Kay Bernstein hat es geschafft. Er ist neuer Hertha-Präsident.
Kay Bernstein hat es geschafft. Er ist neuer Hertha-Präsident. dpa

Die blau-weiße Revolution ist seit Sonntag 13.32 Uhr da. Nicht nur bei Hertha BSC, nicht nur in der Bundesliga, sondern im europäischen Fußball. Der ehemalige Ultra Kay Bernstein (41) ist neuer Präsident des Traditionsvereins. Von 3016 berechtigten Mitgliedern wählten 1670 Herthaner Bernstein. Auf den vorher als Favorit geltenden Ex-Politiker und Füchse-Boss Frank Steffel (56) entfielen nur 1280 Stimmen.

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Ultras machen Saal zur Feier-Ostkurve

Als Versammlungsleiter Dr. Dirk Lentfer das Ergebnis im City Cube verlas, kannten die Mitglieder aus der Fanszene kein Halten mehr. Erst jubelten sie, standen auf den Stühlen, dann sangen sie zwei Minuten: „Ha, Ho, He, Hertha BSC!“ Die Ostkurven-Feeling im Saal. Feierstimmung und Freude bei den Bernstein-Anhängern.

Doch viel Party wird es jetzt bei den Blau-Weißen nicht geben. Das weiß auch der frischgekürte Präsident. Bernstein sprach bei seiner Bewerbungsrede schonungslos den Ist-Zustand des Vereins an: „Wir haben die Klüngeleien zugelassen, unser Dame liegt auf der Intensivstation. Wir müssen den Verein von Innen entgiften. Wir brauchen einen ehrlichen Neustart. Natürlich kann ich das nicht alleine. Wir sind Hertha BSC, wir alle, die wir hier sind, sind Markenbotschafter.“

Das kam bei vielen Mitgliedern sehr gut an und berührte den Vereinsstolz jedes einzelnen. Keine Streitereien mehr, sondern ein echtes Miteinander und das alles nach 14 Jahren Autokratie-Führungsstil von Gegenbauer, die in den vergangenen drei Jahren nur noch bleiern und erfolglos waren – trotz der 374 Millionen-Euro-Spritze durch Investor Lars Windhorst.

Das angespannte Verhältnis zu Windhorst ist nur eine Baustelle, die größte ist momentan das Bundesliga-Team. Bernstein sagte Manager Fredi Bobic schon mal volle Unterstützung zu. Dazu die offene Stadionfrage. Viel Arbeit, viel Vernunft, viel Zusammenhalt ist dafür notwendig. Bernstein, der trotz seines jungen Alters und keiner Erfahrung als Vereinsfunktionär, sprach die Herzen mit Vernunft an. Hertha geht ein sympathisch-romantisches Wagnis im deutschen Fußball ein. Ein Fan ist der jetzt der Boss.

Hertha-Mitglieder kritisieren Frank Steffel

Es ist ein Gezeitenwechsel bei den Blau-Weißen. Mit einem Neuanfang hatte auch Gegenkandidat Steffel geworben. Doch alleine das Prozedere seiner Bewerbung durch Aufsichtsratsboss Klaus Brüggemann erinnerte dann doch zu viele an alte Zeiten. Es hatte es für den ehemaligen CDU-Politiker deutliche Kritik aus dem Plenum gegeben. So etwa, dass er nicht für einen Neuanfang, sondern für den Erhalt alter Strukturen stehe.

Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, ob die Revolution bei Hertha erfolgreich wird. Die Mehrheit der Mitglieder ist dazu entschlossen, schließlich wurde auch Bernsteins neuer Vize Fabian Drescher mit satter Stimmenzahl ohne Gegenkandidat (Ingmar Pering zog seine Kandidatur zurück) gewählt.

Die Wahl war nach 14 Jahren unter Werner Gegenbauer mit Spannung erwartet worden. Es ist ein Sieg für die aktive Fan-Szene und eine krachende Niederlage für das Establishment des Klubs.

Kay Bernstein will Hertha befrieden

Er könne das nicht alleine, sagte Bernstein. Er wolle ein Team aufbauen, es brauche einen Burgfrieden mit allen in und um den Verein, worin er auch Investor Lars Windhorst einschloss.

Hertha hat turbulente Monate hinter sich. Erst in der Relegation schaffte das Team von Trainer Felix Magath Ende Mai den Klassenerhalt in der Bundesliga. Nur einen Tag später trat der umstrittene Präsident Werner Gegenbauer nach 14 Jahren im Amt zurück. Hertha steckt in einem massiven personellen Umbruch, doch die meisten Schlüsselpositionen sind nun besetzt.

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