Gabor Kiraly zeigt im heimischen Ungarn, dass er ein echter Pfundskerl ist. imago-images

An welchen Stammtischen das Gespräch auch immer auf Gabor Kiraly kommt, wissen die meisten bestens Bescheid: Kult-Keeper von Hertha BSC. England-Erfahrung bei Crystal Palace, West Ham United, Aston Villa, FC Burnley und FC Fulham. Mit 108 Länderspielen Ungarns Rekordinternationaler. Seit 2016 mit damals 40 Jahren ältester Spieler, der an einer EM-Endrunde teilgenommen hat. Bis zur vorigen Saison mit seinem Heimatverein Haladas Szombathely noch in der Ersten Liga, der Nemzeti Bajnoksag, dabei. Dreimal Ungarns Fußballer des Jahres. Durch die Journalisten seiner Heimat fünfmal mit dem „Goldenen Ball“ ausgezeichnet. Von den Hertha-Fans 2003 in die blau-weiße Jahrhundert-Elf gewählt, und, natürlich, Teufelskerl in seiner grauen Schlabberhose.

Das ist, in Kurzform, die Vita eines einmaligen Fußballers, eines erstklassigen Torhüters, eines außergewöhnlichen Sportlers, vor allem aber eines überaus warmherzigen Menschen. Denn gerade in Zeiten, da die Welt wegen Covid-19, der Corona-Pandemie, den Atem anhält, zeigt sich der Teufelskerl als wahrer Engel: Gabors K1raly-Stiftung (mit 1 im Namen anstelle des i) spendete dem Städtischen Krankenhaus seiner Heimatstadt Szombathely in dieser Woche einen Patienten-Überwachungsmonitor für die Notaufnahme-Stiftung und der Infektiologie-Stiftung der Klinik drei Pulsoxymeter und zwei digitale Blutdruckmessgeräte.

Eine wahrhaft edle Tat. Wahrscheinlich fällt es den Stadtvätern schwer, ihm zu danken, denn Ehrenbürger Szombathelys ist Kiraly schon. Dabei hat auch er, da ebenso in Ungarn nahezu alles zum Erliegen gekommen ist, genug Sorgen, sein Sportzentrum mit Fußballplatz, Konferenz- und Krafträumen und damit seinen nach ihm benannten Fußballverein FC Kiraly am Laufen zu halten. „Auch in dieser Zeit“, sagt der Chef, „habe ich die Verantwortung zu sagen: ,Wir verändern uns nicht.‘“ Das heißt im Klartext: „Die 40 Mitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz behalten, selbst wenn die Putzfrau nichts mehr zu putzen hat und der Platzwart und die Trainer weniger zu tun haben.“ Selbst in der Krise, und da vielleicht noch mehr, erweist sich der noch immer bärenstarke Torhüter und grandiose Typ als regelrechter Turm in der Schlacht.

Kiralys Geburtstag steht hinten an

„Ich bin als Fußballer aufgewachsen, da brauchte es auch Fleiß und Ausdauer, Willen und Disziplin“, zieht Kiraly als Vergleich für die aktuelle Lage heran, „das macht es mir jetzt einfacher, mich einer solchen Situation anzupassen.“ Es ist für Gabor nicht einmal ein Problem, dass selbst sein 44. Geburtstag am vorigen Mittwoch, ein wenig darunter leiden musste.

Andererseits heißt das alles für ihn und seine Ehefrau Zsanett, etwas durchzuatmen. Aber nur ein wenig. „Es bleibt trotzdem genug zu tun“, sagt er, „wir helfen den Eltern, haben einige Aufgaben im Garten und in der Garage, gehen einkaufen oder mit unserem Hund Gassi.“ Individuelles Training inklusive. „Ach“, meint Kiraly, „wer so oft im Trainingslager war wie ich, dem macht es nicht so viel aus, wenn jemand sagt, dass ich es zwei oder drei Wochen zu Hause aushalten soll. Das Leben läuft langsamer als normal, aber so sind nun mal derzeit die Regeln.“

Einen Vorteil hat alles aber auch: Gabor und Zsanett sehen ihre Kinder Viktoria (19), die in Wien Psychologie studiert, und Matyas (15), der ebenso im benachbarten Österreich zur Schule geht und die 25 Kilometer bis dorthin mit dem Bus fährt, öfter als sonst. „Jetzt ist E-Learning angesagt, das geht ganz gut“, sagt der Familienvater, „wir machen es uns so gut es geht gemütlich und schieben keine Panik. Jetzt bekommen auch wieder Dinge mehr Wertschätzung, die es verdient haben.“

An seine karitative Aktion, die großzügige Stiftung für das Krankenhaus, denkt er da nicht einmal, die ist für ihn selbstverständlich. So handelt nur ein Engel, auch wenn er in seiner Schlabberhose ein Teufelskerl war.