Hertha-Torwart Marcel Lotka glänzt derzeit, hat aber seine Sachen für den BVB schon gepackt. Foto: City-Press

Was hätte Marcel Lotka wohl nur für einen Blick in die Glaskugel gegeben? Bei Hertha BSC war der 20 Jahre alte Deutsch-Pole bis vor Kurzem nur Torwart Nummer fünf. Jetzt, vor dem Derby gegen den 1. FC Union (Sonnabend 18.30 Uhr, Sky) und im knallharten Abstiegskampf gilt Lotka sogar als blau-weißer Hoffnungsträger. Allerdings nur für kurze Zeit. 

Es war ein tristes Dasein und sicherlich hatte sich Lotka seine Zukunft nach seinem Wechsel 2020 aus der Jugend von Bayer Leverkusen‚ bei Hertha BSC ganz anderes vorgestellt. In der zweiten Mannschaft sollte er erste Erfahrungen für den Herrenbereich sammeln. Doch daraus wurde nichts. Weder bei den Profis noch bei den Herthas U23 in der Regionalliga Nordost kam Lotka zum Zug.

Also folgte er den Lockrufen aus Dortmund, unterschrieb im Januar aus Mangel an Perspektive und dem Vernehmen nach auch an Wertschätzung – Hertha setzte ihm im Winter sogar noch Dänemarks U21-Nationaltorhüter Oliver Christensen vor die Nase – einen Vertrag ab kommendem Sommer. Nicht bei den Profis, sondern bei der Reserve des BVB, die in der Dritten Liga kickt.

Die Liga staunt über Herthas Marcel Lotka

Lieber zurück in die Heimat, dachte sich der gebürtige Duisburger, als weiter vergeblich im für ihn freudlosen Berlin auf der Bank zu sitzen. Zumal Hertha ihn durch den Christensen-Deal sogar zur Nummer fünf degradierte.

Doch kurz nach seiner Unterschrift in Dortmund änderte sich die Situation schlagartig: Hertha-Stammkeeper Alexander Schwolow (29), der alles andere als eine überzeugende Saison spielt, verpasste Ende Februar drei Spiele wegen einer Corona-Infektion. Weil dazu die Ersatzmänner Rune Jarstein (Reha nach Knie-OP) sowie Christensen (Corona-Infektion und Oberschenkelverletzung) ausfielen und Nils Körber das Tor der U23 hütete, war Lotka plötzlich gefragt.

Und weil er sein Profi-Debüt nicht nur überlebte, sondern dabei auch mit der ein oder anderen Parade glänzte, war Lotka schlagartig in aller Munde. Die Liga staunt über Herthas Nummer fünf, die im Rampenlicht Bundesliga keine Anzeichen von Lampenfieber zeigt.

Für Lotka geht es beim BVB zurück zu den Amateuren

Auch seinen Kaltstart in Leverkusen ab Minute 16 (Schwolow zog sich einen Sehnenriss im Oberschenkel zu) meisterte er mit Bravour, sodass es gar keine Diskussionen darüber gibt, wer im Prestige-Duell gegen den 1. FC Union vor mehr als 74.000 Zuschauern im wohl ausverkauften Olympiastadion im Hertha-Tor stehen darf. Fällt Schwolow bis zum Saisonende aus, kommen für Lotka wohl fünf weitere Bundesliga-Einsätze hinzu.

Kurzum: Lotka erlebt ein ganz besonderes Fußballmärchen, das allerdings wegen des Fluchs der frühen Unterschrift zunächst einmal kaum Aussicht auf ein Happy End hat. In Dortmund reibt man sich zwar vor Vorfreude auf Lotka die Hände, dennoch wird er bei den Borussen erst mal wieder Torwart Nummer vier sein – und im Amateurstadion Rote Erde vor rund 1000 Zuschauern spielen.

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