Die Stadtmeisterschaft gewann Hertha auch Dank Dodi Lukebakios Tor im Rückspiel zum zwischenzeitlichen 2:0.  Foto: AFP

Die verrückteste Saison in der Geschichte der Bundesliga biegt auf die Zielgerade. Zwei Spieltage vor Schluss sind sowohl der 1. FC Union als auch Hertha BSC gerettet. Nach unten und nach oben geht für beide Berliner Klubs nichts mehr. Und dennoch geht es noch um so viel. Denn Blau-Weiß und Rot-Weiß trennen in der Tabelle nur vier Tore. Keiner will am Ende hinter dem anderen stehen. Deswegen heißt es für die letzten beiden Spieltage: Stadtmeisterschaft reloaded!

Wer hätte das gedacht? Vor exakt 30 Tagen sicherte sich Hertha nach dem 0:1 in Köpenick im November mit einem 4:0-Sieg im Rückspiel die Stadtmeisterschaft. Weil Hertha auch danach unter dem seit der Corona-Pause akribisch arbeitenden Trainer Bruno Labbadia weiter punktete, trennten die beiden Rivalen vor zwei Wochen noch sieben Punkte und fünf Plätze im Tableau. Die blau-weiße Gefühlswelt schien dadurch nach der turbulenten Saison mit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst und vier Cheftrainern noch ihren Frieden gefunden zu haben.

Doch durch Unions Siege in Köln und gegen Paderborn und Herthas Pleiten gegen Frankfurt und in Freiburg sind die Klubs wieder punktgleich – und die Fans beider Lager kennen kaum ein anderes Thema mehr. Auch in Unions Kabine soll heiß diskutiert werden. Für die Blau-Weißen wäre es ein Albtraum, trotz des gewonnenen direkten Vergleichs am Ende der ersten gemeinsamen Bundesliga-Saison hinter den Eisernen ins Ziel zu kommen.

Preetz freut sich auf neue Derbys

„Man hat von der Nachbarschaft Kommentare bekommen“, erzählte Herthas Mittelfeldmann Per Skjelbred die Auswirkungen der Hinspiel-Pleite an der Alten Försterei. „Man konnte nicht so einfach in ein Einkaufszentrum gehen. Das hat keinen Spaß gemacht.“

Doch das könnte den Hertha-Profis nun wieder drohen. Der blau-weiße Rivale hat auf dem Papier die leichteren Aufgaben. Labbadia verspricht gegen Leverkusen (Sonnabend, 15.30 Uhr) und kommende Woche in Mönchengladbach einen großen Fight: „Die Mannschaft geht an ihre Grenzen. Wir werden bis zum letzten Spieltag alles geben.“

Hertha-Manager Michael Preetz ging der Beantwortung der Frage, ob die Abschlusstabelle oder der direkte Vergleich wichtiger sei, aus dem Weg: „Mit Blick auf das Derby vor einigen Wochen und vor dem Hintergrund, dass sich Union ein weiteres Jahr die Bundesligazugehörigkeit gesichert hat“, erklärt Preetz, „freuen wir uns alle, wenn es wieder nächste Saison zu zwei friedlichen Derbys in vollen Stadien kommt.“

Doch auch Preetz weiß um das Prestige und die Bedeutung, mit welchem Gefühl man in die Sommerpause geht: „Am Ende dieser speziellen Saison müssen wir noch mal die letzten Kräfte mobilisieren.“