Hertha-Trainer Pal Dardai denkt nach dem 0:6 bei RB Leipzig  nicht an Rücktritt und blickt bereits nach vorn. Imago

Höchststrafe für Hertha BSC! Die Blau-Weißen kommen zum zweiten Mal in der noch jungen Saison böse unter die Räder. Die 1000 nach Leipzig mittgereisten Fans quittieren die fürchterliche Darbietung ihres Teams beim 0:6 bei RB mit Galgenhumor. Und Investor Lars Windhorst muss sich die derbe Pleite schöntrinken.

„Wow! Bin etwas geschockt grad und brauche gleich einen Drink …“, schrieb Windhorst in den sozialen Medien nach der heftigen Abreibung in Sachsen.

Auch die Fans waren entsetzt, allerdings nicht sprachlos. „Wir hol’n die Meisterschaft“, stimmten die Anhänger voller Häme im Gästeblock an. Und später, nach dem 0:6: „Oh, wie ist das schön. So was hat man lange nicht gesehen.“ Wobei letzteres nicht stimmt. Das 0:5 beim FC Bayern ist gerade mal vier Wochen her.

Dardai schließt Rücktritt aus 

Doch das Debakel bei RB war nochmals heftiger als die Klatsche beim Rekordmeister. Am Ende konnte das Team von Trainer Pal Dardai noch froh sein, dass es nicht schlimmer unter die Räder kam. Während Hertha nicht eine nennenswerte Torchance in 90 Minuten hatte, hätte RB locker noch zwei oder drei Tore mehr schießen können.

Dardai schloss am Sonntagmorgen auf dem Schenckendorffplatz einen Rücktritt aus. „Wer mich kennt, weiß, Pal kommt jeden Tag mit vollem Akku und motiviert zum Training und versucht, die Spieler wie eigene Söhne zu behandeln, jeden Spieler zu verbessern“, erklärte er. „Auch heute bin ich mit guter Laune gekommen.“

Bobic und Dardai anderer Meinung 

Während Sportchef Fredi Bobic die Profis harsch kritisierte, stellt sich Dardai schützend vor seine Spieler und verwies auf den erst Ende August vollzogenen Umbruch sowie auf die vielen Verletzten: „Wir haben vor ein paar Wochen eine neue Mannschaft bekommen. Das braucht Zeit. Die Jungs müssen sich finden.“

dpa
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Den Dissens mit Bobic findet der Coach aber nicht schlimm: „Man kann nicht immer die gleiche Meinung haben. Wenn man seiner Frau jeden Tag erzählt, alles ist gut, bekommst du irgendwann kalte Suppe.“

Dardai will Hertha wiederbeleben 

Trotz der Klatschen in München und Leipzig sieht Dardai seine Mannschaft mit sechs Zählern aus sechs Spielen fast im Soll: „Vielleicht haben wir einen Punkt zu wenig. Gegen Köln und Wolfsburg war mehr drin.“

Die einzigen beiden Siege holte Hertha nach der ersten heftigen Pleite beim FC Bayern gegen die beiden Aufsteiger. „Die Niederlagen sind ein Weckruf“, erklärte Dardai, der überzeugt ist, dass Hertha erneut in die Spur zurückfindet: „Wir haben unsere Qualität, da habe ich ein Riesenvertrauen und Fantasie. Wir arbeiten eng zusammen.“

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