Die Berliner Polizei soll zukünftig mit Elektroschockpistolen ausgestattet werden. Gleichzeitig spricht sich der neue Berliner Senat für ein neues Hertha-Stadion im Olmypiapark (kl. Foto) aus.  
Die Berliner Polizei soll zukünftig mit Elektroschockpistolen ausgestattet werden. Gleichzeitig spricht sich der neue Berliner Senat für ein neues Hertha-Stadion im Olmypiapark (kl. Foto) aus.   Tim Oelbermann/imago, Matthias Koch/imago

Der neue Koalitionsvertrag von CDU und SPD hat für Hertha BSC gute und schlechte Nachrichten parat. Während der neue Berliner Senat sich in der blau-weißen Stadion-Debatte nun auch offiziell für einen Neubau im Olympiapark ausspricht, sorgt die Verschärfung des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG) für Entsetzen bei den Fans. Elektroschockpistolen und Präventivhaft: CDU und SPD schocken Fanhilfe von Hertha BSC!  

„Der heute vorgestellte Koalitionsvertrag ist ein Frontalangriff auf die Fan- und Freiheitsrechte in unserer Stadt. Die geplante massive Aufrüstung der Polizei wird nicht für mehr Sicherheit sorgen, sondern das jetzt schon vorhandene ‚Feindbild Fan‘ der Sicherheitskräfte weiter zementieren“, erklärt Fritz Müller, Sprecher der Fanhilfe Hertha BSC.

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Der Grund: Der Entwurf des Koalitionsvertrags von CDU und SPD soll nicht nur die Einführung von Tasern für die Polizei trotz noch andauernder Evaluierung beinhalten, sondern auch eine Verschärfung des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes – dem Berliner Polizeigesetz. Ein Teil davon: Zukünftig soll die Präventivhaft auf fünf Tage ausgeweitet werden, auch Online-Durchsuchungen seien dadurch nun möglich. 

Fanhilfe Hertha BSC kritisiert Berliner Senat scharf

Laut der Fanhilfe Hertha BSC würde das bedeuten, „dass entgegen zahlreicher höchstrichterlicher Entscheidungen die Sicherheitskräfte in Berlin zukünftig noch mehr als bisher schon in die Privatsphäre der Menschen in dieser Stadt eindringen dürfen“.

Die Vergangenheit hätte gezeigt, dass solche Methoden, die eigentlich zum Kampf gegen den Terrorismus eingeführt wurden, sich in kürzester Zeit auch gegen Fußballfans richten könnten. Die Fanhilfe befürchtet, dass Fußballfans und auch normale Stadiongänger verstärkt kriminalisiert werden. 

Fanhilfe Hertha BSC will Rechte von Fußballfans stärken

Für Müller und die Fanhilfe Hertha BSC steht fest: „Wer meint, im 21. Jahrhundert eine Sicherheitspolitik von gestern gegen jedes gute Argument durchdrücken zu müssen, befindet sich auf dem politischen Holzweg. Sollten diese Pläne Wirklichkeit werden, sehen wir es als unsere Aufgabe an, mit aller Kraft und den uns zur Verfügung stehen Mitteln dagegen vorzugehen. Die Rechte von Fußballfans gehören nicht ins Abseits, sondern müssen aktiv gegen Vorverurteilung und polizeiliche Willkür gestärkt werden.“

Weitaus positiver dürften die Pläne von CDU und SPD bezüglich der seit Jahren geführten Stadion-Debatte bei Hertha BSC und den Fans ankommen. Wurden in der Vergangenheit immer wieder auch andere Standorte für eine neue reine Fußballarena diskutiert, legt sich der neue Berliner Senat in seinem Koalitionsvertrag auf den von Hertha BSC favorisierten Neubau im Olympiapark fest.

Berliner Senat gibt grünes Licht für neues Hertha-Stadion im Olympiapark, aber ... 

Nördlich des Maifeldes (links oben im Bild) könnte Hertha BSC ein eigenes Stadion bauen. Der neue Berliner Senat sprach sich nun grundsätzlich für einen Neubau im Olympiapark aus.
Nördlich des Maifeldes (links oben im Bild) könnte Hertha BSC ein eigenes Stadion bauen. Der neue Berliner Senat sprach sich nun grundsätzlich für einen Neubau im Olympiapark aus. Matthias Koch/imago

„Wir unterstützen den potenziellen Neubau eines privat finanzierten reinen Fußballstadions für Hertha BSC mit einer Kapazität von ca. 45.000 Zuschauerinnen und Zuschauern an einem angemessenen Ort auf dem Olympiaparkgelände – dabei werden die Bewohnerinnen und Bewohner der Genossenschaftswohnungen an der Rominter Allee geschützt“, heißt es im neuen Koalitionsvertrag von CDU und SPD. 

Zur Erinnerung: Eigentlich wollte Hertha BSC bereits 2025 in einem neuen Stadion spielen. Nachdem der erste Standort für eine neue Arena an der Rominter Allee wegen der bereits erwähnten Genossenschaftswohnungen vom Tisch ist, plant Hertha BSC einen Neubau auf dem Gelände des Reitvereins neben dem Maifeld im Olympiapark – stößt aber auch dort auf Widerstand.

Hertha BSC soll weiter manchmal im Olympiastadion spielen

Grund zum Jubeln wie der BFC Dynamo, der durch den Koalitionsvertrag auf eine Millionen-Investition ins Sportforums hoffen darf, hat Hertha BSC aber nicht. Denn auch der neue Senat stellt zeitnah anrollenden Baggern alles andere als einen blau-weißen Freifahrtschein aus. Denn weiter heißt es: „Gleichzeitig sind die Interessen der ansässigen Vereine und Verbände zu berücksichtigen. Zentral ist für uns die Sicherung der weiteren wirtschaftlichen Nutzung des Olympiastadions und der Waldbühne.“

Bedeutet: Neben dem zu klärenden Streit mit dem Reitverein pocht auch der neue Berliner Senat darauf, das Olympiastadion, das Hertha BSC derzeit mietet, nicht zum Millionengrab werden zu lassen. Immerhin hier scheint eine Lösung in Sicht: Hertha BSC hatte bereits angekündigt, große Spiele wie gegen den FC Bayern, Borussia Dortmund oder den 1. FC Union weiterhin im Olympiastadion auszutragen.

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