Sportchef Fredi Bobic steht bei Hertha BSC immer mehr in der Kritik. Foto: Imago

An seinem ersten Arbeitstag bei Hertha BSC hatte der große Hoffnungsträger den Finger in die Wunde gelegt. „Aus der Ferne hatte man den Eindruck, es waren gefühlt zwei Jahre Abstiegskampf“, sagte Fredi Bobic im vergangenen Sommer: „Das ist etwas, was wir hier bei der Hertha nicht gerne haben. Und in Zukunft nicht gerne sehen wollen. Dafür musst du ackern und einige Dinge auch verändern.“

Hart gearbeitet hat Bobic seitdem, viel verändert hat er auch - aber eines ist unter dem neuen Geschäftsführer geblieben: Hertha steckt tief im Abstiegskampf. Dass sich der Hauptstadtklub neun Monate nach seinem Dienstantritt sportlich erneut in diesem Schlamassel befinden würde, hätte er „nicht gedacht“, gab Bobic zu: „Das war so nicht geplant. Wir haben nicht top performt.“

Das gilt in gewissen Bereichen sicher auch für ihn. Für die Entlassung von Trainer Pal Dardai im vergangenen Herbst gab es genügend gute Gründe, doch bei der Neubesetzung hat sich Bobic nach aktuellem Stand einen Fehlgriff geleistet. Er zauberte völlig überraschend Tayfun Korkut aus dem Hut, der zuvor drei Jahre keinen Klub mehr betreut hatte. Der niederschmetternde Zwischenstand: ein Punkteschnitt von 0,75.

Fredi Bobic gerät bei Hertha unter Druck

Eine zweite Trainerentlassung in seinem ersten Jahr bei Hertha würde auch Bobic schwer unter Druck setzen. Am Sonntag soll er bei einer Krisensitzung mit der Mannschaft dem abwesenden Trainer demonstrativ den Rücken gestärkt haben. Doch klar ist auch: Bei einer weiteren Niederlage im Krisen-Gipfel am kommenden Samstag (18.30 Uhr/Sky) bei Borussia Mönchengladbach wird Bobic auf der Trainerposition handeln müssen.

Der Gegenwind für den Geschäftsführer nimmt zu. Am Montag räumte der Klub seinen Fans auf Twitter die Möglichkeit ein, einfach mal „Dampf abzulassen“. Der Zorn traf neben Korkut auch Bobic und dessen Arbeit.

Ein User schrieb: „Unsere Spieler sind komplett im Leistungsloch, jeder ist mehr mit sich selbst beschäftigt als mit der Mannschaft. Wie soll man so im Abstiegskampf überleben? Dank Bobic haben wir einen qualitativ schlechteren Kader als letzte Saison.“

Fans kritisieren Herthas Kader

Bobic hatte die Mannschaft in zwei Transferperioden kräftig umgekrempelt, die Gründe dafür waren vielschichtig. Zum einen sollte durch Abgänge von Ego-Spielern wie Matheus Cunha oder Dodi Lukebakio eine neue Mentalität einziehen, die seit Jahren eklatante Führungsschwäche behoben werden.

Doch auch in der aktuellen Krise ist kein Profi zu erkennen, an dem sich die anderen aufrichten können. Dass viele Spieler die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt haben, gestand Bobic erst jüngst ein, der daraufhin den Spieler offen mit Konsequenzen drohte.

Ein zweiter Grund war, dass Bobic einen Transferüberschuss erwirtschaften und Gehälter sparen musste. „Ein Großteil“ der 375 Millionen Euro von Investor Lars Windhorst sei „jetzt sowieso weg“, wie Bobic zugab. Er konnte sich bei Transfers nicht in den höchsten Regalen bedienen, sondern setzte vor allem auf entwicklungsfähige Talente wie Fredrik Andre Björkan, Jurgen Ekkelenkamp und Myziane Maolida. Entwicklung ist in Krisenzeiten aber schwierig.

Hertha-Abstieg wäre Super-Gau

Auch die Klub-Struktur ist Bobic aktiv angegangen. Er hat neue Mitarbeiter wie Kaderplaner Dirk Dufner oder Nachwuchsleiter Pablo Thiam eingestellt und den Kontakt mit strategischen Helfern und Experten gesucht. Über ein ähnlich breit aufgestelltes Netzwerk hatte er zuvor bei Eintracht Frankfurt große Erfolge gefeiert.

Die bleiben bei Hertha aber bisher aus. Das Vertrauen im Präsidium in Bobic ist noch groß. Doch die große Euphorie vom vergangenen Sommer ist längst verflogen. Finden Korkut und sein Team nicht schnellstmöglich in die Spur, droht am Ende der Saison der Abstieg in die Zweite Liga. Ein solchen bezeichnete Bobic als Super-Gau.

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