Die Erinnerungen an Jürgen Klinsmann sind bei Hertha BSC schon verschwommen. Aber die Altlasten wie Santiago Ascacibar sind noch immer da.
Die Erinnerungen an Jürgen Klinsmann sind bei Hertha BSC schon verschwommen. Aber die Altlasten wie Santiago Ascacibar sind noch immer da. imago images/Koch

Erinnern Sie sich noch an das Tagebuch von Jürgen Klinsmann (58)? In seiner Kurzzeit-Ära bei Hertha BSC erstellte der Ex-Bundestrainer Bewertungsprotokolle über die blau-weißen Profis. Sein erster Wunschspieler Santiago Ascacibar (25) kam im Januar 2020. Klinsmann malte sich eine rosige Zukunft für den Gaucho aus. Drei Jahre später sind das nur noch Fantastereien. Der Argentinier flüchtet zurück in seine Heimat und Hertha-Manager Fredi Bobic (51) muss es ausbaden, weil Klinsmann im Geld schwamm.

„Santiago Ascacibar, 22, Mega-Talent, argentinischer Nationalspieler, gekauft für 12 Mio. (es waren 10 Mio. Euro/d.Red.), weit höherer Mehrwert machbar innerhalb kürzester Zeit“, war Klinsis Rechnung. Ja, es waren euphorische Zeiten. Klinsmann wollte Vollgas geben – beim Raushauen von Geld für Stars, sagte großspurig: „Es hat sich in Europa rumgesprochen, dass wir jetzt neue Ansprüche und neue Zielsetzungen haben.“

Hertha: Klinsmann orakelte von Ascacibars Mehrwert

Grätsche raus! Herthas Santiago Ascacibar im Duell mit Dortmunds Marius Wolf.
Grätsche raus! Herthas Santiago Ascacibar im Duell mit Dortmunds Marius Wolf. imago images/Eibner

Corona stand kurz bevor, durch Klinsmanns Betreiben wurden 80 Mio. Euro für vier Spieler, darunter auch Ascacibar, investiert. Durch die Pandemie gingen die Ablösesummen in den Keller und da sind sie noch. Das konnte keiner ahnen.

Was aber jeder sehen konnte: Ascacibar, vom VfB Stuttgart gekommen, war bis dahin ein mittelmäßiger Bundesliga-Spieler und bestimmt kein Ausnahmekönner. Der defensive Mittelfeldspieler wurde schon damals zu teuer eingekauft. Die besondere Ironie an dieser Verpflichtung: In drei Krisensaisons war der Vorzeigekämpfer dann doch wertvoll auf dem Platz.

Für Hertha-Trainer Sandro Schwarz (44) und seine Fußballphilosophie war Ascacibar zu limitiert, es folgte seine Ausleihe zu Italien-Erstligist US Cremonese, um zumindest mal Gehalt einzusparen. In Cremona konnte er sich nicht durchsetzen, dazu kamen private Probleme in der Heimat.

Ascacibar zurück zu Estudiantes

Jetzt wird Ascacibar bis zum Sommer weiterverliehen – an seinen Heimatklub Estudiantes. Sanierer Bobic kommentiert den Wechsel so: „Wir wussten, dass er sich nicht so glücklich fühlt dort und unheimlich Heimweh nach Argentinien hat.“

Hertha hofft, dass der Klub aus La Plata ihn im Juni kaufen wird. Stuttgart zahlte 2017 rund 6 Mio. Euro an Estudiantes. Höchstwahrscheinlich wird Hertha diese Summe nicht mehr bekommen. Wie war das noch mal mit Klinsmanns Mehrwert?

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