Verunsichert: Nach der roten Karte ging für Hertha plötzlich nichts mehr. imago-images/nordphoto

Hertha geht die Puste aus! So hatten sich die Blau-Weißen das Spiel gegen Lieblingsgegner Eintracht Frankfurt sicher nicht vorgestellt. Das personell arg gebeutelte Team von Cheftrainer Bruno Labbadia (54) verliert gegen die Hessen am Ende sang- und klanglos mit 1:4 (1:0). Knackpunkt: Der Platzverweis für Abwehrchef Dedryck Boyata (29).

Die Schlüsselszene des Spiels passierte kurz vor der Halbzeit – und zog Hertha den Stecker! Innenverteidiger Boyata lief Bas Dost kurz vor der Strafraumlinie unbeabsichtigt in die Beine, brachte den Stürmer aber zu Fall. Schiedsrichter Robert Hartmann entschied zunächst auf Elfmeter, schickte den bereits verwarnten Boyata mit Gelb-Rot vom Platz – bis der VAR eingriff. Hartmann nahm seine Entscheidungen zurück, entschied korrekterweise auf Freistoß – und zeigte Herthas Abwehrchef für die Notbremse glatt Rot. Der Freistoß prallte gegen die Mauer und Hertha rettete sich zunächst in die Pause.

Dabei war die blau-weiße Welt bis dahin in Ordnung. Denn nach mäßigem Beginn legte Hertha ab der 20. Minute so richtig los: Auf die Doppelchance von Kapitän Vedad Ibisevic (22./23.) folgte nur eine Minute später der Auftritt von Krzysztof Piątek. Der Pole, im Winter für 22 Millionen Euro vom AC Mailand geholt, war nach einem katastrophalen Fehlpass von Makoto Hasebe und Zuspiel von Per Skjelbred hellwach, tankte sich im Strafraum gegen gleich zwei Frankfurter durch und schloss trocken per Rechtsschuss aus sieben Meter ab – 1:0.

Herthas Sturmlauf nur ein Strohfeuer

Doch der blau-weiße Sturmlauf sollte nur ein Strohfeuer gewesen sein. Zur zweiten Halbzeit brachte Labbadia Niklas Stark (25) für Ibisevic, um das Abwehrzentrum wieder zu verstärken. Vergebens.

Denn die Unterzahl war gegen anrennende Frankfurter für die personell arg gebeutelten Herthaner zu viel. Nach vorne ging fast nichts mehr. Und hinten wackelte Hertha mit der neu formierten Innenverteidigung gewaltig. Weil weder Stark noch Jordan Torunarigha nach einer Flanke von Danny da Costa auf der Höhe waren, konnte Dost die Kopfball-Ablage von André Silva aus der Nahdistanz über die Linie drücken (50.). Als Marko Grujic Daichi Kamada an der Strafraumgrenze nur eskortierte, dribbelte der Japaner gleich drei Herthaner aus und bediente Silva in der Mitte. Der Portugiese schob den Ball per Hackendtrick  zum 1:2 über die Linie (61).

Von Hertha gab es kein Aufbäumen mehr. Im Gegenteil. Der Himmel öffnete sich – und bei Hertha brachen alle Dämme. Evan N'Dicka nutzte den strömenden Regen, traf mit einem wuchtigen Distanzschuss ins linke Eck (68,). Danach spazierte Stefan Ilsanker durch das gesamte Mittelfeld und bediente per Steckpass Silva für dessen zweiten Streich (86.). Entsprechend bedient war Labbadia: „Durch den Platzverweis haben wir den Zugriff im Zentrum verloren, zu einfache Tore kassiert. Das war heute einfach nicht gut. Frankfurt hat verdient gewonnen.“

Bitterer Nachmittag für Lazar Samardzic

Besonders bitter lief der Nachmittag für Herthas offensive Nachwuchshoffnung Lazar Samardzic (18). Die Offensivkraft kam für den in der 32. Minute mit Wadenproblemen vom Feld humpelten Per Skjelbred – und musste nach nur 21 Minuten auf dem Platz für Alexander Esswein wieder runter. „Wir kennen seine Stärken in der Offensive. Defensiv hat es heute nicht so funktioniert. Dazu kam die Unterzahl“, erklärte Labbadia.

Das Spiel passte zum gebrauchten Hertha-Tag, der bereits vor Anpfiff mit einer Hiobsbotschaft begann. Mit Maximilian Mittelstädt (23) reiht sich der nächste Profi ins blau-weiße Lazarett ein. Der Linksverteidiger leidet unter dem Pfeifferschen Drüsenfieber. Für Mittelstädt ist die Saison beendet. Immerhin: Mit dem Abstiegskampf hat Hertha vor dem Spiel in Freiburg (Dienstag, 20.30 Uhr) nichts mehr zu tun.