Ein Bild von 2011: Patrick Ebert (r.) kritisiert Michael Preetz (l.), wirft dem Ex-Manager vor, Hertha BSC kaputtgemacht zu haben. Imago

Sie sorgten früher für Furore in Berlin und sind ganz aktuell wieder Gesprächsthema in der Hauptstadt. Die Berliner Jungs und Ex-Hertha-Stars Änis Ben-Hatira, Patrick Ebert, Ashkan Dejagah, Chinedu Ede und der noch bei Hertha aktive Prince Boateng. In der DAZN-Serie „Underground of Berlin“ blicken die einstigen Hoffnungsträger auf ihre Anfangszeit bei Hertha BSC zurück. Was einst nach einem Dreamteam von hochtalentierten Spielern aussah, zerbrach ziemlich schnell. Patrick Ebert gibt dafür vor allem dem blau-weißen Langzeit-Manager die Schuld: „Michael Preetz hat den Verein kaputtgemacht.“

Was die Serie des Streamingdienstes verspricht, droht Hertha BSC ganz aktuell am letzten Spieltag am Sonnabend in Dortmund: der Gang ins Unterirdische. Um den Horror der Abstiegsrelegation zu vermeiden, braucht die Mannschaft von Trainer Felix Magath entweder einen Punkt beim BVB – oder die Schützenhilfe von Union-Legende und Köln-Trainer Steffen Baumgart beim VfB Stuttgart.

„Underground of Berlin“ blickt dagegen auf Herthas einstige goldene Generation von hochtalentierten Berliner Kickern zurück, die Mitte bis Ende der Nullerjahre im Westend zu Profis heranwuchsen. Während Boateng aus disziplinarischen Gründen die U21-EM 2009 verpasste, wurden Ebert, Dejagah, Ben-Hatira und Ede mit den späteren Rio-Weltmeistern Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Mesut Özil, Sami Khedira, Jérôme Boateng (bereits als HSV-Profi) und Mats Hummels Junioren-Europameister. Für die einstigen Hertha-Stars reichte es aber außer bei Prince Boateng zu keiner großen Karriere.

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Hertha: Preetz wehrt sich gegen Ebert-Kritik

„Underground of Berlin“ zeigt auch Fotos und Videos aus der Kindheit von Ben-Hatira, Ede und Co. DAZN

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Die Gründe sind bekannt: Zum einen waren da Eskapaden und Disziplinlosigkeiten der Spieler, zum anderen geht die Serie der Frage nach, warum die damaligen Hertha-Manager, erst Dieter Hoeneß und später Michael Preetz, die Spieler ziehen ließen. Fast alle Protagonisten kommen in der Serie zu Wort, äußern sich durchaus selbstkritisch, gehen aber auch hart mit den einstigen Bossen ins Gericht.

„Es war eigentlich prädestiniert dafür, dass etwa Großes entsteht“, erklärt Ede, der von 1999 bis 2008 bei Hertha spielte und wird dann deutlich. „Wir Spieler haben es auch verschissen, aber Hoeneß und Preetz haben es mindestens genauso verschissen.“ Ebert (2002 bis 2012 bei Hertha), der mittlerweile in Griechenlands Zweiter Liga kickt: „Preetz hat den Verein kaputtgemacht. Hoeneß hat den Verein vielleicht verschuldet, aber er hat dafür gesorgt, dass in Berlin Stars spielen.“

Boateng hat sich bei Hertha mehr Rückhalt gewünscht

Für Boateng, der nach mehreren Versuchen unter Preetz erst vergangenen Sommer unter Nachfolger Fredi Bobic wieder den Weg zur Hertha fand, ist die Geschichte vor allem eins: tragisch. Boateng: „Was für eine Mannschaft wir aufbauen hätten können. Wir hätten 20 Jahre zusammen spielen können. Es wäre keiner weggegangen, wenn wir diesen Rückhalt gehabt hätten.“

Preetz wehrt sich gegen die Kritik: „Das ist etliche Jahre her. a) kann ich das nicht beurteilen und b) steht mir das nicht zu. Ich war nicht verantwortlich.“ Generell sagt der Ex-Manager über Talente: „Wir können nur Rahmenbedingungen schaffen. Durch die Tür müssen die Jungs selbst gehen. Man kann jede Menge Spieler dagegenstellen, bei denen das durchaus auch funktionierte.“ Andererseits gibt sich Herthas Rekordtorschütze auch selbstkritisch. Preetz: „Das ein oder andere Thema hätte man sicherlich besser lösen können.“

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Patrick Ebert war 2012 der Letzte der goldenen Generation, der Hertha BSC verließ.

Bevor Preetz 2009 von Hoeneß übernahm und 2019 mit den vielen Millionen von Investor Lars Windhorst shoppen ging, schafften einige Talente wie Maximilian Mittelstädt, Arne Maier oder Jordan Torunarigha den Sprung in den Profi-Kader, stagnierten aber zuletzt oder trumpften nach Leih-Geschäften bei anderen Klubs auf.

Boateng, der nach 13 Hertha-Jahren als 20-Jähriger nach Tottenham wechselte, sagt rückblickend: „Wir waren die Stars für einen Zeitraum, aber Profis waren wir nie. Wir haben alle mehr Rückendeckung gefordert. Vom Präsidenten, vom Manager. Von all denen, die uns beschützen hätten müssen.“

Ex-Hertha-Profi Ashkan Dejagah: „Wir haben Berlin geliebt“

Dejagah (2000 bis 2007 bei Hertha) erinnert sich gern zurück, auch wenn es wehtut: „Wenn irgendetwas war, sagten alle gleich: ‚Die Jüngeren sind schuld.‘ Dann hieß es: ‚Ah, die leben nicht professionell, gehen raus, gehen feiern, machen dies, machen das.‘ Aber wir haben komischerweise auch immer Leistung gebracht. Aber sobald es nicht lief, waren immer wir schuld.“

Dejagah zog es zum VfL Wolfsburg, wo er zwei Jahre später – unter dem heutigen Hertha-Trainer Magath – Deutscher Meister wurde. Den Schmerz, dass es bei Hertha nicht klappte, sieht man ihm, der seine Karriere in Katar ausklingen lässt, in der Serie mehrfach an. Dejagah: „Mit mehr Unterstützung wäre keiner von uns gegangen. Wir sind in diesem Verein groß geworden, haben ihn auf der Haut tätowiert. Keiner von uns wollte Berlin verlassen. Wir haben Berlin geliebt.“

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