Herthas Trainer Sandro Schwarz an der Seitenlinie. Von oben kamen Bierbecher auf ihn geflogen.
Herthas Trainer Sandro Schwarz an der Seitenlinie. Von oben kamen Bierbecher auf ihn geflogen. imago images/Räppold/Koch

Das war für Hertha BSC an der Weser ein Freitagabend zum Vergessen. Dreimal Frust wegen des 0:1 bei Werder Bremen, wegen des miserablen Schiedsrichters Tobis Reichel aus Stuttgart, wegen chaotischer Zustände im Gästeblock für die Fans und obendrauf ein Becherwurf-Skandal. Opfer war Herthas Trainer Sandro Schwarz. Der fand das auch nur noch „asozial“ und „feige“.

Der Reihe nach: Ein paar Bremer Anhänger schmissen während des Spiels und nach dem Abpfiff vier Bierbecher in Richtung der Hertha-Bank, Ziel war Sandro Schwarz. Sie hätten sich über das Siegtor ihres Stürmers Niclas Füllkrug zum 1:0 in der 85.Minute freuen können, doch sie sendeten mit der Aktion Hass aus. Ein ekelhafter Skandal!

Schwarz zur Becherattacke: „Asozial und feige“

Leere Bierbecher liegen hinter Herthas Trainer Sandro Schwarz auf dem Rasen. 
Leere Bierbecher liegen hinter Herthas Trainer Sandro Schwarz auf dem Rasen.  dpa/Jaspersen

Sandro Schwarz sprach es danach auch an und schwieg nicht über den Vorfall: „In aller erster Linie möchte ich jetzt erstmal sagen, dass es nicht etwas mit Bremer Fans zu tun hat. Es gibt beim Fußball immer wieder Einzelpersonen, die sich so verhalten. Was soll ich sagen?“ Eine kurze Pause, dann legte er los: „Das sind vier, fünf Leute, die auf die Idee kommen Bierbecher zu schmeißen. Das ist asozial, feige.“

Herthas Trainer war über die Attacke im Schutze der Anonymität total sauer: „Die, die so etwas machen, die sollen sich stellen nach dem Spiel, sollen das Gesicht zeigen. Dann kann man da drüber reden. Ich weiß ja nicht, ob es beim Reden bleibt. Das ist einfach gar nichts – vier Bierbecher schmeißen - asozial.“

Auch Werders Coach Ole Werner war es sichtlich peinlich, was da mit seinem Kollegen gemacht wurde: „Das ist ein absolutes Unding. Erstens haben wir es nicht nötig. Zweitens: Ich weiß nicht wie Leute auf die Idee kommen. 50, 60 Euro kostet so ein Platz und dann rauszugehen und irgendwie zu glauben, das Recht erkaufen zu können, sich so zu benehmen. Das ist komplett daneben. Ich kann mich dafür nur entschuldigen, stellvertretend für Werder Bremen.“

Schiri Reichel überfordert

Das war aber längst nicht alles, was bei Schwarz für Frust sorgte. Schiedsrichter Tobias Reichel hatte ein katastrophale Spielleitung hingelegt. Erst pfiff er zu kleinlich und verteilte übertrieben viele Gelbe Karten, dann drückte er bei manchen Fouls ein Auge zu. Herthas Coach: „Da war die ein oder andere gelbe Karte unnötig. Wenn du weißt, dass hier eine besondere Atmosphäre ist, dann musst du so ein Spiel leiten in der Konsequenz, es komplett im Griff zu haben. Dann musst du in der strittigen Situation, mit Mitchell Weiser auch Gelb-Rot geben. Das war kein unfaires Spiel, da muss man nicht so mit Gelben Karten rumschmeißen. Das war komplett Fehl am Platz.“

Selbst Werders Trainer Werner sagte: „Wenn du in der ersten Halbzeit viele Gelbe Karten gibst, kommst in der zweiten Halbzeit in die Situation, wo dann eben die Entscheidung, gibst du Gelb-Rot, was vielleicht einer Linie folgt oder du verlierst vielleicht deine Linie.“

Plattenhardt nach dem 0:1: „Es kotzt mich an“

Fest steht: Wenn Weiser nach dem Foul an Marco Richter in der 66. Minute vom Platz geflogen wäre, hätte das Herthas Chancen auf zumindest einen Punkt erhöht. So blieb am Ende nur Frust nach der Niederlage. Marco Richter: „Es war eigentlich ein typisches 0:0-Spiel. Für uns fühlt sich das Scheiße an, wenn man mit leeren Händen dasteht.“ Kapitän Marvin Plattenhardt sagte es noch deutlicher: „Es kotzt mich an.“

So geladen waren auch einige Hertha-Fans. Weil die Stadionordner dem Ansturm der mitgereisten blau-weißen Anhänger nicht in den Griff bekamen, kamen hunderte Hertha-Fans gar nicht oder erst in der zweiten Halbzeit in den Gästeblock. Eine Auswärtsreise, die schlimmer hätte nicht sein können…

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