“ Dass es Windhorst nun auf einen Showdown im Hertha-Machtkampf ankommen lassen will, offen die Abwahl von Gegenbauer auf der Mitgliederversammlung im Mai fordert, kontern die Harlekins mit reichlich Spott: „Wenn ein Handlanger von Lars Windhorst neuer Präsident wird, dann ist er bereit, weitere Millionen in Hertha BSC zu investieren. Und dann kommt auch der große Erfolg – ganz sicher.“

Hertha-Ultras geben Klub-Bossen die Schuld

Dagegen bekommt neben Windhorst auch ihr Herzensklub sein Fett weg. Schließlich haben die Klub-Bosse, Gegenbauer, Finanz-Chef Ingo Schiller und Ex-Manager Michael Preetz, Windhorst erst ins Boot geholt. „Dies soll aber keinesfalls davon ablenken, dass die Hauptschuld für die Entwicklung bei den Verantwortlichen von Hertha BSC sowie in der Entscheidung der Partnerschaft mit einem unseriösen Investor zu suchen ist“, erklären die Harlekins.

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Und natürlich beschäftigt die Fanszene auch, wie so viele Millionen so wenig Ertrag bringen konnten. Dass Hertha zusätzlich und vor allem heimlich, still und leise sieben Millionen Euro aus dem Topf an staatlichen Corona-Hilfen abgriff, sei die Kirsche auf der Torte: „Trotz der investierten Summe hat Hertha BSC es vollbracht, durch mangelnde finanzielle Disziplin, Größenwahn und eine katastrophale Kaderplanung so angeschlagen zu sein, dass der Verein staatliche Corona-Hilfen in Höhe von 7 Millionen Euro bewilligt bekam.“

Hertha-Ultras fordern: Gegenbauer und Windhorst raus!

Vor allem Gegenbauers Zeit, der im Herbst 2020 und ohne Gegenkandidaten nur 54 Prozent der Mitgliederstimmen bei seiner Wiederwahl bekam, sei abgelaufen. Die Ultras: „Er hat es in all den Jahren (seit 2008, d. Red.) nicht vollbracht, dass Hertha BSC in Berlin in irgendeiner Form positiv wahrgenommen wird. Das Vereinsleben fand immer weniger statt. Zählbare Erfolge gab es weder auf noch neben dem Platz zu vermelden.“

Deswegen fordern die Harlekins: „Windhorst und Gegenbauer raus! Nur so kann der Grundstein für eine Entwicklung im Verein gelegt werden, die am Ende dazu führt, dass wir uns alle wieder mit unserer Hertha identifizieren können.“

Damit haben sich die Ultras klar positioniert, auch wenn der Zeitpunkt denkbar schlecht gewählt zu sein scheint. Denn zum Fan-Aufmarsch im Januar und der Androhung von Gewalt sowie zu den jüngsten Übergriffen auf die Spieler nach dem Derby, also ihren eigenen Verfehlungen, verlieren die Harlekins kein Wort.

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