Eins plus eins macht zwei: Hertha-Trainer Pal Dardai setzt im Mittelfeld mit Lucas Tousart (l.) und Santiago Ascacibar auf zwei Balleroberer. Foto:  Imago Images

Noch größer als die blau-weißen Sorgen ist lediglich das Gedränge in Herthas Mittelfeld. Trainer Pal Dardai löst das Gerangel um die Startelfplätze für das Spiel beim VfB Stuttgart (Sonnabend, 15.30 Uhr) mit einem Kniff: Für mehr Power schickt Pal seine Spieler in Kurzarbeit!

Wie bitte? Der Begriff löst bei vielen in Deutschland seit fast einem Jahr Unbehagen aus, lässt manche sogar verzweifelt die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Bei Hertha BSC könnte er dagegen zum berühmten Dosenöffner im Abstiegskampf werden.

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„Sobald einer ausgepowert ist, kommt ein neuer von der Bank“, erklärt Dardai seinen Job-Sharing-Ansatz, der besonders das blau-weiße Mittelfeld betrifft.

Denn der Ungar setzt auf Stabilität, sichert die Abwehr durch zwei defensive Mittelfeldmänner, „Balleroberer“ wie Dardai sie nennt. Das Duo soll dem Gegner das Leder abjagen und sofort, mit klugen und scharfen Pässen, Herthas Umschaltspiel einleiten.

Was gegen die Bayern schon ganz gut klappte, soll nun in Stuttgart dafür sorgen, dass endlich wieder Punkte auf dem blau-weißen Konto landen.

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Beim 0:1 gegen den Rekordmeister setzte Dardai zunächst auf das Mittelfeld-Trio Santiago Ascacibar, Lucas Tousart und Vladimir Darida. Darida gab Vollgas, spulte in nur 56. Minuten mehr als acht Kilometer ab.

Foto:  dpa
Sami Khedira genießt das Vertrauen von Hertha-Trainer Pal Dardai – wird aber in Stuttgart weiterhin von der Bank kommen.

Als der Tscheche platt war, übernahm Arsenal-Leihgabe Matteo Guendouzi. Der Lockenkopf brachte die Bayern mit frischen Kräften und schlauen Pässen ordentlich in Bredouille. „Das war genauso abgesprochen. Wir wollten weiter intensiv anlaufen“, verrät Dardai und lobt: „Das hat funktioniert. Matteo hat richtig Dampf gemacht.“

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Auch, weil beim Franzosen eine Portion Wut dabei war. „Er wollte unbedingt von Anfang an spielen und hat gesagt, dass er auch Bälle erobern kann. Das hat er dann gezeigt“, erklärt Dardai freudig über die positive Nebenwirkung seiner verschriebenen Kurzarbeit. Der Ungar brachte zudem Sami Khedira in der Schlussphase für Santiago Ascacibar, nachdem der giftige Gaucho ausgepowert war. „Sami strahlt Ruhe aus, spielt kluge Pässe. Das hilft uns.“ 

So will Dardai nun beim VfB punkten. Mit einem Sieg kann Hertha den spielstarken Aufsteiger, der zuletzt allerdings ein wenig aus dem Tritt geriet, sogar noch mit in den Abstiegskampf ziehen.

Dabei wird Dardai wenig ändern. Khedira wird zwar immer fitter und in seiner Heimat erneut für Hertha auf dem Platz stehen – dank Dardais Kurzarbeit allerdings wohl erst in der zweiten Halbzeit.