Lukebakio verwandelt den Elfmeter zum 2:1. Foto: AFP

Puh! Der blau-weiße Bock ist umgestoßen! Nach neun sieglosen Spielen kann Hertha BSC wieder gewinnen. 2:1 (0:1) gegen Abstiegskonkurrent FC Augsburg. Ein Sieg in allerletzter Sekunde per Elfmeter! War das die Wende in der Katastrophensaison?

Es lief die 87. Minute: Lukas Klünter schickte mit einem Steilpass auf Lucas Tousart in den Strafraum. Augsburgs Mads Pedersen tat dem Franzosen den Gefallen und grätschte ihn um – Strafstoß, nochmal Videoprüfung, es bleibt dabei und Dodi Lukebakio versenkte den Elfer eiskalt zum 2:1 (89.). Erleichterung, Jubel, alle blau-weißen Spieler versammelten sich zur Traube an der Eckfahne. Endlich ein Sieg, endlich mal Spielglück in einer echten Zitterpartie.

Das Heimmatch begann mit einem Tiefschlag nach nur 109 Sekunden. Bei Augsburgs erstem Angriff klärte Niklas Stark, Augsburgs Tobias Strobl nahm den Ball auf und passte zu Andre Hahn. Wo war sein Bewacher Deyo Zeefuik? Antwort: zu weit weg vom Gegner. Hahn köpfte weiter zu Laszko Benes und der traf aus spitzem Winkel zum 1:0. Unfassbar, wie einfach der Gegner dieses Tor machen konnte. Das Spiel sollte der große Wendepunkt in der Katastrophensaison werden. Doch stattdessen begann das große Zittern nach nur zwei Minuten.

Herthas Offensive bemühte sich zwar, die Blau-Weißen hatten auch mehr Ballbesitz, doch alles wirkte mal wieder stockend und umständlich. Sportdirektor Arne Friedrich mit knallharter Analyse in der Halbzeitpause: „Im letzten Drittel haben wir zu wenig Bewegung, Kreativität und Torchancen. Das ist einfach zu wenig.“ Bis auf einen Schuss von Santiago Ascacibar in der 21. Minute gab es in der ersten Halbzeit keine gefährlichen Hertha-Torchancen. Augsburgs Florian Niederlechner köpfte dagegen an den linken Pfosten (38.). Ein zweites Gegentor, damit wäre wohl die fünfte Heimniederlage in Serie – und damit ein neuer Vereins-Negativrekord – schon besiegelt gewesen. So ging es nur mit einem Ein-Torrückstand in die Kabine.

Trainer Pal Dardai nahm zur zweiten Halbzeit einen Doppelwechsel vor. Für Ascacibar kam Matteo Guendouzi, für Maxi Mittelstädt wechselte der Coach Luca Netz ein. Die Blau-Weißen machten sofort mehr Druck und Jhon Cordoba hatte den Ausgleich auf dem Fuß, als er aus zwölf Metern abzog. Unions Ex-Keeper Rafal Gikiewicz kratzte mit einer sensationellen Parade den Ball von der Linie (46).

Dann in der 62. Minute eine Traumkombination wie aus dem Lehrbuch. Lukas Klünter bediente Vladimir Darida mit einem Steilpass. Der Tscheche stürmte in den Strafraum und flankte präzise auf Kris Piatek, Kopfball, drin, 1:1. Die blau-weißen Profis können es. Aber warum machen sie es bloß so selten?

Dann traf ja noch Lukebakio. Trainer Pal Dardai war glücklich: „Erste Halbzeit waren wir nicht aggressiv genug. Ich habe in der Halbzeit gesagt: Leute, es wird nicht mehr schlimmer. Also, los jetzt! Es ist ein verdienter Sieg!“