Hatten ein „klares Gespräch“ unter vier Augen: Hertha-Trainer Pal Dardai (l.) und Sportchef Fredi Bobic.  City-Press

Fredi Bobic ist auch vier Monate nach seinem Start als Hertha-Sportchef und trotz der 0:6-Klatsche bei RB Leipzig voller Tatendrang. Das ist auch gut so. Denn die To-do-Liste ist pickepackevoll. Ganz oben steht der Sparzwang trotz der vielen Windhorst-Millionen und der Zwist mit Pal Dardai. Der Cheftrainer erhält nach dem zweiten Desaster der Saison eine Jobgarantie unter Auflagen. 

„Es war eine sehr unglückliche Situation“, sagt Bobic über Dardais Wutrede nach der 0:5-Pleite beim FC Bayern im Interview mit dem kicker. Dardai kokettierte damals mit seinem Abschied („Ich hänge nicht an meinem Sitz“) und riskierte seinen Rauswurf. Die Dinge seien aus der Welt geräumt, erklärt Bobic, stellt aber klar: „Es war ein emotionaler Ausbruch, der nicht zu jemandem passt, der in der Verantwortung steht.“

Dardai erhält Jobgarantie und Auflagen

Dardai habe sich nicht zuletzt durch die Rettungsaktion in der vergangenen Saison verdient gemacht. Das vereinbarte gemeinsame Ziel: eine stabile Saison. Bobic erklärt: „Wir wollen Ruhe und Kontinuität. Wir haben gesagt, wir gehen gemeinsam in die Saison und ziehen sie durch. Auch deshalb passte sein Ausbruch nach dem 3. Spieltag nicht dazu.“

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Deswegen wird Bobic noch mal deutlich und erteilt Dardai nach der sächsischen Abreibung eine Jobgarantie unter Auflagen: „Ich habe es ihm persönlich gesagt und ich sage es jetzt auch öffentlich: Es liegt an Pal Dardai selbst, wie lange er Trainer ist. Das können sogar zehn Jahre werden. Es liegt letztlich immer an der Arbeit, die jemand macht.“

Bobic glaubt nicht an 50+1-Regel

Dardai sieht vor allem wegen der erst am Deadline-Day abgeschlossenen Kaderplanung noch Probleme. Die Mannschaft muss sich erst noch finden. Bobic sagt dazu: „Willkommen in der Corona-Pandemie und im Jahr 2021!“

Apropos Corona: Die massiven Millionen-Verluste wären für Hertha ohne den satten Geldregen von Lars Windhorst wohl kaum zu verkraften gewesen. 374 Millionen Euro pumpte der polarisierende Unternehmer in den Klub. Weil Hertha trotzdem sparen muss, fragen sich viele Fans: Wo sind all die Windhorst-Millionen hin? Bobic erklärt: „Corona war sicher der größte Faktor. Aber es ist ja nicht so, dass keine Werte da sind. Es sind Spielerwerte da. Und wir haben in Strukturen, Prozesse und Mitarbeiter investiert, die wiederum Geld generieren können.“

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Apropos Windhorst: Der will auf Dauer mehr Einfluss und sieht die 50+1-Regel (trotz  Investor behält der Verein die Stimmen-Mehrheit) kritisch. Auch Bobic äußert juristische Zweifel: „Wir hier bei Hertha stehen zu 50+1. Aber ich bin Realist und überzeugt, dass 50+1 in Deutschland auf Dauer nicht überleben, sondern fallen wird.“ Dass Windhorst an seiner Vision vom „Big-City-Club“ festhält und weiter von der Champions League träumt, teilt Bobic. Stellt aber klar: „Den Traum, das zu schaffen, hat man immer. Aber vom Quatschen ist noch niemand dort reingekommen.“

Bobic erklärt Boateng-Rückkehr 

Dass Hertha durch die Abgänge der Topscorer Matheus Cunha und Jhon Cordoba nun weniger Qualität im Kader hat als im Fast-Abstiegsjahr, sieht Bobic nicht so. „Wie weit haben diese Spieler Hertha gebracht?“, fragt er und wiederholt sein Credo: Mentalität schlägt Qualität. 

Deswegen verteidigt Bobic auch die Verpflichtung von Prince Boateng, der in Leipzig lieber den Co-Trainer machte, als zu spielen. „Dass er hier oder da mal ein Wehwehchen hat, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass er als Persönlichkeit zu Hertha passt wie kein anderer. Er kann uns wertvolle Minuten geben auf dem Platz, mal 20, mal 60. Er lebt Hertha auf und neben dem Platz mit jeder Faser. Er gibt der Mannschaft Halt. Er ist für den Klub ein Glücksgriff.“

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