Spürbar aufgekratzt: Hertha-Sportchef Fredi Bobic (r.) nimmt angesichts der Krise Trainer Tayfun Korkut in die Pflicht, erwartet Punkte beim Spiel in Gladbach. dpa

Tag eins nach dem Hertha-Beben und der sofortigen Trennung von Sportdirektor Arne Friedrich. Der Medienrummel war so groß wie einst zu Zeiten von Jürgen Klinsmann. Fredi Bobic stellte sich den Fragen der Journalisten auf dem Schenckendorffplatz. Der Hertha-Boss wich zwar Fragen zu Friedrich aus, redete dafür aber Tacheles über die sportliche Talfahrt. Bobic stärkt Trainer Tayfun Korkut einmal mehr den Rücken – bis Sonnabend.

Es war ein Satz, den Bobic immer und immer wieder wiederholte: „Wir müssen am Samstag punkten.“ Damit ist klar: Das Duell in Gladbach wird für Korkut zum Endspiel. Zu dramatisch ist die Lage mittlerweile, in die sich Hertha in der Rückrunde mit acht sieglosen Spielen und zwei mickrigen Pünktchen selbst manövriert hat.

Noch hält Bobic aber die Hand über seinen Trainer. Mit den Spielern ging er dafür einmal mehr hart ins Gericht: „Wir sind derzeit keine Mannschaft, die Art und Weise, wie wir gegen Frankfurt aufgetreten sind, hat uns alle erschrocken.“ Bobic fordert, dass sich die Hertha-Profis gegenseitig anstacheln, eine Wagenburgmentalität aufbauen: „Sie müssen sich verbal wehtun, um die Gruppe zu stärken. Die Spieler haben erkannt, dass sie das Problem sind.“

Fredi Bobic droht Hertha-Spielern

Dabei wiederholte Bobic seine Drohung mit Konsequenzen: „Wir werden die Maßnahmen verschärfen. Die Mannschaft muss verstehen, dass sie liefern muss. Ganz egal, welcher Name das ist. Es sind alle gefordert, den Bock umzustoßen. Das geht nur miteinander. Wer nicht mitzieht, wird Probleme haben und nicht mehr dabei sein.“

Fragen zur sofortigen Friedrich-Trennung, der sich am Montag mit der Begründung verabschiedete, nicht mehr ausreichend Einfluss auf sportliche Entscheidungen zu haben, wich Bobic aus. Ob ein Dissens über die Zukunft Korkuts Friedrich dazu bewegt habe, hinzuschmeißen? Bobic: „Dass die oberflächigste und einfachste Frage kommt, war klar. Das hat keine Rolle gespielt, sondern ganz andere interne Sachen, auf die ich aber natürlich nicht öffentlich eingehe.“

Hertha-Boss Bobic erhöht Druck auf Trainer Korkut

Nicht viel mehr sagte Bobic zur Frage, ob ihm vor seinem Antritt als Nachfolger von Ex-Manager Michael Preetz eine andere Situation bei Hertha versprochen wurde – und ließ dennoch tief blicken.

Zur Erinnerung: Neben Friedrich verabschiedete sich auch CEO Carsten Schmidt nach nicht mal einem Jahr, dazu kommt die trotz der 374-Windhorst-Millionen angespannte finanzielle Situation. Bobic: „Um mich geht es gar nicht. Das sind Themen, die kann man mal besprechen. Ich werde keinen Ausgang suchen. Ich rede nicht über andere. Ich rede intern. Und wenn ich dann rede, dann rede ich sehr hart und sehr klar.“

Das haben, zumindest öffentlich, bisher nur die Spieler zu spüren bekommen. Jetzt, neun Spieltage vor Schluss und mit nur noch einem Zähler Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz, erhöht Bobic den Druck auch auf Korkut: „Die Situation ist gefährlich. Die Mannschaft weiß, dass sie liefern muss. Der Trainer weiß, dass er punkten muss. Das ist unausweichlich. Das weiß er auch.“

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