Investor Lars Windhorst ärgert sich über Hertha BSC und buhlt um die Gunst der Fans und vor allem der Mitglieder. dpa

Die Träume waren riesig. Champions League und Big-City-Club. Der ganz große Glanz. Die Realität sieht dagegen trist aus. So trist, dass Herthas 374-Millionen-Investor Lars Windhorst zweieinhalb Jahre nach seinem Einstieg nun erstmals so richtig der Kragen platzte. Windhorst dämmert, dass er auch bei Hertha Millionen versenkt hat. Sein letzter Rettungsanker: Die Gunst der Fans und Mitglieder.

Windhorst träumte von Amazon und Tesla

Neben dem Sportlichen wollte Windhorst bei Hertha vor allem alte Strukturen aufbrechen, um den Klub und sein Investment glänzen zu lassen, um Sponsoren wie die Weltkonzerne Tesla oder Amazon zu locken.

„Wir haben nicht investiert, weil wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist“, erklärte der 45 Jahre alte Überlebenskünstler nach seinem ersten Hertha-Nackenschlag, als sein Berater und Kurzeit-Trainer Jürgen Klinsmann das Handtuch warf.

Der neueste Frontalangriff gegen Präsident Werner Gegenbauer, dem er ohne dessen Namen zu nennen „Klüngelei“ und „Machterhalt“ vorwirft, scheint damit begründet, dass es Windhorst langsam dämmert, dass nicht nur seine Millionen verbrannt wurden, sondern er vor allem kaum Einfluss auf die Geschicke des Klubs hat.

Windhorsts Problem: Hertha-Präsident Gegenbauer

Seit seinem Einstieg im Sommer 2019 steht nämlich vor allem ein dicker blau-weißer Elefant im Raum: Warum ist Windhorst für so viel Geld aber für so wenig Macht bei Hertha eingestiegen? Zur Erinnerung: Windhorst erwarb nicht 64,7 Prozent der Anteile am Verein, lediglich an der GmbH & Co. KGaA. Deswegen greift auch nicht die 50+1-Regel.

Dafür bekam das einstige Wunderkind der deutschen Wirtschaft wie einst Investor-Vorgänger KKR zwei von neun Sitzen im Aufsichtsrat der KGaA. De Facto sitzt er mit am Tisch, Befehlsgewalt hat er nicht.

Vor allem Gegenbauer rieb ihm das bei den vielen offen zur Schau getragenen Streitereien immer wieder unter die Nase. Ein Darlehen, sprich Schulden bei Windhorst, wie es der Hamburger SV bei Klaus-Michael Kühne und viele Klubs (auch der 1. FC Union) bei Michael Kölmel haben, soll Hertha nicht haben. Dafür wurde der Klub nicht müde zu betonen, dass Windhorsts Millionen sicher auf Herthas Konten liegen.

Windhorst, gegen den nach dem aufgehoben Insolvenz-Urteil seiner Tennor Firma weiterhin ein Strafverfahren wegen unerlaubter Bankgeschäfte läuft, wurde von Freunden und Experten vor seinem Hertha-Einstieg gewarnt. Doch sein Drang seinen internationalen Geschäftspartnern als Fußball-Klubbesitzer zu imponieren, soll ausgeprägter gewesen sein als die Vernunft.

Windhorst will Hertha-Millionen retten

Weil seit der Corona-Krise (Einbruch der Spielermarktwerte und Zuschauereinnahmen, selbst das über Jahrzehnte sprudelnde TV-Geld schrumpft) die Rendite für die nächsten Jahre ausbleibt, bleibt für Windhorst nur die Option, Hertha mehr Geld in Aussicht zu stellen.

Das wird nur passieren, wenn Gegenbauer seinen Stuhl räumt oder abgewählt wird. Stimmung gegen den Klub-Patron macht Windhorst schon lange. Das jüngste Frust-Interview ist seine neuste PR-Bombe.

Mit seinem Versuch, die Mitglieder zum umgarnen („Abgesehen von positiven Erfahrungen mit vielen Mitgliedern hat mir mein Investment nur Nachteile gebracht“), greift er nach dem letzten Strohhalm, um seine verzockten Hertha-Millionen zu retten – und nach mehr Macht.

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC >>