Lagen nicht immer auf einer Wellenlänge: Hertha-Sportchef Fredi Bobic (r.) und der von ihm entlassene Trainer Pal Dardai. City-Press

Es hatte sich abgezeichnet und ist dennoch ein Paukenschlag! Die zweite Ära von Pal Dardai als Cheftrainer von Hertha BSC endet abrupt. Gründe für den Hertha-Hammer gibt es genug. Der KURIER erklärt, warum Dardai scheiterte.

Die Drähte glühten, die Köpfe rauchten. Keine 41 Stunden nach dem Augsburg-Abpfiff schmeißt Hertha Dardai raus. Mehr als vier Wochen ohne Sieg (zuletzt 1:0 gegen Gladbach am 23. Oktober), dazu die derbe Derby-Pleite beim 1. FC Union und die abermals dürftige Darbietung beim 1:1 gegen den FC Augsburg brachten das Fass zum Überlaufen. Sportchef Fredi Bobic: „Es gibt Zeitpunkte, wo du Entscheidungen treffen musst. Dieser Zeitpunkt war gekommen“.

Der Manager krempelt seit der Übernahme der Geschäfte von Michael Preetz die Hertha um. Das Team hinter dem Team wurde komplett ausgetauscht, auch im Kader kräftig aussortiert. Dardai durfte dank der grandiosen Rettung nach der Corona-Quarantäne in der vergangenen Saison, als die Blau-Weißen mit dem Rücken zur Wand standen, weitermachen. Bobic wollte Ruhe und Kontinuität, eine stabile Saison und sah sich nun zum Handeln gezwungen. Bobic: „Es geht nur darum, dass wir in ruhigere Gewässer kommen und aus dem, was wir haben, das Optimale herausholen und eine Entwicklung sehen. Wir hatten insgesamt nicht das Gefühl, dass sich die Dinge verbessern.“

Pal Dardai blieb sich treu

Hertha trennt nur noch ein mickriges Pünktchen vom Relegationsplatz. Unter Dardai bewies sich in dieser Saison weder die Defensive als sattelfest (27 Gegentore in 13 Spielen, nur Schlusslicht Fürth verteidigt schlechter), noch bewegte sich etwas in Herthas harmloser Offensive (13 Treffer). Wegen Dardais Defensiv-Denke musste der Ungar bereits 2019 seinen Hut nehmen, nachdem er den Klub in seiner ersten Amtszeit rettete und während der viereinhalb Jahre stabilisierte, aber nach Preetz' Meinung nicht weiterentwickelte. Und weil Pal Pal blieb und an seiner Spielphilosophie festhielt, muss er jetzt zusammen mit seinem Co-Trainer Zecke Neuendorf und Admir Hamzagic seinen Hut nehmen. 

Dabei galt das Verhältnis Dardai-Bobic spätestens nach dem 3. Spieltag, null Punkten und Dardais Wutrede als angekratzt. Mehrfach rüffelte der Boss seinen wichtigsten Angestellten in aller Öffentlichkeit. Danach schienen die Herthaner die Kurve zu bekommen, holten 13 Punkte aus acht Spielen. Bis das Derby-Debakel folgte. 

Bobic kritisiert Dardai

Nach dem ideen- und harmlosen Auftritt im Prestige-Duell kritisierte Bobic das Abwehrverhalten bei Standards und damit direkt Dardais Arbeit. Das Augsburg-Spiel sollte der Anfang eines Hertha-Castings bis Weihnachten werden. Weil alle Spieler durchfielen, besiegelten sie das Ende Dardais zweiter Amtszeit. Bis zuletzt hatte die Klub-Ikone die von ihm anvisierten 20 Punkte bis zur Winterpause für möglich gehalten.

Dass Bobic nicht mehr daran glaubte und nun die Reißleine zog, könnte auch an einem Aufreger in der vergangenen Woche liegen. Dardai faltete im Training Jordan Torunarigha dermaßen zusammen, dass der Verteidiger den Tränen nahe war. Das spürte auch das Team, das Torunarigha geschlossen tröstete und aufmunterte. Gut möglich, dass Dardais Position seitdem innerhalb der Mannschaft geschwächt war. In einem Sechs-Augen-Gespräch mit Sportdirektor Arne Friedrich habe Bobic Dardai die Trennung am Montagmorgen mitgeteilt. „Er war enttäuscht, aber es war ein offenes und gutes Gespräch.“ Ob Dardai wie bei seiner letzten Entlassung im Sommer 2019 weiter im Verein tätig bleiben wird, soll in Gesprächen im Frühjahr geklärt werden.

Bei den Profis soll es nun also Tayfun Korkut richten. Nach Ante Covic, Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri, Bruno Labbadia und Dardai der sechste Trainer in zweieinhalb Jahren. Bobic verspricht sich viel: „Tayfun hat in der Vergangenheit schon unter Beweis gestellt, dass er ein Team nicht nur stabilisieren, sondern auch mit seiner akribischen und leidenschaftlichen Arbeit und seiner Idee vom Fußball weiterentwickeln kann.“

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