Hertha-Trainer Bruno Labbadia (2.v.r.) sucht nach dem Abgang von Vedad Ibisevic einen neuen Kapitän. Foto: City-Press

Es ist eine der wichtigsten blau-weißen Entscheidungen: Wer führt Hertha in der kommenden Saison als Anführer aufs Feld? Bruno Labbadia (54) weiß um die Bedeutung einer neuen Hierarchie im Team. Dennoch bleibt der Cheftrainer cool, will sich in der K-Frage nicht drängen lassen. Sein Credo: Kommt Zeit, kommt Kapitän.

„Aufwachen!“ und „Was ist hier los?“, schallte es unter der Woche über den Schenckendorffplatz. Immer wieder forderte Labbadia von seinen Profis: „Wir müssen mehr kommunizieren.“

Einer, der naturgemäß als Wortführer vorangeht, ist der Kapitän einer Mannschaft. Doch nach dem Abgang von Vedad Ibisevic (36) ist der Posten weiterhin vakant. Trotz des Vakuums will sich Labbadia bei der Suche noch Zeit lassen.

„Das ist viel zu früh“, sagt der Coach zum Bergfest der Vorbereitung drei Wochen vor Saisonstart. „Das Team muss sich erst kennenlernen. Außerdem wollen wir ja noch den ein oder anderen dazu holen“, erklärt Labbadia.

Labbadia weiß, dass die Wahl des Spielführers von großer Bedeutung ist. Sportlich wie sozial. Der neue blau-weiße Kapitän muss Wortführer, Ansprechpartner und Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainerteam sein. Hertha will nach oben. Die Wahl des Kapitäns könnte dabei entscheidend für eine erfolgreiche Spielzeit sein.

Klar ist: Die Lücke, die zahlreiche etablierte Kräfte hinterlassen haben, ist noch zu groß. Neben Ibisevic ließ Hertha auch Salomon Kalou, Per Skjelbred und Thomas Kraft ziehen. Allesamt genossen in der Kabine ein hohes Ansehen.

Kandidaten gibt es genügend. Damit sich eine neue und vor allem ausgewogene blau-weiße Hierarchie bildet, greift Labbadia in die psychologische Trickkiste: „Alle Spieler wählen den Mannschaftsrat. Entweder ich bestimme den Kapitän aus diesem Kreis. Oder ich sage: Wählt bitte auch den Kapitän“, erklärt Labbadia den von ihm gewählten demokratischen Prozess.

Doch frühestens in 14 Tagen, in der Woche vor dem ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal bei Zweitligist Eintracht Braunschweig, soll die Wahl stattfinden – vielleicht sogar später. „Es kann gut sein, dass es sich bis in die Saison reinzieht und wir erst nach ein paar Wochen entscheiden, wer Kapitän wird“, erklärt Labbadia.