Hertha-Manager Michael Preetz hofft auf einen versöhnlichen Saisonausklang. Foto: Imago-Images

Hertha kommt in dieser Saison einfach nicht zur Ruhe. Vor dem auch von den eingefleischtesten Fußball-Fans heftig diskutierten Wiederstart der Bundesliga am 16. Mai kämpfen die Blau-Weißen darum, das ohnehin in dieser Saison arg ramponierte Image nicht noch weiter zu verschlechtern. „Wir lassen auch nichts aus“, schoss es Manager Michael Preetz sofort durch den Kopf, als er von einem Video erfuhr, das die gesamte Branche des Profi-Fußballs mitten in der Corona-Krise ins Mark traf. Er sei „geschockt“ gewesen, sagte Preetz auf KURIER-Nachfrage. 

Nach dem Skandal um das Kabinen-Video des inzwischen suspendierten Kalou hat Hertha auch andere Profis nochmals ausdrücklich auf ein coronagerechtes Verhalten hingewiesen. „Natürlich“ habe er zum Beispiel mit Kapitän Vedad Ibisevic gesprochen, erklärte Preetz am Donnerstag. Kalou hatte zu Wochenbeginn ein Video live im Internet verbreitet, auf dem eigene Regelverstöße und das Fehlverhalten von Mitspielern bei der Beachtung der Corona-Regeln dokumentiert wurden. Auch mit Ibisevic, der zudem eine falsche Gehaltsabrechnung des Klubs monierte, klatschte sich Kalou ab. „Das sind Dinge, die nicht vorkommen sollten. Sie sind umgehend korrigiert worden“, betonte Preetz.

Warten auf die Genehmigung

Es habe weitere Schulungen auf Deutsch und Englisch gegeben, die von zwei Teamärzten abgehalten wurden, berichtete der Manager des Bundesligisten: „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um darauf zu achten, dass wir die Regeln einhalten.“ Mit dem Krisen-Konzept der Deutschen Fußball-Liga wird Hertha am 16. Mai bei 1899 Hoffenheim die restlichen Saisonspiele aufnehmen. In die zu diesem Konzept gehörende Quarantäne in Vorbereitung auf den Neustart wird Hertha wahrscheinlich mit über 30 Spielern gehen, berichtete Preetz. Dafür sollen in einem Berliner Hotel die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden. 

Allerdings wartete Hertha am Donnerstag genau wie der Stadtrivale 1. FC Union noch auf die Genehmigung für das erhoffte Teamtraining durch die Berliner Behörden. Im Gegensatz zu den meisten Liga-Konkurrenten müssen die Blau-Weißen wie die Konkurrenz aus Köpenick weiter in Kleingruppen üben.

Blau-weißes Image-Problem

Das blau-weiße Image  ist nach einer Saison mit der Trennung von Trainer Ante Covic und dem unrühmlichen Abgang von Nachfolger Jürgen Klinsmann schwer angeschlagen. Nun schürt das Kalou-Video mitten im Bestreben der Liga, die Saison trotz aller Corona-Auswirkungen zu Ende zu führen, die Bedenken der Kritiker.

Er habe noch heute keine Erklärung dafür, sagte Preetz am Donnerstag in einer Video-Konferenz. „Er hat schweren Fehler gemacht“, unterstrich der einstige Stürmer. Kalou sei über sechs Jahre aber auch ein „tadelloser Sportsmann“ gewesen, der sich entschuldigt habe: „Wir hatten keine Wahl, als ihn zu suspendieren."