In fünf Jahren machte Fredi Bobic aus Eintracht Frankfurt einen Champions-League-Kandidaten. Foto: Imago/Jan Huebner

Meine letzte längere Begegnung mit Fredi Bobic liegt schon einige Jahre zurück. Wir unterhielten uns locker in den Gängen der Berliner Max-Schmeling–Halle und Bobic rauchte hastig eine Zigarette, ehe er später in der Traditionsmannschaft von Hertha BSC beim „Turnier der Legenden“ auflief.

Zusammen mit Pal Dardai, Zecke Neuendorf und Dariusz Wosz gewann Bobic das Oldie-Turnier. Ob der 49-Jährige noch immer ab und an raucht, ist mir nicht bekannt, aber ich weiß, dass der einstige Nationalspieler und Europameister von 1996 in der neuen Saison zum wichtigsten Zugang bei Hertha BSC werden könnte – als Nachfolger von Michael Preetz auf dem Posten des Geschäftsführers Sport.

Die Fakten: Nach fünf stressigen, aber erfolgreichen Jahren als Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt sucht Bobic eine neue Herausforderung. Seinen Abschied von den Hessen hat er bereits bestätigt. Und es ist kein Geheimnis, dass Hertha Bobic heftig umwirbt.

Glänzend vernetzt

Frankfurt trifft diese Nachricht zur Unzeit, denn das Team ist auf dem Weg in die Champions League. Für Hertha aber wäre es eine gute Nachricht, sollte der Weg des charismatischen Managers zurück nach Berlin gehen.

Bobic ist glänzend vernetzt in der Spieler- und Berater-Szene und kann vielfältige Erfahrungen aufweisen – als Spieler in der Bundesliga und der Premier League, als Manager im bulgarischen Burgas, in Stuttgart und Frankfurt.  

Im Gegensatz zu Michael Preetz, der elf Jahre stets nur bei Hertha als Manager agierte, hat Bobic Probleme auf vielen Stationen lösen müssen. Zudem lebt seine Familie schon viele Jahre in Berlin. Und: Herthas neuer Vorsitzender der Geschäftsführung Carsten Schmidt kennt Bobic gut und schätzt ihn sehr.

Bobic ähnelt Klinsmann

Ich glaube, Bobic sieht sich als eine Art Projekt-Entwickler – aber mit begrenzter Verweildauer. Da ähnelt er vielleicht sogar Jürgen Klinsmann. Vier oder fünf Jahre hält er für eine sinnvolle Zeitspanne, um Großes zu bewirken.

Vor allem in Frankfurt hat er das geschafft. DFB-Pokalsieger 2018, Europa-League-Halbfinale 2019 und nun sogar die Königsklasse im Visier! Für seine Personalpolitik wurde er bewundert. So musste er die berühmte „Büffelherde“, das Sturmtrio Luca Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic, verkaufen, nahm dafür aber über 100 Millionen Euro ein, holte Jovic dann von Real Madrid zurück und machte das Team wieder zukunftsfähig.

In Berlin könnte ihn die Vision von Investor Lars Windhorst reizen, mit Hertha ganz oben anzugreifen und doch noch den „Big-City-Club“ Realität werden zu lassen.

Magische Dreiecke

Jeder Fußballfan kann die beliebte Quizfrage beantworten, wer einst beim VfB Stuttgart das „Magische Dreieck“ bildete. Es war Bobic zusammen mit Sturm-Partner Giovane Elber und Spielgestalter Krassimir Balakow. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Bobic bald bei Hertha ein neues Dreieck bildet, das durchaus „magisch“ werden könnte – mit Arne Friedrich als Sportdirektor und Pal Dardai als Cheftrainer.

Sollte Bobic nach Berlin kommen, wäre es nämlich sein zweiter Versuch, bei Hertha BSC etwas zu bewirken. Als er als Mittelstürmer im Sommer 2003 zusammen mit Artur Wichniarek zu Hertha wechselte, kündigte der damalige Manager Dieter Hoeneß vollmundig an: „Wir haben einen 26-Tore-Sturm gekauft!“

Der zweite Versuch

Bobic hatte zuvor 14-mal für Hannover 96 getroffen, Wichniarek zwölfmal für Arminia Bielefeld. Doch die Mannschaft geriet in Abstiegsgefahr und erst unter Trainer Hans Meyer schaffte Hertha den Klassenerhalt. Bobic blieb bei sieben Treffern stehen, Wichniarek bei zwei Törchen.  

Immerhin: Zusammen mit Arne Friedrich und Pal Dardai kam Bobic 2003/04 auf die meisten Saison-Einsätze. Hertha BSC war aber in der bunten Vita des Profis Fredi Bobic nicht die beste Station. Als möglicher Geschäftsführer Sport könnte sich das ändern.