2018 gewann Hertha BSC erstmals die Deutsche Meisterschaft der A-Junioren. Am Sonntag könnte es zum zweiten Mal klappen – während der Mitgliederversammlung. Imago

Das Chaos bei Hertha BSC geht weiter! Nein, neue Rücktritte, Vorwürfe oder Streitigkeiten sind nach dem Aus von Präsident Werner Gegenbauer und Finanz-Boss Ingo Schiller noch nicht hinzugekommen. Aber: Während am Sonntag in der Messehalle 20 die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung stattfindet, steigt keine vier Kilometer im Amateurstadion im Olympiapark das Finale um die Deutsche A-Jugendmeisterschaft gegen Borussia Dortmund: Stell dir vor, Hertha wird Meister – und keiner der Bosse schaut zu!

Sportlich Positives gab es in dieser Saison wahrlich nicht viel zu berichten. Jetzt überschattet das Durcheinander im Klub und der Machtkampf um das Präsidenten-Amt auch noch das einzig Erfreuliche: Der älteste blau-weiße Nachwuchs kann sich zum überhaupt erst zweiten Mal zum Deutschen Meister küren.

Trainer Michael Hartmann steht in seinem letzten Hertha-Spiel vor seinem Wechsel zum FC Bayern München mit seinen Jungs erneut im Endspiel, trifft dort auf den Nachwuchs des BVB. Ein Finale zu Hause (13 Uhr, Stadion am Wurfplatz). Besser geht’s nicht. Eigentlich. Denn wo sich normalerweise mehrere Tausend Fans tummeln würden, wird jetzt wenig los sein. Zwei Stunden vor dem Anpfiff beginnt schließlich die Mitgliederversammlung.

Hertha-Bosse stellen sich den Mitgliedern

Foto: Imago
Im Halbfinale der B-Junioren am 1. Mai schauten Cheftrainer Felix Magath, Manager Fredi Bobic und Mittelfeldmann Prince Boateng dem Nachwuchs zu.

Sicherlich, bei der Terminierung der MV stand der Einzug der A-Junioren ins Finale noch nicht fest. Dass das Endspiel aber an diesem Sonntag steigen würde und der eigene Nachwuchs eine bärenstarke Saison spielte und damit aussichtsreich im Rennen lag, allerdings schon.

Für Sportchef Fredi Bobic und die anderen Bosse im Verein, die zuletzt noch das Halbfinale der B-Junioren gegen den VfB Stuttgart live verfolgten, wird es stattdessen eher ungemütlich. Schiller wird die Bilanzen, den Millionen-Verlust und seinen Abgang nach 24 Jahren als Geschäftsführer den Mitgliedern erklären müssen. Bobic seinen Kader, die Trainerwahl und sein Konzept für den erneuten Neustart.

Herthas Nachwuchsarbeit ist exzellent, aber …

Während die Profis sei drei Jahren und trotz der immensen Finanzspritze von Investor Lars Windhorst, der selbst bei der MV eine Rede halten will, eine Pleitensaison nach der anderen ablieferten, ist die gute Nachwuchsarbeit, die Erfolge der Akademie das blau-weiße Aushängeschild, auf das viele Fans zu Recht stolz sind.

Einen Haken hat die Erfolgsstory aber: Fast kaum einer schaffte den Sprung zu den Profis. Zumindest dauerhaft. Die erste goldene Generation um Patrick Ebert, Ashkan Dejagah und Prince Boateng feierte 2004 zwar die B-Junioren-Meisterschaft. Richtig Karriere machte der vielversprechende Jahrgang aber nicht – oder eben nicht bei Hertha BSC.

Was Dieter Hoeneß damals nicht schaffte, gelang auch seinem Nachfolger Michael Preetz nicht. Unter dem Ex-Manager feierte Hertha BSC 2018 die bisher einzige Deutsche Meisterschaft der A-Junioren. „So einen Jahrgang hat man nicht alle Tage“, schwärmte Preetz damals. Trotz großer Vorschusslorbeeren, außer Arne Maier, den Preetz-Nachfolger Fredi Bobic erst verlieh und jüngst an den FC Augsburg verkaufte, schaffte keiner so richtig den Durchbruch zum Profi.

Eigengewächse sorgen für Hertha-Identifikation

Auch wenn der Sprung von der A-Jugend in den Profibereich alles andere als ein kleiner ist, ein bisschen besser könnte die Quote durchaus sein. Kandidaten gibt es auch dieses Jahr wieder genug: Mit Rechtsverteidiger Julian Eitschberger (18) und Stürmer Luca Wollschläger (19) feierten unter Cheftrainer Felix Magath zwei Talente bereits Profi-Debüts – mitten im Kampf um den Klassenerhalt.

Bobic hat erneut einen Umbruch angekündigt. Weil die Klubkasse weiterhin leer ist, sollte ein Auftrag lauten, die Erfolgsquote der Talente beim Sprung in den Profikader zu erhöhen. Sollte das ein oder andere Eigengewächs in der kommenden Saison dabei sein, wird das vielen Fans in diesen Tagen, trotz der Rettung in der Relegation, Freude bereiten. Ganz egal wie die MV am Sonntag verläuft …

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