Der Torkillerinstinkt kam bei Davie Selke im Hertha-Trikot zu selten raus. Wird er in Köln von Trainer Steffen Baumgart neu geweckt?
Der Torkillerinstinkt kam bei Davie Selke im Hertha-Trikot zu selten raus. Wird er in Köln von Trainer Steffen Baumgart neu geweckt? imago images/Contrast

Neues Jahr, neuer Verein, neues Glück! Das hat sich auch Noch-Hertha-Stürmer Davie Selke (27) gedacht. Er wird nächste Woche zum 1. FC Köln gehen. Immer fleißig, immer Einheizer, doch leider viel zu wenige Tore für die Blau-Weißen. Köln – oder besser Trainer Steffen Baumgart – ist seine letzte Chance, um allen zu beweisen, dass er doch ein starker Bundesliga-Knipser ist.

Selke, der Motivator, der Provokateur auf dem Platz, ist bei Herthas Fans eine Reizfigur. Die einen haben ihn abgeschrieben, weil er zu wenige Tore schoss. Es waren 26 in 126 Spielen. Die anderen mögen ihn, weil er immer Vollgas gab und nicht nur von Teamgeist sprach, sondern ihn auf dem Rasen auch lebte. Er verrichtete Defensivarbeit, gab Torvorlagen. Es waren 16.

Selke: Bei Hertha fing 2017 alles so gut an

Sein bestes Spiel für Hertha machte Davie Selke bei seinem Ex-Klub RB Leipzig. Im Dezember 2017 traf er beim 3:2-Auswärtssieg doppelt.
Sein bestes Spiel für Hertha machte Davie Selke bei seinem Ex-Klub RB Leipzig. Im Dezember 2017 traf er beim 3:2-Auswärtssieg doppelt. imago images/Koch

Rückblick: Selke kam 2017 von RB Leipzig als ehemaliger U21-Nationalstürmer mit dem großen Versprechen, der deutsche Bundesliga-Stürmer der Zukunft zu sein. Er sollte in der Saison 2017/18 Angreifer Vedad Ibisevic, damals 33 Jahre alt, langsam ablösen. Klappte auch zunächst: Zehn Tore machte Selke in der Spielzeit, Ibisevic traf noch sechsmal.

Im Sommer 2018 dann das Unglück: Im Trainingslager in Neuruppin krachte er mit Salomon Kalou so heftig zusammen, dass seine Lunge verletzt wurde. Er musste operiert werden. Zwangspause, und Ibisevic war wieder Stürmer Nummer eins. Selke nur noch Joker.

Eine weitere Saison später wurde ihm Krysztof Piatek im Januar 2020 vor die Nase gesetzt und ein paar Tage später wurde Selke für anderthalb Jahre an Werder Bremen ausgeliehen. Da lief auch nicht viel für ihn zusammen.

Als er im Sommer 2021 zu den Blau-Weißen zurückkehrte, schöpfte er neuen Mut, doch als Konkurrenten bekam er Ishak Belfodil und Stevan Jovetic im Sturm vorgesetzt. Immerhin war er im Endspurt dann wieder Stammstürmer und traf im Abstiegskampf zweimal.

Selke: Viel Teamgeist, wenige Tore

Im Sommer 2022 kam Wilfried Kanga, seitdem wusste Selke, dass er wieder nur Joker bleibt. Lob bekam Selke immer von allen Trainern, auch von Sandro Schwarz: „Davie arbeitet viel für die Mannschaft. Ich mache Leistungen eines Stürmers nicht nur von Toren abhängig.“

Doch das reicht dem Stürmer nicht mehr. Er muss mit 27 Jahren auch an sich denken und vielleicht auf dem Platz etwas mehr Egoismus zurückgewinnen. Vor sechs Wochen bat Selke um Freigabe, jetzt verzichtet er auf viel Gehalt und geht zum 1. FC Köln, zu Urgewalt-Trainer Steffen Baumgart. Der war früher auch mal Stürmer. Baumgart kennt die Gedankenwelt eines Angreifers ganz genau. Und Köln hat einen Mangel in der Offensive.

In der Domstadt wird Selke das Gefühl bekommen, dass er wirklich für seine Tore gebraucht wird. Vielleicht wird das der Wendepunkt für ihn – vom ewigen Joker zur Tormaschine. Er hat es verdient. Doch bitte nicht unbedingt am 32. Spieltag, wenn Selke mit Köln gegen Hertha spielt.

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