Sehen so Absteiger aus? Den Profis von Hertha BSC droht in dieser Saison der Absturz in die Zweite Liga. Imago

Hertha BSC feiert am 25. Juli seinen 130. Geburtstag! Das ist ein stolzes Jubiläum. Dieser Tag aber könnte – wird der rasante sportliche Abwärtstrend nicht sofort gestoppt – ohne großes Brimborium ganz bescheiden in den Niederungen der Zweiten Liga begangen werden.

Mit stillem Wasser statt mit Champagner. Nach all dem, was ich am Wochenende zusammen mit 25.000 Fans im Olympiastadion bei der Blamage gegen Eintracht Frankfurt erlebte, ist die Wahrscheinlichkeit riesengroß, dass es solch ein Szenario geben wird. Zu sehen war der Zerfall einer hochbezahlten Mannschaft samt einem ratlosen Cheftrainer. Schlimm, regelrecht schockierend und äußerst schmerzhaft für alle, die es mit der Hertha halten. Und nicht zu erklären.

Hertha stieg einst mit 24 Punkten ab

25 Spieltage sind vorbei und Hertha bekommt noch neun Chancen, das Drama abzuwenden. Da der Klub seit 2019 mit 374 Millionen Euro von Investor Lars Windhorst unterstützt wurde, käme es zum teuersten Abstieg der Liga-Geschichte. Das viele Geld ist fast aufgebraucht.

Wie war eigentlich die Situation nach jeweils 25 Duellen in den Spielzeiten 2009/10 und 2011/12, die mit zwei Abstiegen endeten?

Unter Trainer Friedhelm Funkel und mit Kapitän Arne Friedrich stieg Hertha BSC 2010 sang- und klanglos ab. Imago

Ein kleiner Blick zurück: am 25. Spieltag – am 6. März 2010 – verlor Hertha unter Trainer Friedhelm Funkel, der nach sieben Spielen Lucien Favre abgelöst hatte, beim Hamburger SV mit 0:1, stand mit 15 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Ein Spiel später, nach einer 1:2 Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg, rasteten viele Hertha-Fans aus und stürmten den Platz. Ein schlimmes Vorkommnis mit Folgen: 50.000 Euro Strafe und im nächsten Heimspiel durfte Hertha nur 25.000 Tickets verkaufen.

In den letzten neun Duellen ergatterte die Mannschaft lediglich neun Punkte und stieg mit 24 Zählern sang-und klanglos ab. Und das mit solch gestandenen Profis wie etwa Fabian Lustenberger, Pal Dardai, Arne Friedrich, Adrian Ramos und Raffael. Die Bürde, mit unglaublich mickrigen sechs Punkten (!) nach der Hinrunde eine Aufholjagd zu starten, war ein paar Nummern zu groß.

Hertha-Abstieg in der Relegation

Etwas besser sah es nach 25 Spielen in der Abstiegssaison 2011/12 aus. Hertha hatte mit Altmeister Otto Rehhagel, den Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer in höchster Not aus dem Rentnerdasein rissen, gerade in Köln mit 0:1 verloren, lag mit 23 Punkten – so wie aktuell unter Tayfun Korkut – auf Platz 16. Mit Markus Babbel, Michael Skibbe und Rene Tretschok hatten sich vor „König Otto“ schon drei Trainer versucht. In den letzten neun Duellen holte die Mannschaft nur noch acht Punkte (insgesamt 31) und rettete sich in die Relegation. Die ging bekanntlich gegen Fortuna Düsseldorf unter skandalösen Umständen verloren (1:2; 2:2).

Was bedeuten die Erfahrungen von damals für die heutige Situation?

2012 folgte nach dem Wiederaufstieg erneut der Abstieg in die Zweite Liga, nachdem Hertha BSC in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf verlor. Imago

Da ich wie viele andere Beobachter auch noch unter dem Eindruck des erschütternden Auftritts gegen Frankfurt stehe, sehe ich die aktuelle Lage vertrackter und aussichtsloser als in der Vergangenheit. Vor zehn und zwölf Jahren wehrte sich die Mannschaft, stemmte sich gegen den Abstieg, besaß einige Führungsspieler und eine wenn auch wacklige Hierarchie.

Was ich in diesen Tagen erlebe, ist eine Mannschaft, die a) falsch zusammengestellt wurde, b) keine mentale Stärke besitzt und c) die sich lange überschätzt und in trügerischer Sicherheit wähnte.

Hertha in Gladbach: Endspiel für Korkut

Mir scheint auch die Tatsache, dass zahlreiche Profis wissen, dass ihre Verträge im Sommer nicht verlängert werden, und erneut ein personeller Umbruch bevorsteht, dem Teamgeist abträglich zu sein.

Trainer Tayfun Korkut darf am Sonnabend beim Abstiegsgipfel bei Borussia Mönchengladbach noch auf der Bank sitzen. Geht es schief, muss Sportchef Fredi Bobic seinen Wunschtrainer entlassen und einen „Feuerwehrmann“ holen. Das Eingeständnis von Bobic, einen Fehler begangen zu haben, wäre eine Marginalie, sollte der Klassenerhalt mit einem neuen Retter tatsächlich gelingen.

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