Georg Kofler als Investor in der TV-Show „Die Höhle des Löwen“. Foto: Vox-TV

KURIER: Herr Kofler, Sie wurden vor kurzem in den Aufsichtsrat von Hertha BSC berufen? Dass Sie eine enge Bindung zum deutschen Profifußball haben, war klar, für viele kam das Engagement dennoch überraschend.

Georg Kofler: Ich war in meinen Zeiten als Premiere-Chef der wichtigste Financier des deutschen Profifußballs, insofern bin ich tatsächlich mit allen Vereinen in Kontakt gekommen, habe die Erste und Zweite Liga hautnah erlebt. Und ich wage zu behaupten: Wenn ich Premiere damals nicht gerettet hätte, wären viele Vereine der Ersten und die meisten Vereine der Zweiten Liga im Insolvenzverfahren gelandet. Gerade in so kritischen Phasen lernt man sich noch ein bisschen besser kennen. Und dann kam ich nach Berlin.

Im Jahr 2008, als Sie Kofler Energies gegründet haben.

Das war ein Energie-Unternehmen, spezialisiert auf energieeffiziente Gebäude. Und in dieser Funktion sind wir eher zufällig in Kontakt mit dem 1. FC Union gekommen. Auch weil mein Projektleiter ein glühender Fan der Eisernen war. Er sagte: „Herr Kofler, sie müssen in Union investieren.“ Ich antwortete: „Die kenne ich doch überhaupt nicht.“ Wir haben uns dann kennengelernt und Kofler Energies hat in die Renovierung der Alten Försterei investiert, genauer gesagt in die energetische Sanierung. Die Alte Försterei zählt jetzt zu den energieeffizientesten Stadien in der Bundesliga. So war ich bei Union öfter zu Gast, auch als Sponsor. Ich hatte da meine Business-Seats.

Wie kam es zum Engagement bei der Hertha?

Ich bin mit Lars Windhorst seit vielen Jahren befreundet. Ich schätze ihn als mutigen und außergewöhnlich tatkräftigen Unternehmer. Lars hat mich dann gefragt, ob ich für ihn in den Aufsichtsrat der Hertha gehe. Hinzu kam, dass mein Nachnachfolger bei Premiere, Carsten Schmidt, mit dem ich auch gut befreundet bin, die Position des Geschäftsführers übernommen hat. Da dachte ich mir: Ach, welch netter Zufall. Ich mag so Momente im Leben, wenn ein unerwarteter Steilpass kommt. Das war alles sehr erfrischend. Und jetzt freue ich mich darauf, dass ich auch offiziell bestellt werde. Man soll natürlich so ein Gremium nicht überschätzen, aber klar, ich werde versuchen, da positive Energie hineinzutragen.

Hertha bezeichnet sich als das älteste Start-up Berlins. Haben Sie Anzeichen gesehen, die wirklich auf ein Start-up schließen lassen?

Also von außen betrachtet, nun ja, hatte ich da manchmal das Gefühl, dass sich diese Berliner Eigenschaft des Sichdurchwurstelns, dieser Hang, auch mit mittelmäßigen Ergebnissen zufrieden zu sein, auch bei Hertha breitgemacht hat. Da kann in puncto Spritzigkeit und unternehmerische Kreativität, was einem Start-up eigen ist, nachgeladen werden. Ich bin überzeugt, dass Carsten Schmidt genau diesen neuen Schwung reinbringt.

Können Sie nachvollziehen, dass Lars Windhorst in Hertha BSC investiert?

Jeder weiß, dass das ein Risikoinvestment ist. Aber auch eins mit strategischem Weitblick. Man wird da sicher den einen oder anderen Rückschlag hinnehmen müssen. Aber wenn da eines Tages das richtige Team zusammengestellt ist, dann hat Hertha allemal das Zeug, um ein Big City Club zu sein. Berlin hat jedenfalls einen Big City Club verdient.

Kann das nicht auch Union Berlin sein?

Ich finde den Weg von Union Berlin ausgesprochen eindrucksvoll und bin begeistert, wie die das geschafft haben, sich in der Bundesliga Respekt zu verschaffen. Das ist eine große Leistung, auch eine große unternehmerische Leistung. Aber Hertha BSC, davon bin ich überzeugt, kann ein noch breiteres Publikum ansprechen, schließlich eine breitere Basis haben. Mit dem neuen Management, einer weiter verstärkten Mannschaft und so einem unkonventionellen Investor wie Lars Windhorst im Rücken kann daraus etwas Großes werden. Ein Klub, der in ein paar Jahren tatsächlich weltbekannt ist. Die Chance, die da gegeben ist, ist groß.

Wird der Fußball durch die Corona-Krise einen Einschnitt erfahren?

Nein, ich glaube sogar, das Gegenteil wird passieren. Wenn diese Beschränkungen erst mal aufgehoben sind, wird jeder den Drang haben, zu Events zu gehen. Ob das jetzt die Oper oder der Fußball ist. Da wird wie bei einer Champagnerflasche der Korken rausploppen. Auch das Glücksgefühl wird erst mal größer sein, weil man so richtig glücklich ist, wenn der Schmerz nachlässt. Diese euphorische Stimmung wird eine fröhliche Massenbewegung in Gang setzen.