Hertha BSC lebt wieder, auch dank Co-Trainer Mark Fotheringham, der gegen Hoffenheim für Felix Magath einsprang und mächtig Energie versprüht. Foto: Imago

Hertha BSC kann seit einigen Tagen wieder einmal ein Alleinstellungsmerkmal in der Liga vorweisen: Die Mannschaft besitzt einen Co-Trainer, dem Taktik „wurscht“ ist. Es geht um den urigen Schotten Mark Fotheringham (38), der Cheftrainer Felix Magath assistiert. Beim 3:0-Triumph gegen die TSG Hoffenheim coachte Fotheringham für den an Corona erkrankten Magath als Chef überaus engagiert, war unentwegt in seiner Zone unterwegs, gab kluge Anweisungen – aber ohne dabei wie ein aufgeregtes HB-Männchen zu wirken.

Herthas Fotheringham erinnert an Beckenbauer

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Feierten zusammen Herthas ersten Sieg der Rückrunde: Co-Trainer Mark Fotheringham und Stürmer-Trainer Vedad Ibisevic.

Als der Sohn eines Gerüstbauers aus Dundee nach dem Sieg gefragt wurde, welche Idee hinter dem 4-1-4-1-System mit Niklas Stark als Sechser gesteckt habe, antwortete der rustikal daherkommende Coach u. a.: „Haben wir 4-1-4-1 gespielt? Taktik ist mir wurscht.“ Irgendwie erinnert mich die Herangehensweise des Motivators Fotheringham an einen legendären Spruch von Franz Beckenbauer, der einst sagte: „Geht’s  raus und spielt Fußball!“ Das deutsche Team wurde 1990 der Legende nach auch nach dieser saloppen Anweisung Weltmeister.

Fotheringham jedenfalls hat schon nach wenigen Tagen in Berlin das Zeug, wegen seiner direkten Ansprache an die Spieler und seiner stattlichen Erscheinung zu einer Kultfigur aufzusteigen. Das ist bislang noch keinem Co-Trainer bei Hertha seit den 1990er-Jahren passiert. Dabei gab es sehr unterschiedliche Typen.

Herthas Co-Trainer: Von Storck bis Gämperle

Vor allem Bernd Storck ist mir als engagierter Co-Trainer von Jürgen Röber von 1996 bis 2002 in bester Erinnerung geblieben. Der heute 59-Jährige agierte später selbst als Cheftrainer, etwa der Nationalmannschaft von Kasachstan und von Ungarn. Im Moment arbeitet er als Chef beim belgischen Erstligisten KRC Genk. Er sagte mir nun zum Thema Co-Trainer: „Der Assistent muss dem Chef den Rücken frei halten und Bindeglied zwischen Mannschaft und Boss sein. Im besten Fall ist er eine Vertrauensperson der Profis, muss Strömungen im Team schnell erkennen und weiterleiten. Fachlich sollte er möglichst ebenbürtig mit seinem Chef sein.“ Storck erzählte, er erlebe bei Genk gerade keine einfache Situation im Staff. „Ich habe drei belgische Co-Trainer und einen Assistenten aus Dänemark …“

Gespannt waren meine Reporterkollegen und ich einst auf den Schweizer Harald Gämperle, wegen seiner harten Methoden ehrfürchtig „Dirty Harry“ genannt. Chefcoach Lucien Favre wollte Gämperle 2007 unbedingt von Zürich mit nach Berlin nehmen. Koste es, was es wolle!

Die Bosse des FC Zürich lobpreisten Gämperle als den „König unter den Assistenten“. Hertha musste eine Ablöse zahlen. Gämperle aber traf später das Los vieler Co-Trainer: Auch er verlor nach der Entlassung von Favre seinen Job. 2019 kam er als Assistent von Ante Covic kurz zurück nach Berlin. Es blieb ein erfolgloses Intermezzo.

Hertha BSC: Werden Magath und Fotheringham Kultfiguren?

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Lasst euch drücken! Mark Fotheringham herzte nach Herthas Sieg gegen Hoffenheim jeden seiner Spieler.

Als bestens eingespieltes Duo habe ich Pal Dardai und seinen Co-Trainer Rainer Widmayer in Erinnerung. Letzterer galt als Taktikfuchs. Er sagte einmal über seinen Chef Dardai: „Sein Bauchgefühl ist phänomenal. Und noch besser ist es, dass seine Bauchentscheidungen auch immer umsetzbar waren.“

Schwer hatten es dagegen Ante Covic und Rene Tretschok, als die beiden als Co-Trainer von Altmeister Otto Rehhagel agierten, der 2012 im Alter von 73 Jahren Hertha vor dem Abstieg retten sollte. Beide Assistenten ackerten in der Woche intensiv mit den Profis im Training, aber am Spieltag machte „König Otto“, was allein er wollte und für richtig hielt.

Zehn Jahre später müssen der 68-Jährige Felix Magath und Mark Fotheringham die Hertha retten, aber ihr Verhältnis ist völlig anders. Magath schätzt den Schotten sehr, weiß genau um dessen Stärken im direkten Umgang mit den Spielern. Und Fotheringham ist glücklich, „an der Seite eines der besten Trainer“ zu stehen. Wenn das Duo den Klassenerhalt schaffen sollte, werden die beiden zu Kultfiguren aufsteigen. Ganz sicher.

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