Herthas Manager Fredi Bobic hat den härtesten Job in der Bundesliga. Er muss den Verein seit anderthalb Jahren finanziell sanieren.
Herthas Manager Fredi Bobic hat den härtesten Job in der Bundesliga. Er muss den Verein seit anderthalb Jahren finanziell sanieren. imago images/Popow

Alle Hertha-Bosse hatten es bei der Mitgliederversammlung im November angekündigt: harter Sparkurs, Personalkosten senken! Worte sind das eine, das andere sind dann die Taten. In diesem Winter wird klar: Hertha muss sich drastisch gesundschrumpfen. Schon fünf Spieler-Abgänge gab es und es könnten bis zum Transferende am 31. Januar noch mehr werden. Herthas Manager Fredi Bobic wird zum Peter Zwegat der Bundesliga.

Der Berliner TV-Sanierer für überschuldete Menschen und angeschlagene Unternehmen setzte bei seiner RTL-Realityshow auch immer den großen Sparhammer an. Die Sendung wurde zum Quoten-Hit und hat Kult-Status. Bobic will eine ähnliche Erfolgsstory mit den Blau-Weißen schreiben. Sparen und trotzdem Siege in der Bundesliga.

Die fetten Jahre bei Hertha sind nach der 374-Millionen-Euro-Spritze durch Investor Lars Windhorst endgültig vorbei. Diese Ära ist längst nur noch eine Altlast. Teure Stars bei der Ablöse und besonders bei den Gehältern. Das Windhorst-Geld ist so gut wie aufgebraucht, knapp 80 Millionen Euro Minus machte Hertha in der vergangenen Saison. Bis zum Sommer muss das weniger werden.

Mit Klinsmann kaufte Hertha noch für 80 Millionen ein

Herthas Kurzzeit-Trainer Jürgen Klinsmann bekam im Januar 2020 Stürmer Krysztof Piatek vom AC Mailand. Ein teures Missverständnis.
Herthas Kurzzeit-Trainer Jürgen Klinsmann bekam im Januar 2020 Stürmer Krysztof Piatek vom AC Mailand. Ein teures Missverständnis. imago images/Perenyi

Vladimir Darida (Aris Saloniki), Dong-Jun Lee (Jeonbuk Hyandai Motors), Davie Selke (1.FC Köln), Fredrik Björkan (Bodö/Glimt) wurden endgültig abgegeben. Deyo Zeefuik (Hellas Verona) erst mal bis Sommer verliehen. Fünf Spieler weg (Linus Gechter kommt im Sommer von Zweitligist Braunschweig zurück), kein Bundesliga-Klub trennte sich von mehr in diesem Winter. Vor drei Jahren in der Klinsmann-Kurzzeit-Ära vor Corona war Hertha noch Europas Einkaufskönig mit insgesamt 80 Mio. Euro Ausgaben. Von den damaligen Spielern Matheus Cunha, Santiago Ascacibar, Krzysztof Piatek und Lucas Tousart ist nur noch Letzterer da.

Anderthalb Jahre später begann Bobic seinen Job. Dem Schwaben wurde ganz schnell klar, als er die Geschäftszahlen sah, dass es nur noch mit einer Radikalkur geht. „Ich kann auch mit kleinerem Etat arbeiten, damit habe ich kein Problem. Ich komme aus dem Ländle, da weiß man, wie man mit Geld umgeht. Einfach kann jeder. Ich mag Herausforderungen“, erklärte er im Sommer 2021.

Trainer Schwarz: „Wir wissen, wie die finanzielle Situation ist“

Fredi Bobic holte Trainer Sandro Schwarz im Sommer 2022 für die harte Mission: Sparkurs und trotzdem Siege in der Bundesliga.
Fredi Bobic holte Trainer Sandro Schwarz im Sommer 2022 für die harte Mission: Sparkurs und trotzdem Siege in der Bundesliga. imago images/nordphoto/Engler

15 Profis wechselten entweder durch Verkauf oder Ausleihe im ersten Bobic-Jahr den Klub. In dieser Saison sind es 16 Mann - und es können noch mehr werden. Der 33-Mann-Kader wurde auf 28 Mann geschrumpft. Trainer Sandro Schwarz macht den Kurs komplett mit: „Wir wissen, wie die finanzielle Situation bei uns ist. Ich finde, dass wir generell einen großen Kader hatten. Es war die Aufgabe, ihn zu verschlanken.“

Nicht nur das: Statt hoher Gehälter sind die eingekauften Spieler genügsamer. Das Ganze hat seinen sportlichen Preis. Hertha ist weiter im Abstiegskampf – aber das war der Klub auch vorher. Bobic ist von seiner Mission überzeugt: „Wir brauchen willige, gierige Spieler, die alles für den Verein geben.“ Ja, es kommt jetzt auf die Mannschaft und die Fans als zwölften Mann an. Bisher geht das Konzept auf – auch wenn Hertha auf Platz 15 steht. Schwarz: „Die Unterstützung der Fans ist herausragend. Das gibt uns allen viel Energie.“

Die Spieler geben jedenfalls im Winter-Trainingscamp in Florida Vollgas, um die Bundesliga zu halten. Doch im Sommer gibt es noch mal einen Personalschnitt. Bei Marvin Plattenhardt, Maxi Mittelstädt, Kevin-Prince Boateng, Stevan Jovetic und Peter Pekarik laufen die Verträge aus. Doch ein Problem kehrt zurück: die teuren Leihspieler wie Piatek, Omar Alderete und Santiago Ascacibar.

Bobic: „Im Sommer wird es noch mal einen Umbruch geben.“ Jetzt im Winter ist es nur die Vorstufe. Doch bei alldem geistert noch immer mit, dass Bobic vielleicht selbst gehen könnte und beim DFB Nachfolger von Teamchef Oliver Bierhoff wird. Ein Abgang des Sanierers wäre fatal. Schließlich hat Peter Zwegat ja seinen Job bei RTL auch acht Jahre gemacht…

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC >>