Herthas Ex-Präsident Werner Gegenbauer (l.) und Investor Lars Windhorst hatten sich zum Schluss nichts mehr zu sagen. dpa/Gora

Hertha BSC kommt nicht zur Ruhe. Der Klassenerhalt ist gerade noch so in der Relegation gegen den HSV (0:1, 2:0) gelungen. Präsident Werner Gegenbauer (71) hat nach 14 Jahren hingeschmissen. Doch friedlich wird es nicht bei den Blau-Weißen. Gegenbauer erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen Investor Lars Windhorst (45). Rettung, Rücktritt, Radau – wie schmutzig wird die Mitgliederversammlung am Sonntag (11 Uhr) in der Messehalle?

Hertha-Präsident Gegenbauer: „Windhorst hat den Verein angezündet“

Gegenbauer hatte sich in der sportlichen Krise lange zurückgehalten, um nicht noch mehr Unruhe in den Klub zu bringen. Jetzt, nach dem Gerade-noch-Klassenerhalt, ledert er frontal gegen den 374-Millionen-Euro-Investor los. „Er hat in den vergangenen Wochen, mitten im Abstiegskampf, den Verein angezündet. Windhorst hat eine Spaltung zu verantworten, die den Klub und alle Abteilungen schwer verunsichert hat. Es wird die Aufgabe meiner Nachfolgerin oder meines Nachfolgers sein, diese Spaltung rückgängig zu machen“, erklärte Gegenbauer nach seinem eingereichten Rücktritt im Tagesspiegel.

Windhorst, der im Sommer 2019 bei Hertha eingestiegen war, hatte im März offen zur Revolte gegen Gegenbauer auf der Mitgliederversammlung aufgerufen. Für den zurückgetretenen Präsidenten ging es Windhorst immer darum, mehr Einfluss auf das operative Geschäft zu bekommen. Gleichzeitig hat Windhorst aber nicht immer pünktlich die Raten seines Investments gezahlt. So war in wichtigen Transferphasen kein Geld da, um ad hoc neue Spieler zu kaufen. Pünktliche Zahlungen also …

Hertha BSC: Windhorst-Zahlungen waren häufig unpünktlich

„Das ist sehr häufig leider nicht passiert, was die Planungen des gesamten Vereins und besonders der Lizenzspieler-Abteilung in erhebliche Turbulenzen gebracht hat“, wird Gegenbauer bei Bild zitiert. Wie reagiert Windhorst jetzt darauf? Er hat 374 Millionen Euro gezahlt, um aus Hertha einen großen Klub zu machen, der international spielt. Stattdessen gab es drei Krisensaisons bei den Blau-Weißen. Windhorst sprach vor Wochen schon von „verbranntem Geld“.

Mittwoch ließ Windhorst durch seinen Sprecher Andreas Fritzenkötter ausrichten: „Wir sehen mit Respekt, dass Werner Gegenbauer den Weg für einen Neuanfang freigemacht hat. Die sehr persönlichen, haltlosen Attacken gegen Lars Windhorst haben zwar mit Neuanfang nichts zu tun. Nachtreten ist aber nicht unser Stil.“ Sonntag will der Geldgeber, der laut Vereinsstatuten gar kein Mitspracherecht hat, zum ersten Mal als Redner bei der Mitgliederversammlung auftreten. Wird er da dann Gegenbauer kontern? Die Herthaner sind bei ihren Meinungen auf jeden Fall gespalten. Die einen sehen Gegenbauer als Grund der Dauerkrise, die anderen nehmen es Windhorst übel, dass er mitten in der Krise einen Streit vom Zaun gebrochen hat.

Hertha-Investor Windhorst: „Haltlose Attacken!“

Die Vereinsversammlung wird nur die Ouvertüre zum neuen Machtkampf im Verein. Denn durch Gegenbauers Rücktritt wird eine zweite außerordentliche Mitgliederversammlung zur Wahl eines neuen Präsidiums notwendig. Die gibt es aller Voraussicht nach Anfang Juli. Bisher gibt es mit dem ehemaligen Ultra Kay Bernstein (41) nur einen Kandidaten. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte?

Bernstein äußerte sich übrigens auch via Facebook zum Gegenbauer-Rücktritt: „Ich finde Respekt und Wertschätzung hat Werner Gegenbauer verdient! Wir sollten bei ihm beginnen, eine vernünftige Abschiedskultur zu etablieren. 14 Jahre Ehrenamt (!) sind zu würdigen, auch wenn viele Ziele nicht erreicht wurden. Werner Gegenbauer war, ist und bleibt Herthaner!“

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