Aus der Ajax-Schule ins Hertha-Trikot: Jurgen Ekkelenkamp ist nicht der erste Holländer in Blau-Weiß.  City-Press

Selten habe ich mich über ein Tor und den Auftritt eines Fußballers aus Holland so gefreut wie beim 2:1-Sieg der Hertha gegen Greuther Fürth, als der erst 21-Jährige Jurgen Ekkelenkamp bei seinem Bundesliga-Debüt seine neue Mannschaft mit Elan und Power total mitriss. Der junge Mann wirkt auf den ersten Blick eher wie ein ruhiger intelligenter Student. Sieben Jahre durchlief er die berühmte Fußballschule von Ajax Amsterdam.

Dass ich mich über Tore von Holland-Profis freue, war nicht immer so und passierte eigentlich erst, nachdem Hertha die meist exzellenten, taktisch glänzend geschulten Profis aus dem Nachbarland für sich entdeckte. Von Edeltechniker Bryan Roy über den wuchtigen Abwehrchef Dick van Burik bis zu Deyovaiso Zeefuik reicht die Liste. 14 Holländer spielten bislang  in der Ersten Bundesliga für Hertha. Nur Brasilien mit 16 Profis liegt in dieser Liste vor den Oranjes.

Herthas lange Holland-Tradition

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Einst habe ich die Fußballer aus Holland in Duellen mit deutschen Mannschaften natürlich lieber verlieren sehen. Dennoch bewunderte ich die Leichtigkeit, die brillante Technik der Generation um den großen Johan Cruyff.

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Mit Rechtsverteidiger Deyo Zeefuik hat Jurgen Ekkelenkamp einen Landsmann im Hertha-Kader. 

Zum ersten Mal live erlebte ich als junger Bursche die Cruyff, Ruud Krol, Barry Hulshoff, Piet Keizer oder Wim Suurbier beim Europacup-Spiel des FC Carl Zeiss Jena gegen Ajax Amsterdam. Am 4. März 1970, es lag Schnee im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld, wo 22.000 Zuschauer bis dicht am Spielfeldrand hockten, gingen die berühmten Holländer unter. Roland Ducke, Helmut Stein und Peter Ducke trafen für Jena beim sensationellen 3:1-Sieg. Es war ein Spiel, dass ich bis heute nicht vergessen kann. Leider drehte Ajax im Rückspiel das Duell und siegte 5:1.

1979 erlebte ich im Leipziger Zentralstadion mit 92.000 Zuschauern das EM-Qualifikationsspiel der DDR-Nationalmannschaft gegen Holland. Die Stimmung war gigantisch. Rüdiger Schnuphase und Joachim Streich hatten die DDR mit 2:0 in Führung gebracht, aber die Holländer, bei denen der spätere Trainer Huub Stevens verteidigte, siegten mit 3:2. Für den entscheidenden Treffer hatte René van de Kerkhof gesorgt.

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Hertha-Freude dank Ajax-Schule

Und noch einmal – viele Jahre später – sah ich live einen wichtigen Sieg der Holländer. 1988 berichtete ich von der Europameisterschaft und erlebte im Hamburger Volksparkstadion den dramatischen 2:1-Erfolg der Gäste gegen Deutschland im Halbfinale des Championats. Die Atmosphäre war aufgeheizt, die Rivalität der beiden Fußball-Nationen legendär. Die Mannschaft von Teamchef Franz Beckenbauer wurde von Lothar Matthäus angeführt. Bei den Oranjes überragten die Superstars Marco van Basten, Frank Rijkaard und Ruud Gullit, damals das Nonplusultra im europäischen Fußball.

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Herhas Dick van Burik Dick erlebt viele Schlachte, hier gegen den FC Bayern und Roque Santa Cruz.

Es war kurz vor dem Abpfiff als van Basten, der eine Zehntelsekunde früher am Ball war als sein Bewacher Jürgen Kohler, den Siegtreffer erzielte. Das Stadion ertrank in Oranje. Man wird es mir kaum glauben, aber zusammen mit zwei anderen Kollegen gelangte ich im totalen Tohuwabohu in die Kabine der Holländer und bekam ein kurzes Interview mit Frank Rijkaard. Undenkbar in der heutigen Zeit, wo Reporter die Kabinen der Profis nur noch vom Hörensagen kennen. Ich war stolz wie Bolle. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Die ersten Holländer, mit denen ich es bei Hertha zu tun bekam, waren Bryan Roy und Dick van Burik. Beide spielten in der Ajax-Jugend, Roy auch bei den Profis. Später war der einst extravagante Offensivgeist auch viele Jahre als Trainer in der Nachwuchsschule von Ajax am Ball. Und mit van Burik konnte man herrlich über taktische Dinge reden.

Nun also Jurgen Ekkelenkamp. Van Burik, seit Jahren Spielerberater, schwärmte am Telefon: „Jurgen ist einer der Besten seines Jahrganges in Holland. Der Schritt in die Bundesliga ist richtig. Hertha wird Freude an ihm haben.“ Ich meine: auch Dank Ajax! 

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