Federico Bernardeschi wurde zuletzt mit Hertha BSC in Verbindung gebracht. Foto: imago images

Am Montagfrüh galt mein Interesse dem italienischen Nationalspieler Federico Bernardeschi. Der spielt im Starensemble von Juventus Turin, aber dort nur eine Nebenrolle. Am späten Sonntagabend besiegte Juve das Team von Udinese Calcio mit 4:1, Superman Cristiano Ronaldo brillierte und Bernardeschi wurde nach 74 Minuten eingewechselt. Keine Angst, das wird keine Juventus-Kolumne, sondern wie immer eine Betrachtung zu Hertha BSC. Beides aber hängt in diesem Fall eng zusammen.

Die seriöse und auflagenstarke Zeitung Corriere dello Sport hat wegen des bis zum 1. Februar geöffneten Transfermarktes ein interessantes Tauschgeschäft zwischen Hertha und Turin ins Gespräch gebracht. Krzysztof Piatek, in Berlin noch nicht glücklich, aber einst bei Genua und beim AC Mailand äußerst treffsicher und in Italien populär, könnte mit Bernardeschi getauscht werden. Klingt verrückt, aber nicht undenkbar. Turin fahndet nach einem Mittelstürmer vom Typ Piatek. Juve-Mann Bernardeschi (26) indessen soll große kreative Fähigkeiten besitzen und kann auf beiden Flügeln glänzen, da, wo Hertha gerade mit Javairo Dilrosun ein exzellenter Dribbler wegen Verletzung länger ausfällt.

Ein Tausch wäre kein Neuland

Für Hertha wäre ein Tausch kein Neuland. Schon einmal gelang Hertha-Manager Michael Preetz ein lukratives Tauschgeschäft. Im Herbst 2013 ging Berlins bulliger Stürmer Pierre-Michel Lasogga zum Hamburger SV – im Tausch mit dem Norweger Per Skjelbred, einem Kämpfer im Mittelfeld. Beide schlugen in ihren neuen Vereinen voll ein. Skjelbred stieg gar zu einer Hertha-Instanz auf. Dieser ungewöhnliche Transfer entpuppte sich einst als eine Win-win-Situation, wie es heute so schön heißt.

Da der Transfermarkt nun wieder geöffnet ist, kann erneut herrlich spekuliert werden. Gerüchte machen die Runde, die am Ende meist nur Gerüchte bleiben. Manager und Trainer flüchten sich bei Nachfragen in Ausreden oder auch in Notlügen. Im Fall von Hertha aber haben Manager Preetz und Trainer Bruno Labbadia deutlich gesagt, dass man sich in Sachen Transfers zurückhalten werde und stattdessen auf die Spieler konzentriere, die unter Vertrag stehen.

Obwohl man ja gerne von großen Namen träumt – da mache ich überhaupt keine Ausnahme –, erscheint mir dieses Vorgehen im Moment als der richtige Weg. Der personelle Umbruch im Jahr 2020 war bei Hertha gewaltig. Im letzten Winter 2019/20 investierte man die Rekordsumme von 77 Millionen Euro in vier neue Profis – allein Piatek kostete 24 Millionen –, im Sommer/Herbst-Transferfenster ließ Preetz nochmal rund 33 Millionen Euro springen, um ein halbes Dutzend Neue zu verpflichten. Ich habe versucht, deren Auftritte einmal auf einer Skala von 1 (Fehleinkauf) bis 10 (überragender Transfer) zu bewerten:

Durchwachsene Noten

Matteo Guendouzi (äußerst kreativer Mann/Note 8), Alexander Schwolow (zuverlässiger und meinungsstarker Keeper/Note 8), Jhon Cordoba (robuster Torjäger/Note 7), Omar Alderete (zweikampfstarker Verteidiger/Note 6), Lucas Tousart (Mann mit Anführerqualitäten aber Anpassungsproblemen/Note 6), Deyovairo Zeefuik (bislang nur Ersatz/Note 4), Eduard Löwen (Bankdrücker/Note 2). Fakt ist, dass viele Transfers gelungen sind. Hertha besitzt nun zahlreiche starke Individualisten, aber noch kein dauerhaft funktionierendes, harmonisches Ensemble.

Der jüngste 3:0-Sieg gegen Schalke sollte der Teambildung einen Schub geben. Zudem wird der souveräne Auftritt die Rufe nach weiteren Transfers leiser werden lassen.

Dennoch: Die Spekulationen über neue Profis kann auch Hertha bis zum Transferschluss Ende des Monats nicht verhindern. Ob etwa aus dem Gerücht über ein Tauschgeschäft zwischen Juventus und Hertha, beide Vereine werden kurioserweise „Alte Dame“ genannt, Realität wird? Oder ob sich Herthas zwei konkurrierende Stoßstürmer Piatek und Cordoba stattdessen gegenseitig zu neuen Höhen antreiben? Letzteres wäre mir lieber.