Präsident Werner Gegenbauer und Investor Lars Windhorst sind sich gar nicht mehr grün. City-Press

Wir stehen am Abgrund und morgen sind wir einen Schritt weiter. Hertha BSC ist in akuter Abstiegsgefahr, Trainer Tayfun Korkut kurz vor dem Rausschmiss, wenn er Sonnabend (18.30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach verliert. Aber das ist alles anscheinend noch nicht genug für die totale Blamage des Traditionsvereins. Jetzt zoffen sich die Bosse um Präsident Werner Gegenbauer und 374-Millionen-Euro-Investor Lars Windhorst. Ein Klub zerlegt sich gerade selbst.

Nachdem Windhorst ein Filmprojekt über Hertha einstampfen ließ, kracht es jetzt richtig. Zuerst ließ der Investor durch seinen Pressesprecher Andreas Fritzenkötter seinen ganzen Unmut über die Hertha-Führung verkünden. Es mündete in der Aussage: „Wir haben nicht gedacht und waren überrascht, dass Hertha nach unserem Einstieg so die Türen zuschlägt. Im Mai ist die nächste Mitgliederversammlung. Da wird sicher etwas passieren müssen.“

Herthas Präsidium reagiert auf Kampfansage

Präsident Werner Gegenbauer von Hertha BSC am Rednerpult City-Press

Das ist eine Kampfansage gegen Gegenbauer. Das riecht nach Abwahlantrag des Präsidiums bei der nächsten Mitgliederversammlung. Herthas Präsidium reagierte mit einem Statement, darin heißt es: „Mit der Formulierung ist eine Grenze in Bezug auf die Autonomie des höchsten Vereinsgremiums überschritten worden. Wir appellieren nochmals im gemeinsamen Interesse von Hertha BSC, unterschiedliche Ansichten zukünftig intern anzusprechen und zu diskutieren.“

Und weiter wird zu den Aussagen der Tennor-Gruppe durch ihren Sprecher erklärt: „Zum einen halten wir diesen Weg über die Öffentlichkeit für nicht zielführend. Zum anderen wurden zum wiederholten Male unspezifische Vorwürfe und Unterstellungen getätigt. Diese beschädigen nicht nur das Ansehen von Hertha BSC, sondern auch das Investment seitens der Tennor Holding.“

Windhorst ist im Angriffsmodus

Viel zum Lachen hatte Lars Windhorst bisher nicht auf der Tribüne des Olympiastadions. City-Press

Die Spannungen, die seit dem Einstieg von Windhorst im Sommer 2019 vorhanden sind, werden beim sportlichen Absturz immer deutlicher. Der Investor wollte aus Hertha in Windeseile einen europäischen Spitzenklub machen. Dass das nicht mit Millionen und per Knopfdruck einfach so passiert, hat er dabei nicht bedacht. Dass es seit zweieinhalb Jahren bei den Blau-Weißen trotz der 374 Millionen aber so abwärtsgeht, will Windhorst nicht länger mitansehen und setzt jetzt zur Attacke an.

Vor knapp einem Monat ahnten schon alle, dass der Finanzexperte auf Konfrontationskurs mit Gegenbauer geht, als er sagte: „Ich lasse mir von niemandem dort Millionen Euro verbrennen und werde darum niemals aufgeben. Ich werde das Investment zum Erfolg führen, auch wenn es viel länger dauern wird, als ursprünglich geplant.“

Ohne Namen direkt zu nennen, erklärte er, dass es einigen Leuten um „Machterhalt und Klüngelei“ ginge. Gemeint war Gegenbauer. Der Präsident, der seit 2008 im Amt ist, setzt seit Jahren auf die Autonomie des Vereins („Windhorst kann gern über Hertha BSC sprechen, aber nicht für Hertha BSC“).

Kampfabstimmung im Mai?

Bisher zog das Grenzziehungs-Argument zwischen Verein und Geldgeber bei den Hertha-Mitgliedern, die den Klub nicht als kommerzielles Spekulationsobjekt sehen wollen, auch immer. Doch Gegenbauer selbst wird innerhalb der Mitgliedschaft auch immer kritischer gesehen. Bei seiner Wiederwahl im Oktober 2020 bekam er nur noch 54 Prozent der Stimmen. Knapp anderthalb Jahre später und die dritte Katastrophensaison in Folge schwindet der Zuspruch noch mehr. Bei den Mitgliedern gibt es zwei Lager. Die einen halten zu Gegenbauer, die anderen wollen einen Neuanfang ohne Gegenbauer und haben Verständnis für Windhorsts Unzufriedenheit.

Laut DFL-Statuten und der Vereinssatzung kann Windhorst als Investor nicht selbst als Präsident kandidieren. Er müsste Kandidaten installieren. Der Machtkampf tobt, während das Abstiegsgespenst spukt. Im Mai nach dem Saisonfinale wird bei Hertha wohl der Baum brennen …

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